WHITE NOISE war im Kino offenbar nicht sehr erfolgreich, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Damit teilt er das Schicksal so manch anderer Mystery-Thriller wie DRAGONSFLYS (dt. Im Zeichen der Libelle) oder THE MOTHMAN PROPHECYS, die im Kielwasser des äußerst erfolgreichen THE SIXTH SENSE auf der Leinwand zu sehen waren. Hinzu kommt, dass Hauptdarsteller Michael Keaton noch nie ein Kassenmagnet war wie Kevin Costner, Richard Gere oder Bruce Willis, und die Grundzüge der Handlung - trauernder Witwer versucht durch moderne Technik mit seiner Frau im Jenseits zu kommunizieren - reisst einen auch nicht unbedingt vom Hocker. Entsprechend gering waren meine Erwartungen, und umso angenehmer wurde ich überrascht. Der Film ist kein Meilenstein, aber Freunden dieses Genres durchaus zu empfehlen.
Alles läuft bestens für Anna und Jonathan Rivers. Sie steht kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Buches, er hat sich als erfolgreicher Architekt einen Namen gemacht. Anna und Johns Sohn aus erster Ehe verstehen sich glänzend, auch das Verhältnis zwischen John und seiner Ex-Frau ist harmonisch, und alles deutet darauf hin, dass er wieder Vater wird. Das Blatt wendet sich jah, als Anna bei einem Unfall ums Leben kommt, was aufgrund ihrer Bekanntheit zu einem entsprechenden Medien-Echo führt. Noch bevor ihre Leiche gefunden wird, meldet sich ein Mann namens Raymond Price bei John und teilt ihm mit, dass Anna versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Seit Price vor vielen Jahren seinen Sohn auf tragische Weise verloren hat und mittels EVP (Electronic Voice Phenomenon, das Aufzeichnen von Stimmen und Bildern aus dem Reich der Toten mittels Ton- und Videobändern) noch einmal mit ihm in Verbindung treten konnte, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, auch anderen Menschen auf diese Weise zu helfen. Zunächst zweifelt John an Prices Geisteszustand, läßt sich aber bald vom Gegenteil überzeugen, nicht zuletzt durch seine Begegnung mit der Buchhändlerin Sarah, die dank EVP die letzten Worte ihres Verlobten hören konnte. Erst zaghaft, dann immer besessener, jagt John fortan nach Signalen von der anderen Seite, stets auf der Suche nach Anna. Er wird auch fündig, jedoch anders als erwartet, denn nicht alle Geister sind freundlich...
WHITE NOISE hat einige wirklich gelungene Schreckmomente, die selbst dann ihre Wirkung nicht verfehlen, wenn man sie schon erahnen kann. Die Spannung baut sich trotz einiger Längen kontinuierlich auf und wird nur durch das effektlastige Ende ein wenig getrübt. Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank akzeptabel, auch wenn man Michael Keaton schon in besseren Rollen und überzeugender erleben konnte, beispielsweise in DESPERATE MEASURES. Dass das EVP keine Erfindung fantasiebegabter Drehbuchautoren ist, sondern in der Realität von einer überzeugten Anhängerschaft erforscht wird, zeigt das aufschlußreiche Zusatzmaterial der DVD, das einen interessanten Einblick in die Welt jener Geisterjäger gewährt, die mit High-Tech versuchen, die Grenzen zwischen den Lebenden und den Toten zu überbrücken.