Mage ist nach "Vampire: The Requiem" und "Werewolf: The Forsaken" der dritte Ableger der neuen "World of Darkness" und benötigt zum Spielen das (bereits grundsätzlich empfehlenswerte, da stimmige und auch optisch ansprechende) WoD-Grundregelwerk.
Der Umfang ist mit 400 Seiten durchaus beeindruckend. Einen erheblichen Teil des Buches nehmen dabei die Beschreibungen von zauberspruch-Beispielen ein. Richtig gelesen, es handelt sich nur um "Beispiele". Es gibt insgesamt 10 Magiegebiete, die sogenannten Arcana. Anhand der Beschreibungen der Arcana sowie des Beherrschungsgrades der Arcana und der genannten Beispiele sind die Spieler dazu aufgerufen, sich eigene Zaubersprüche auszudenken. Ein Charakter beherrscht quasi alle Effekte, die sich mit seiner Kenntnis eines Arcanums bewirken lassen. Einzelne Zaubersprüche muß er (grds.) nicht lernen.
Dabei gehört jeder Charakter automatisch einem von fünf Magiepfaden an und kann sich einem von ebenfalls fünf Magierorden anschließen.
Auch ohne Kenntnis der zwischenzeitlich erschienen Erweiterungen für "Mage: The Awakening" ist es ohne weiteres möglich, ins Rollenspiel einzusteigen,ohne das Gefühl zu haben, eine Art Mage "light" zu spielen.
Dem Spiel sollte allerdings - und das empfand ich als starken Gegensatz zu Vampire und Werewolf - ein sehr sorgfältiges Studium des Regelwerks vorausgehen. Zunächst müssen alle Spieler wegen des kreativen Magiesystems einigermaßen regelsicher sein. Aber auch darüber hinaus verfügt das Magiesystem über derart vielfältige Möglichkeiten, daß es leicht zu langwierigen Diskussionen am Spieltisch kommen kann - dies im Übrigen auch NACH dem gründlichen Studium des Regelwerks noch, welches viele Ungenauigkeiten enthält. Neugierige sollten einen Blick ins offizielle White Wolf Forum werfen, in dem es einen riesigen Thread mit Regelfragen und Errata gibt.
Dies stellt - gerade im Hinblick auf die wesentlich einfacheren Regeln in den anderen Systemen der World of Darkness - in meinen Augen ein Manko dar, weswegen ich dem Regelkwerk "nur" vier Sterne gegeben habe. Das soll aber auf keinen Fall bedeuten, daß das System unspielbar wäre, weit gefehlt. Im Großen und Ganzen handelt es sich immer noch um ein phantastisches, innovatives Regelsystem, das mich persönlich überzeugt hat. Rollenspielanfänger werden mit dem System, welches gerade auch dem Spielleiter bei der Erschaffung eigener Abenteuer einiges abverlangt, allerdings unter Umständen ihre Schwierigkeiten haben.
Mir persönlich hat übrigens das Artwork nicht sonderlich gefallen, auch wenn mich das nicht vom Kauf abgehalten hat. So sind viele Zeichnungen recht comicartig, was den düsteren Touch von zB Vampire vermissen läßt (allerdings ist das Setting auch nicht so düster wie bei Vampire; im Mittelpunkt steht eben nicht der Kampf des Vampirs gegen das in ihm wohnende Tier, sondern der Kampf des Magiers gegen seinen Hochmut).
Die Überschriften sind in goldenen Lettern gehalten, was meines Erachtens die Übersichtlichkeit etwas beeinträchtigt (eine fett gedruckte, schwarze Überschrift fällt einfach stärker ins Auge).
Anzumerken bleibt, daß das Warten auf die deutsche Übersetzung vergeblich sein könnte. Der Verlag Feder&Schwert, der ohnehin nur ausgewählte Produkte der WoD übersetzt, hat bisher noch nicht bekannt gegeben, daß er Mage überhaupt in absehbarer Zeit übersetzen will. Wer mit dem Englischen keine Probleme hat, sollte sich daher die englische Ausgabe zulegen.