Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gewohnte Qualität unter anderem Etikett, 9. März 2009
Wenn man Amanda Palmers erstes Soloalbum hört, fragt man sich sofort, was für eine Motivation sie überhaupt hatte, sich mit einer unabhängigen Karriere zu verwirklichen: Als Texterin, Sängerin und treibende Kraft der Dresden Dolls, kann man nicht unbedingt von künstlerischer Eingeengtheit sprechen und noch dazu klingt die Musik dieses Albums stilistisch und emotional aufs Haar genauso wie ein Album ihrer ursprünglichen Band. So hätte "Who killed Amanda Palmer" auch problemlos unter dem Dresden Dolls-Etikett durchgehen können; was einerseits lobenswert ist, da der Fan somit vor bösen Überraschungen geschützt ist, andererseits kann man einer so vielseitigen Sängerin durchaus das Potential zutrauen, sich auch sicher in anderen Musikgenres zu bewegen.
Mehr braucht man, denke ich, über das Album nicht zu sagen: Es ist die Musik der Dresden Dolls: Klavier und Schlagzeug, Chanson und Rockmusik mit dem gewohnt vieloktavigen, charismatischen Gesang; kompositorisch durchweg auf hohem Niveau, und auch textlich sehr originell - als ganzes verdient es ohne Probleme die Bestnote. Für das nächste Soloalbum wäre aber ein Ausflug in ein anderes Genre wünschenswert.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mit dem grandiosen Charme einer Viper, die man am Schwanz gezogen hat, 1. November 2008
Nein-nein, CD-Titel und Abbildung entsprechen nicht der Wahrheit. Amanda Palmer, noch in allerbester Erinnerung aus dem phänomenalen Debüt-Album der Dresden Dolls, ist quietschlebendig und legt nun solo in alter Frische stimmgewaltig los. Ein paar Begleitmusiker hat sie dabei; diesmal ist die Band etwas opulenter bestückt, aber trotz gelegentlichem Trompeten-, Geigen- und E-Gitarren-Einsatz zum Glück ohne musikalischen Overkill. Neben der Stimme bildet immer noch das gnadenlos bearbeitete Piano das Rückgrat. Und Amanda Palmers Gesangsstil ist sowieso immer noch unverkennbar, diese Kombination aus melancholisch getragenem Erzählen, hingerotztem Punk und furiosem Sprechgesang, der seine Zuhörer atemlos hinterherhecheln lässt. Diese mal gewaltige, mal zerbrechliche Stimme, die mühelos über die Oktaven, Tempi und Klangstärken hinwegtobt, immer mit dem Charme einer ausgehungerten Viper, die man am Schwanz gezogen hat. Diese Sängerin legt los mit einer gnadenlosen Ausdruckskraft, die sie gleich im ersten Takt für immer unterscheidet von den gesammelten Klonen der Top-ten-Damen. Glasklarer, messerscharf akzentuierter Gesang, egal welches Tempo sie hinlegt. Sowas gibt's nicht nochmal.
Und das, was die Dresden Dolls so einmalig machte, diese perfekte Kombination aus Kurt Weill und Punk, die ist auch noch da. Dennoch ist "Who Killed Amanda Palmer" kein müder Aufguss, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Bei aller Perfektion, allem Einfallsreichtum ist das Album dennoch melodiös (nicht umsonst denkt man an Kurt Weills beste Zeiten). Das Piano ist gelegentlich etwas zahmer geraten, aber immer noch eine Kriegserklärung an alles gefällige Barjazz-Geklimper. Amanda Palmer kann nicht nur singen, sondern sie weiß auch, wie's gemacht werden muss. Die Arrangements sind bis ins letzte Detail ausgefuchst, und dennoch kommen sie so behende daher, dass einem unterm Hören entgeht, welch musikalisches Können drinsteckt. Entfesselte Musik, die einem keinen Moment lang mit aufgetakeltem Kulturanspruch vor der Nase rumfuchtelt.
Das Spektrum ist breit: "Astronaut: A Short History of Nearly Nothing" als erster Track knüpft nahtlos ans erste "Dresden Dolls"-Album an, auch "Guitar Hero" erinnert an beste "Dresden Dolls"-Härten -- verstärkt um East Boy Ray von den Dead Kennedys. "Leeds United" zeigt, dass sich in diesen einmaligen Klang auch Trompetenfanfaren integrieren lassen; "Blake Says" und "Have to Drive" beweisen Balladen-Qualitäten in düsterster Stimmung und lassen einen Leonard Cohen vergleichsweise heiter-beschwingt erscheinen, und wer immer das Intro in "Strength through Music" daherrumpeln lässt -- er rumpelt daher wie Tom Waits nach dem Gesangsunterricht und passt einfach zu Palmers diesmal hingehauchten höchsten Höhen und tiefsten Tiefen. Das getragene "What's the Use of Wond'rin?" lässt eine ganz andere Amanda Palmer hören, die mühelos höchste Höhen erklimmt ohne Abstürze -- leider aber auch ohne diese scharfen Kontraste, die Palmer so charakterisieren. Den Kontrast liefert sie allerdings direkt anschließend nach: "Oasis" ist "Dresden Dolls" im "Beach Boys"-Stil. Wer sich's vorstellen kann, der stelle sich's vor. Alle anderen dürfen sich's anhören, die Glücklichen: Am besten gleich alle zwölf Songs mit Ecken und Kanten und Amanda Palmers Stimmgewalt.
"Who Killed Amanda Palmer" ist jedenfalls einer jener seltenen Glückstreffer ohne Füllmaterial, lässt knapp eine Stunde lang exzentrische Musik mit Ohrwurm-Qualitäten vom Stapel.
Ganz erreicht "Who Killed Amanda Palmer" allerdings nicht immer das Niveau vom "Dresden Dolls"-Debüt 2004, aber das ist ja kein Wunder; das war auch nicht mehr zu überbieten. Dennoch ruht sie sich nicht auf den Lorbeeren aus, sondern entwickelt ihren Stil überzeugend weiter, liefert ein Album ab, das sich von allem 08/15 abhebt, ohne sich im Anspruchs-Gehabe zu verheddern. Manchmal werden die Streicher oder die sakralen Zitate für meinen Geschmack etwas zu exzessiv eingesetzt und nehmen manchen Songs die letzte Schärfe, aber das sind höchstens kleine Kratzer am Gesamteindruck und stören nicht entscheidend. "Who Killed Amanda Palmer" ist ein kleiner (Rück-)Schritt für Amanda Palmer, aber erneut ein großer Sprung für jedes Plattenregal.
Allerdings ist das Booklet eher ein Fall für eingefleischte CD-Hüllen-Spartaner: Man liest zwar auf der Rückseite immerhin einen hinterlistigen Pseudo-Nachruf von Neil Gaiman, aber das war's auch schon. Wer z.B. gern die Songtexte nachgelesen hätte oder gern wüsste, wer das Intro von "Strength through Music" raunzt, muss sich schon an den Herrn Internet wenden. Sonst finde ich aber tatsächlich rein garnix zum Beanstanden. Aber umso mehr zum enthusiastischen Loben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kreativ, rührend, bissig: ein Solo-Album mit Daseinsberechtigung, 13. Juli 2009
Die Dresden Dolls befinden sich derzeit in einer Schaffenspause. Drummer Brian Viglione tourt fleißig mit Nine Inch Nails oder The World/Inferno Friendship Society, während Amanda Palmer auf Solopfaden wandelt. Ihr erstes Solo-Album hört auf den schönen Titel "Who Killed Amanda Palmer?", eine Anspielung auf die Serie "Twin Peaks", die sich um den Tod einer Laura Palmer dreht.
Im Vorfeld des Albums stellte sich mir vor allem eine Frage: Warum nimmt eine Künstlerin, die bereits in einer Band spielt, in der sie die alleinige Songwriterin darstellt, ein Soloalbum auf? An mangelhafter kreativer Kontrolle bei der Arbeit an den Alben der Dresden Dolls dürfte das kaum liegen. Doch auch wenn bei "Who Killed Amanda Palmer?" oft das Piano im Vordergrund steht wie bei dem Punk-Cabaret-Duo aus Boston auch, so kann man Amanda den naheliegendsten Vorwurf nicht machen: dass es sich hier einfach nur um ein Dresden Dolls-Album ohne Brian handeln würde. Viel vielschichtiger ist die Instrumentierung und viel detailverliebter sind die Arrangements. Wo die Dolls sich auf Piano, Schlagzeug und vielleicht mal eine zusätzliche Gitarre beschränken, wird hier auch zu Streichern, E-Gitarren, Bläsern und effektreicheren Piano-Sounds gegriffen. Das Album vermisst zwar etwas die Energie des Outputs der Dolls, spielt diese in punkto Abwechslung aber locker an die Wand.
Nun aber genug der Vergleiche mit der Hauptband Amanda Palmers, die dieser Platte einfach nicht gerecht werden würden, weil sie dazu einen viel zu eigenständigen Touch hat. An diesem sicherlich nicht ganz unschuldig ist der Produzent: Niemand geringeres als der König des Klavier-Indie-Pop Ben Folds zeichnet sich für diese verantwortlich. Vor allem den Arrangement kommt dies zu gute, die Streicher sitzen ähnlich sicher wie auf Folds' eigenen Alben, bei manchen der Songs wirkte er auch als Musiker mit.
Bereits der Opener "Astronaut" pustete mich beim ersten Hören ziemlich weg. Mit einer unglaublichen Power schießt das Album los; Amanda spielt sich von Zoë Keating auf dem Cello begleitet in Ekstase und liefert eine gewohnt emotional packende Gesangsleistung ab, die den Gänsehautgehalt des hitverdächtig melodiösen Refrains noch verstärken. Der einzige Song des Albums, dem ich einen Gewissen Hauch Gothic zuschreiben würde, auch wenn mir dieser Gedanke missfällt, einem so großartigen Stück dieses von mir eher gemiedenes Label aufzudrücken. Eher balladesk geht es etwa in den zu großen Teilen auf Gesang, Piano, Percussion und Streicher reduzierten Titeln "Ampersand", "Blake Says" oder "Another Year" zu. Isolation wird oft zum Thema der Texte, oft auf eine traurige Weise ironisch gebrochen, wenn es etwa heißt "he tells me that he's fine/ and the sad thing is: he's right" in "Blake Says", über einen ungeliebten, abweisenden Jungen. Eine kleine Anspielung auf große Künstler der Musikgeschichte ist - wie auch bei manchen Songs der Dresden Dolls - hier auch zu finden, in diesem Fall verweist sie auf Lou Reed und The Velvet Underground.
Doch neben melancholischen Geschichten aus dem Leben fühlt sich Amanda Palmer auch im Zynismus immer wieder pudelwohl. "Who needs love when there's law and order?", fragt sie zu swingenden Bläsern in "Leeds United", getoppt wird das noch vom Song "Oasis", der zu fröhlicher Beach Boys beeinflusster Musik von einem Teenager-Mädchen erzählt, das sich auf einer Party betrinkt, vergewaltigt und dabei geschwängert wird, sich darum aber überhaupt nicht weiter kümmert, schließlich habe sie eine Autogrammkarte von Oasis geschickt bekommen. Bitterböse Satire, die ausgerechnet im Land des schwarzen Humors auf Unverständnis stieß: Englische Radiosender boykottierten die Single. Palmer ließ sich davon nicht irritieren und war sich sicher: wenn sie zu besagtem Text eine herzzerreißende, traurige Ballade aufgenommen hätte, hätte sich niemand daran gestört.
Im Zuge der Album-Veröffentlichung war Amanda mehr als fleißig. Zu 10 der 12 Songs des Albums gibt es Videos auf ihrer YouTube-Seite zu sehen, allesamt qualitativ hochwertig und unterhaltsam, und natürlich ideal um einen Eindruck vom Album zu gewinnen. Der fällt für mich durch und durch positiv aus: kreativ, rührend, bissig - dieses Solo-Album hat jede Daseinsberechtigung und, so wünschenswert es natürlich ist, dass auch The Dresden Dolls mal wieder was von sich hören lassen, bin ich gespannt, was dieses Projekt noch alles hervorbringen wird.
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