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Sein Album, sagt Gray, "verdankt dem Sampler genauso viel wie der akustischen Gitarre". Seine bitter-süßen Stücke bringen emotionale Saiten zum Klingen und wirken zeitgemäß, ohne irgendwelchen Trends hinterherzuhecheln. Die Songs schleichen sich lässig ins Ohr, die getragenen Melodien laden zumindest zum Mitsummen ein. Ein Konzept, das nach drei Alben seit '93 erst mit diesem vierten aufging: White Ladder entstand bereits selbst finanziert und hausgemacht Ende 1998 in seiner Londoner Wohnung, fürs eigene Label IHT. Doch ein Abnehmer ließ auf sich warten, bis -- angefacht durch ständiges Touren -- der Funke im Jahr 2000 übersprang und White Ladder zunächst in Irland, dann in Großbritannien rasant die Chartleiter emporkletterte. Keine Frage, dass Gray auch bei uns in Bälde jede Menge offene Ohren finden wird. --Claus Böhm
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Ganz offensichtlich hatte ich mich geirrt. Denn dieses Album des mir heute nicht mehr unbekannten David Gray ist etwas besonderes. Er vermag es in den selbstkomponierten Songs, eingängige Melodien so in einfühlsame (nicht kitschige) Stücke zu betten, dass man von einem Ohrwurm in den nächsten findet.
Elektronische Effekte begleiten ihn gekonnt zu seinem (akustischen) Gitarrenspiel und wirken nie synthetisch oder unpassend. „My Oh My" ist ein Paradebeispiel. Sanft rollt der Song dahin, begleitet perfekt ein faules Sonntagsfrühstück, bei dem man sich noch mühelos unterhalten kann - Gesprächsthema ist über kurz oder lang aber eh die Musik. Kraftvoll und doch gefühlvoll, ruhig und eingängig - so ist dieser Song symptomatisch für die ganze CD.
Irgendwie ist sie doch schwer zu fassen, diese Selbstverständlichkeit, mit der die zehn Songs meine keineswegs anspruchslosen Ohren komplett vereinnahmen. Neben perfektem Songwriting ist die Stimme Grays ist natürlich von zentraler Bedeutung; charakteristisch und dennoch nicht schrill oder schräg, selten laut, aber immer präsent. Instrumenteneinsatz ist nie überflüssig, jeder Klang wird zu einem sinnvollen Teil eines vollkommenen Ganzen. Geradezu perfekt wird das bei „ Silver Lining umgesetzt, aber auch beim wehmütigen „Sail away".
Auch die Balance stimmt - das Songensemble wirkt nicht zu pessimistisch, ist eher eine unverkrampfte Aufmunterung. Das Album hat bei mir nach kürzester Zeit „mentalen Platinstatus" erreicht und hat fortan einen festen Platz in meinem persönlichen Plattenolymp. David Gray ist perfekt, um vom Großstadttrubel zu entspannen, Langeweile zu übertönen und ganz generell die Seele baumeln zu lassen. Sicherlich ist dies nicht der Knaller auf jeder Dance-Party - aber beim Sonnenaufgang um fünf Uhr morgens garantiert der ideale Soundtrack.
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