Al Kooper, geboren 1944 als Alan Peter Kuperschmidt, ist schon ein unglaublicher Typ. Im Alter von 14 Jahren begann er seine musikalische Laufbahn. Er war Sessionmusiker, Produzent, hat eigene Bands geleitet, war Wegbereiter bekannter Gruppen wie Lynryd Skynryd oder The Tubes und hat auch nebenbei immer wieder Soloalben heraus gebracht.
Wer sich dafür interessiert, was Al Kopper alles gemacht hat, dem kann ich auch sein Buch empfehlen. Dessen Grundgerüst von 1977 ist zwar eigentlich zeitlich nicht mehr aktuell, aber Kooper hat seine Biografie inzwischen zweimal aktualisiert, zuletzt 2008.
Nachdem Kooper jahrzehntelang kein eigenes Album mit neuem Material mehr veröffentlicht hatte, erfreute er seine Anhänger in den 00er-Jahren gleich mit zwei neuen Alben. Das neuere erschien 2008 und heißt White Chocolate.
Wie schon auf dem Vorgänger Black Coffee von 2005 liefert Kopper ein Soloalbum ab, dass im Prinzip alles vereinigt, was er in den 50 Jahren seiner Karriere geschaffen hat. Popsongs, die klingen wie aus dem Ärmel geschüttelt, mit fast allem gewürzt, was man sich vorstellen kann.
Zu Beginn der CD hab ich glatt geglaubt, dass ich versehentlich eine Gary Moore Bluesplatte in den Player gesteckt hätte, so geht nach wenigen Sekunden das Gitarrensolo des Eröffnungssongs Love Time ab. Al Kopper beherrscht alles. Vom Rock und Pop über R&B und Blues, Soul und Jazz, bis zur zuckersüßen Ballade hat er alles drauf. Und man bekommt das auf dieser Scheibe auch alles.
Das Schöne bei Al Kooper ist für mich einfach, dass nichts von dem was er tut planlos oder aufgesetzt wirkt. Jede Note, jedes Instrument, jeder Bläsersatz und jedes Streicherarrangement hat genau seinen Platz. Die Songs sind ausgelassen und besinnlich, ernst und humorvoll, fröhlich und nachdenklich. Und am Ende des letzten Songs (I Don't Know When But) I Know That I'll Be There Soon sagt Kooper: "Let's go and get some more white chocolate."
Dann hört man die Tür ins Schloss fallen - und Tschüß, weg ist der Al !
Warum man für dieses Album überall so viel berappen muss, ist mir unverständlich. Hemmt das doch eigentlich eher den Kaufreiz. Und das ist angesichts des Gebotenen irgendwie ziemlich schade. Über Koopers Internetseite gibt es die CD noch immer um erheblich weniger als den hier verlangten Obolus.
Der Versand aus den USA dauert zwar einige Zeit, aber dafür ist die CD von Kooper signiert, die Downloadberechtigung inkl. pdf-booklet kriegt man sofort bei Bestellung und das Album enthält zusätzlich 7 der auf dem regulären Album enthaltenen Songs als Demoversionen. Bei dieser scheinbar überflüssigen Zugabe treten aber eigentlich die Qualitäten der Lieder noch besser zu Tage, da die Demos die Songs quasi im stripped-down Zustand zeigen.
Sehr lohnend, hab's nicht bereut...