Mit dem Album - Sum Of No Evil - legten die Flower Kings erstmals eine längere gemeinsame Schaffenspause ein, was die einzelnen Musiker aber nicht davon abhielt unglaublich produktive und kreative Soloalben zu veröffentlichen. Während Roine Stolt mit - Transatlantic - ein fulminates Comeback feierte und mit - Agents Of Mercy - eine neue Gruppe formierte, die musikalisch sehr stark an die frühen Genesis mit Peter Gabriel erinnert, produzierte Jonas Reingold mit seiner eigenen Band - Karmakanic - sein drittes Album - Who's The Boss In The Factory.
Waren auf den ersten beiden Karmakanic-Alben bereits eine Reihe von genialen Songs, die das Herz eines jeden Prog-Rock-Fans oder Musikliebhabers höher schlagen ließen, so darf ich problemlos sagen, dass es Jonas Reingold dieses Mal mit - Who's The Boss In The Factory - gelungen ist, ein Album zu produzieren, das durchweg hervorragend und empfehlenswert ist. Bereits der fast zwanzigminütige Opener - Send A Message From The Heart - der als Intro eine süße Narration enthält, die von einem kleinen Kind auf Schwedisch gesprochen wird, lässt für die Freunde kreativer Musik keine Wünsche offen. Dieser Song enthält wieder ALLES, was ein perfekter Prog-Rock-Song enthalten muss.
Danach folgt mit - Let In Hollywood - ein kürzeres Stück, das mit Akustikgitarre, und recht amüsanten Soundsamples und Beats hinterlegt ist. Unglaublich groovig wirbelt die Melodie knapp fünf Minuten zwischen dem etwas cool-zerhackten Rhythmus hin- und her. Mit dem Titeltrack - Who's The Boss In The Factory - macht Jonas Reingold klar, wer hier wirklich der Chef ist. Ein 13-minütiger Longtrack der Superlative erwartet das Ohr des Hörers, der sich spätestens nach der Refrainzeile - One By One - Step By Step - überhaupt nicht mehr vorstellen kann, ab sofort auf das regelmäßige Hören dieses tollen Songs zu verzichten.
Im vierten Lied kommen dann alle Freunde, die bei den Flower Kings oder bei The Tangent die genialen Saxophoneinlagen und Soli so schätzen voll auf ihre Kosten, denn kein Anderer als Theo Travis gibt hier sein außergewöhnliches Können zum Besten, und zieht uns mit seinem Spiel unweigerlich in seinen Bann. Das neunminütige Stück glänzt auch durch großartige Hammondorgelsounds und dem ständigen Wechselspiel zwischen Akustik- und Elektrikgitarrensoli.
Der zweigeteilte Song - Eternally - beendet dann das "Fünf-sterne-Album" als wunderschöne Hommage an die beiden, bei einem Autounfall ums Leben gekommen, Markku und Elsie-Marie Reingold mit einem wunderschönen floydähnlichen Gitarrensolo. "Prog-Herz, was willst du mehr?"
PS. Das Booklet ist ebenfalls interessant, denn es enthält neben allen Texten auch ein Sinnbild, das den Charakter der meisten Chefs absolut korrekt widerspiegelt.