Die Streitigkeiten zwischen Ritchie Blackmore und Ian Gillan arteten in einen Machtkampf aus, den Ritchie Blackmore letztlich für sich entschied, indem Ian Gillan die Band verließ. In den Lyrics von "Smooth Dancer" wird eigentlich klar, was Ian über Ritchie zu der Zeit dachte. Ich weiß auch nicht, ob Blackmore überhaupt jemals den Text gelesen hat und wusste, um was es da ging.
Im übrigen ist "Smooth Dancer" eine der besten Nummern des Albums mit einem Mords-Groove und einem ziemlich abgefahrenen Orgelsolo à la Jon Lord.
Und auch ansonsten gibt es wieder mal - wie eigentlich bei jedem der vier Super-Alben der Mk II-Besetzung - keine Ausfälle weit und breit. Schon der eingängige klasse Opener "Woman From Tokyo" mit dem psychedelischem Mittelteil und dem hinzugefügten Klavier am Ende des Songs lässt richtig gute Laune aufkommen und zeigt einmal mehr das erstklassige Songwriting-Potential der Band. Irgendwie nett auch das darauffolgende "Mary Long", wohingegen ich "Super Trouper" (nicht zu verwechseln mit ABBA - die kamen erst später) noch als das "schwächste" Stück ansehen würde, wobei es keineswegs schlecht ist, kommt aber an Songs wie "Our Lady" (klingt regelrecht feierlich), die eben erwähnten Sachen oder "Rat Rat Blue" zum Beispiel einfach nicht heran.
Gerade zu dem letztgenannten Song kann man eigentlich nur sagen: Das rockt - und erneut ein geiles Orgelsolo von Jon Lord.
Übrigens stand gerade Jon Lord ziemlich zwischen den Fronten, wusste nicht so richtig, zu wem er halten sollte. Auf jeden Fall hatte er große Angst, die Band würde sich auflösen.
So weit kam es zwar nicht, aber immerhin musste neben Ian Gillan auch Bassist Roger Glover gehen - die Manager beugten sich der Forderung Ritchie Blackmores, der nur bleiben wollte, wenn Glover (immerhin ein wichtiger Songwriter für Purple, mal abgesehen von seinen Qualitäten als Basser) ersetzt würde.
Trotz einer derartig schmutzigen Trennung im Zorn, ist noch einmal ein großes Album herausgekommen, dem man anhand seiner tollen Songs die schlechte Stimmung innerhalb der Band gar nicht anmerkt. - Als besonderer Anspieltipp sei hier noch in der remasterten Version des Albums der ziemlich geile "First Day Jam" genannt.
Nach "Who Do We Think We Are" schlug ja Deep Purple bekanntlich mit den neuen Mitgliedern Glenn Hughes und David Coverdale eine wesentlich bluesigere Richtung ein und schrieb weniger Hard-Rock-lastige Songs. Ich persönlich mag auch das Purple-Material, das nach "Who Do We Think We Are" kam - dennoch ist klar, dass die Mk II-Formation von Deep Purple das Nonplusultra bleibt.