Es gehört zum guten - und eigentlich schlechten - Ton unter Kritikern, Musikjournalisten und VU-Fans, die Diskografie der Velvets immer wieder auf ein Album schrumpfen zu lassen. Ja, ja, die Velvet Underground, das war die Band vom Lou Reed, welcher der Andy Warhol die Platte mit der Banane produziert hat! Und dann meistens: Punkt. Als ob es keine weiteren nennenswerten Veröffentlichungen mehr gegeben hätte, oder die Folgeplatten nur Variationen des - zweifelsohne phänomenalen - Debütalbums gewesen wären ...
Und warum soll die zweite VU-LP, im Herbst 1967 aufgenommen, zur Jahreswende 1967/68 veröffentlicht, Verkauf gleich null (auch das Bananenalbum verkaufte sich damals nur schwach, um das nicht zu vergessen), ein epochales Werk sein? Weil die Platte so hart und - damals gab's den Begriff in der Musikszene noch gar nicht! - heavy war, dass dagegen die Who und die Cream wie (gute!) Unterhaltungsmusik klangen, nur die Jimi Hendrix Experience konnte da voll mithalten. Weil die Band mutig ohne ohne jegliche kommerzielle Rücksicht gegen alle Konventionalitäten, die Studios damals hatten, anspielte. Weil die Platte großteils wie ein Live-Album klingt (was durch Live-Aufnahme aus jener Zeit bestätigt ist), ein Live-Album einer Band, die sich von allen Rock'n'Roll-Konventionen frei prügelte und donnerte, und dennoch im Herzen only Rock'n`Roll spielte, den irrsten damals. Weil das Baßspiel und die sägenden Gitarrenriffs Generationen von Bands inspierten, nicht nur große New Yorker wie die Ramones und Sonic Youth, sondern auch The Can und zahlreiche andere. Und weil "Sister Ray" das Musterbeispiel einer voll ausgespielten, die Monotonie zum Stil erhebenden Endlos-Riff-Nummer ist, ohne das in den folgenden Jahren viele ähnliche Klassiker der Rockmusik (nenne einmal nur "Yoo Doo Right" von The Can stellvertretend für viele) kaum denkbar gewesen wären. Und im Dezember 2004, 37 Jahre danach, fetzt die Scheibe noch immer, passt ja auch der Titel nach wie vor, vor allem das "Heat" ...