Ich habe mich schon länger auf diesen Film gefreut und kam nun endlich mal ins Kino um ihn mir anzuschauen.
Zunächst muss ich sagen, dass die vorher veröffentlichten Trailer einfach toll und sehenswert waren. Sie haben richtig Lust auf mehr gemacht und große Erwartungen in mir geweckt.
Ein wenig enttäuscht kam ich daher heute aus dem Kino.
Der Film ist ohne Frage sehenswert, die schauspielerischen Leistungen fast aller Beteiligten ist solide bis grandios, die Aufmachung wirklich ausgeklügelt (die beiden verzauberten Wälder haben mich wirklich hingerissen!), das Drehbuch war gut gewählt.
Leider hab ich mich trotzdem an so einigem gestört:
- Schneewittchen ist die schönste Frau der Welt - das weiß jedes Kind. Und doch wählt man Kristen Stewart aus, die sich neben der unvergleichlichen Schönheit von Charlize Theron behaupten muss?! Hallo? Das entzieht sich einfach meinem Verständnis.
Natürlich verkörpert Schneewitchen reine, fast kindlich unschuldige Schönheit, während die Königin erwachsen und selbstbewusst schön sein muss. Daher ist Charlize völlig treffend gewählt worden, Kristen dagegen ist eine absolute Fehlbesetzung, egal wie man zu ihren schauspielerischen Leistungen steht oder nicht. Schönheit liegt im Auge des Betrachters, aber die Märchenvorlage gibt diesem Film etwas vor, was er nicht halten kann.
Noch dazu wirkte Snow White den ganzen Film über deplatziert, verwirrt, nicht standfest, fast schon aufgeschmissen. Ja, sie war jahrelang in einem dunklen Verließ eingekerkert und es lässt sich vermuten, dass sie evtl sogar vom Bruder der Königin missbraucht wurde. Aber die Charakterentwicklung fand mit Kristen in der Rolle überhaupt nicht statt. Sie wirkte am Ende eher als würde sie die Anführerin spielen weil ihr eh keine andere Wahl blieb, obwohl sie der Rolle überhaupt nicht gewachsen war. So als müsste sie sich zu all dem mit ganzer Kraft zwingen.
Abgesehen davon war ich aufs neue "begeistert", wie stark Kristen ihre Mimik unter Kontrolle hat... Sogar wenn sie lacht, guckt sie verwirrt. Und selten strahlten mich bei einer Schauspielerin die vorderen Schneidezähne über so lange Streckenabschnitte hin an, weil es so unfassbar kräfteraubend ist, seinen Mund dauerhaft geschlossen zu halten, um nicht ganz so dämlich zu wirken.
- Die Musik: Ja alles da - der imposante Fantasysoundtrack mit donnernden Trommeln und röhrenden Hörnern. Die bereits seit langem im Internet zu bestaunenden Trailer reißen mich jedes Mal mit ihrer akustischen Fülle vom Hocker, das Hauptthema ist einfach toll, wirklich grandios! Umso verwerflicher finde ich es, dass dieses Thema zu KEINEM einzigen Zeitpunkt im Film zu hören war!! Das hat den Film für mich tatsächlich etwas verdorben, denn das was zu hören war, passte sich zwar gut ein, aber es wirkte nicht ganz rund. Als Schneewitchen, Jäger und Zwerge in den Feenwald kommen, diesen weißen Hirsch treffen usw - nichts. Als Schneewittchens Armee am Ende geschlossen zum Strand reitet, dachte ich: Endlich, jetzt kommts! - aber Pustekuchen. Auch das Finale und das Ende - nichts. Da hat man so ein wirklich gelungenes Hauptthema und man verwendet es nur, um Erwartungen zu erwecken, die man nicht erfüllen kann? Es waren nicht mal Variationen zu hören, es scheint als gäbe es 2 verschiedene Soundtracks. Ich habe kurz in den OST reingehört - auch nichts. Wer den Film kennt, aber den Trailer noch nicht, möge mal reinhören. Ich bin bitter enttäuscht.
Im übrigen sind in den Trailern auch Szenen zu sehen, die im Film auf völlig andere Art und Weise gezeigt werden. Schneewittchen erstickt qualvoll am Apfel der dann blitzschnell verrottet, während sie im Trailer mit dem Apfel in der Hand einfach nur friedlich im Schnee liegt, wie grad umgefallen. Auch die Königin hatte ein paar andere Szenen. Manches wurde auch nur anders zusammen geschnitten, da kann man drüber hinweg sehen. Manches ist wohl auch einfach entfallenes Material. Sicher ist jedoch: Vieles sah im Trailer besser aus und ich hoffe hoffe hoffe, dass irgendwann noch der Directors Cut erscheint, es interessiert mich brennend, wie der wohl aussehen mag.
- Unvollständig erzählte Geschichten: Es gab im Laufe des Films so ein paar Momente in denen ich dachte: Und weiter?
* Die Sache zwischen Schneewittchen und dem Bruder der Königin - Was lief da? Hat er sie in der Vergangenheit missbraucht, warum wehrt sie sich im Kerker nicht gegen seine Berührungen, versucht sogar ein wenig ihm gefällig zu sein. Warum schreckt sie im Laufe des Films mal mehr mal weniger vor Körperkontakt zurück (z.B. mit dem Jäger).
* Der Hirsch: Ok, die Zwerge meinten ganz mysteriös, dass ihn noch niemand wirklich gesehen hätte. Ok, warum und weshalb, welche Funktion hat das Tier?
* Snow White = Leben: In Ansätzen wird erklärt, dass das Mädchen das Gegenstück zu Rovenna ist. Während die Königin Tod und Verfall symbolisiert (und auslöst), steht Schneewittchen für das Leben. Der blinde Zwerg meinte sogar kurz, sie würde Beschwerden lindern?! Auch das wird nicht weiter erklärt, vielleicht soll sich der Zuschauer selbst denken, was das zu bedeuten hat.
* William - welche Funktion hatte der nochmal? Klar, einen Prinzen muss es geben, aber wenn die Macher des Films mehr Wert darauf legen, eine Romanze zwischen dem Jäger und der Gejagten zu entwickeln, warum lassen sie den Prinzen nicht einfach ganz raus? Stattdessen wirkte es, als wäre er dabei, weil er dabei sein muss. Aber in der Märchenprinzrolle ging er auch nicht auf, er hatte nicht mal die Chance dazu. Als die Königin in seiner Gestalt Schneewitchen zum Biss in den Apfel verführte, küssten sich zwar die beiden kurz - aber ob das Mädchen überhaupt irgend welche Gefühle für ihn hegt, blieb bis zum Ende unklar. Auch die "tiefe" Freundschaft der beiden aus Kindertagen scheint gar nicht sooo dolle gewesen zu sein, zumindest verfällt Schneewittchen nicht in Freudentaumel als Williams sich zu erkennen gibt. Generell bleibt die Wiedervereinigung der beiden völlig unkommentiert.
* Märchenwelt + reale Welt parallel? So richtig rund wirkt die von den Machern erschaffene Welt im Film nicht. Feen, singende Elfen, moosüberwachsene Schildkröten - das scheint auf der einen Seite völlig normal und dann wieder total außergewöhnlich und verstörend zu sein, zumindest für Schneewittchen. Im Schloss zaubert die Königin so gut sie kann, aber um sie herum und im angeschlossenen Dörfchen herrscht das Otto-Normal-Leben, ganz ohne Magie. Irgendwas haut da nicht so ganz hin, ich kann nur nicht genau benennen was es ist.
* Rovennas Kindheit: Schön, dass es überhaupt zur Sprache kam, aber warum die Mutter ihr Töchterchen mit diesem Zauber belegt hat und warum Bruder und Schwester mental so stark verbunden sind, dass sie sogar über weite Strecken miteinander kommunizieren können und es ihr fast alle Kraft kostet als er stirbt - bleibt komplett im Dunkeln. Im übrigen erleidet fühlt Rovenna den selben Schmerz, als Ben vom Jäger getötet wird, aber schlagen kann sie ihn gut, genauso wie sie nicht fühlt, dass Schneewittchen ihm einen Nagel durchs Gesicht zieht und er im dunkeln Wald fast vom Treibsand (?) aufgelöst (?) wird.
Naja. Das sind so meine Kurznotizen.
Nichts desto trotz ist der Film sehenswert, es war ein schönes Kinoerlebnis. Optisch ist fast alles (bis auf die Heldin, wie schade) gelungen und auch wenn der Film nicht ganz rund ist, kann ich ihn unter Vorbehalt empfehlen. Sollte man gesehen haben, für die meisten dürfte einmal gucken aber wahrscheinlich völlig ausreichen.