INTRO
Hoffentlich weiß die "EMI" inzwischen, daß sie diese Scheibe in Europa zu vermarkten hat. In New York jedenfalls zierte sie bereits Mitte August selbstbewußt die Front-Row jedes besseren Plattenladens. Nicht unbegründet, denn mit dieser - nach langer Pause fast schon überraschenden - CD vollbringt LIZ PHAIR ihr Meisterstück. "Clever" dürfte es treffend deklarieren. Während die Verwässerung von Independent-Stars ja üblicherweise so verläuft, daß im gleichen Maße, wie das Bankkonto wächst, die Produktion gleichgeschaltet wird und das Songwriting zur Selbstparodie verkommt, läuft bei LIZ dies alles umgekehrt: sie bietet attraktives, kommerziell akzeptables Songwriting mit poppiger Note. Allerdings versagt sich die Präsentation und die Produktion jedweden Kompromissen: Da kracht's, pfeift's und rumpelt's ganz schön, und der Sound darf getrost als "eckig" bezeichnet werden. Dafür hat LIZ stimmlich an Selbstachtung gewonnen, weswegen man dem Gesang besondere Aufmerksamkeit widmet. Auf der Strecke bleibt dabei leider, kompensiert durch Attitüde und Selbstbewußtsein, ein wenig der persönlich-intime Charme etwa einer CHAN MARSHALL. Und dennoch: Mit diesem Album dürfte LIZ PHAIR verdientermaßen in die Region der Besserverdienenden aufsteigen.
Ullrich Maurer / © Intro - Musik & so
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