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62 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
The White Album - Dokument einer zefallenden Band, 24. August 2007
Als die Beatles mit der Arbeit am "Weißen Album" begannen, hatten sie schon aufgehört, eine richtige Band zu sein. Sie hatten die anstrengenden Tourneen aufgegeben und jeder der Fab Four ging seinen eigenen Interessen nach. Selten fanden sich alle vier Musiker gleichzeitig im Studio ein, es bildeten sich zufällige Arbeitsgemeinschaften, machmal war auch der jeweilige Autor eines Songs mit George Martin allein im Studio.
Langsam zeichnete sich das Ende der Beatles ab, Ringo Starr verließ sogar für kurze Zeit die Band, weil er sich nur noch als das fünfte Rad am Wagen fühlte, konnte jedoch mit Blumen und Bitten zur Rückkehr überredet werden und lieferte mit "Don't Pass Me By" seinen ersten Beitrag als Songwriter. Das Team Lennon/McCartney zerfällt hier sichtlich, es gab des öfteren Unstimmigkeiten über die Richtung, die die Band einschlagen sollte und über die ständige Anwesenheit von Lennons neuer Liebe Yoko Ono im Studio, die auch viel Einfluß auf das Album nahm.
Die entstandene Freiheit nutzte vor allem George Harrison, der sich hier mit vier ausgezeichneten Beiträgen ("While My Guitar Gently Weeps" mit einem Gitarrensolo von Eric Clapton, "Piggies", einer wunderschönen Psychedelicnummer, "Long, Long, Long" und "Savoy Truffle") empfiehlt.
Im Gegensatz zum Vorgänger "Sgt. Pepper" gibt es auf dem "Weißen Album" kein einendes Konzept, es ist eine Sammlung einzelner Songs, bei denen die Stilvielfalt erstaunlich ist. Es gibt die klassischen Rocknummern ("Back In The USSR", eine sehr gelungene Persiflage auf den Frohsinns - Patriotismus der US - Konkurrenz The Beach Boys, "Why Don't We Do It In The Road", "Everybody's Got Something To Hide Except Me And My Monkey"), Psychedelisches ("Glass Onion", "Piggies"), Blues ("Yer Blues"), Country ("Rocky Raccoon", "Don't Pass Me By"), Folk ("Blackbird", "Mother Nature's Son") usw.
Die Vielfalt auf dem Album ist bis heute der Hauptgrund, warum es seine Faszination nicht eingebüßt hat und es wohl auch nie wird. Das "Weiße Album" zeigt die Beatles zwar nicht mehr als einheitliche Band, dafür aber als vier virtuose Einzelkönner, die ihre zahlreichen Einflüsse verarbeitet haben und etwas Eigenes daraus entstehen lassen. Neben einigen der besten Beatles - Songs, wie Lennons Geniestreiche "Dear Prudence", "Happiness Is A Warm Gun", "I'm So Tired", "Julia", "Sexy Sadie", eine Abrechnung mit Maharishi Mahesh Yogi, der sich nicht nur in spiritueller Absicht an die Schauspielerin Sharon Tate herangemacht hatte sowie der langsamen Version des Klassikers "Revolution", McCartneys "Rocky Raccoon", "Blackbird" oder "Mother Natures Son" findet sich hier auch einiges Absonderliche, das es wohl nicht auf das Album geschafft hätte, wäre dem Produzenten George Martin nicht seine bis dahin absolute Autorität entzogen worden (er mußte sich mit einer eher beratenden Funktion begnügen, die Beatles produzierten zum großen Teil selbst), so die von Lennons neuentdeckter Liebe zur Avantgarde inspirierte Tondbandschnipselcollage "Revolution No. 9" oder "Wild Honey Pie", das klingt, als hätte sich eine betrunkene Schülerband ins Studio geschlichen, was allerdings wieder den legendären Sinn der Beatles für den reinen Unsinn zeigt.
Nebenbei wird noch die immer wichtiger werdende jamaikanische Musik geehrt (in "Ob - La - Di, Ob - La - Da" (nigerianisch für "Life Goes On"),
ein munterer kleiner Song, den John Lennon nicht ausstehen konnte und den jeder aufrichtige Musikkritiker haßt und als Beweis für Paul McCartneys angebliche Oberflächlichkeit anführt, trotzdem eines der bekanntesten Beatles - Stücke) und Heavy Metal erfunden (mit "Helter Skelter", eine Trotzreaktion McCartneys auf "I Can See For Miles" von The Who, den der Melody Maker zum lautesten und härtesten Song aller Zeiten erklärt hatte. Paul meinte, der lauteste Song der Welt müßte von den Beatles stammen und schrieb dieses Stück, das in seiner Urfassung 24 Minuten lang war und Ringo am Ende zu der Bemerkung "I got blisters on my fingers!" (Ich hab Blasen an den Fingern.) hinreißt.).
Wenn das Album dann mit dem hübschen Schlaflied "Good Night" endet, ist man heute noch beeindruckt von der Kreativität, die die Beatles noch als schon zerfallende Band an den Tag legten.
"The Beatles" ist eines der der wenigen Alben, das man 1000 Mal hören kann und das trotzdem niemals langweilig wird.
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
John, Paul, George, Ringo ... & the Band, 6. Juli 2008
Als die Beatles im Frühjahr 1968 mit den Aufnahmen zum "White Album" anfingen, hatten sie ihren Indien-Trip gerade hinter sich und dort "in den Bergen bei lausigem vegetarischen Essen" (John Lennon) viele neue Songs geschrieben, so viele, dass diese gleich für ein Doppelalbum reichten. John und Yoko hatten vor den Aufnahmesessions noch ihr erstes Duo-Album "Two Virgins" aufgenommen, anschließend waren die beiden so unzertrennlich, dass Yoko sogar bei den Aufnahmesessions kaum von Johns Seite weichen wollte, sehr zum Leidwesen der drei Anderen, und für viele Fans gar der Anfang vom Ende der Beatles.
Paul McCartney hatte unter dieser Situation wahrscheinlich am meisten zu leiden und hat wohl auch deshalb einige seiner Songs im Alleingang eingespielt, "Wild Honey Pie", "Martha My Dear", "Blackbird", "Why Don`t We Do It In The Road" und "Mother Nature`s Son", während John sich wohl nur bei "Julia" einmal von Yoko losreißen konnte oder wollte.
Trotzdem, das "White Album" enthält eine ganze Reihe wirklich herausragender Songs, neben dem Opener "Back In The USSR" sind da natürlich (u.a.) "While My Guitar Gently Weeps", "Happiness Is A Warm Gun", "Revolution 1" oder "Cry Baby Cry" zu nennen. George Harrison durfte neben "While My Guitar Gently Weeps" noch drei weitere Songs beisteuern, und Ringos Stimme ist gleich bei zwei Songs zu hören, darunter bei seinem selbst geschriebenen "Don`t Pass Me By".
Für mich war und ist das "White Album" so etwas wie ein Befreiungsschlag der Beatles von langen, ausufernden Produktionssessions wie bei "Sgt. Pepper`s..." und ihrem Produzenten George Martin, dessen Einfluss bei diesem Album nicht mehr so deutlich zu hören ist, wie bei den beiden Vorgängern. Dazu passt auch die Covergestaltung, mehr Gegensatz zu dem megaaufwendigen "Sgt. Pepper`s..."-Cover kann ich mir nicht mehr vorstellen! Auf der anderen Seite wurde bei der Aufnahmetechnik "geklotzt" und bei "While My Guitar Gently Weeps" zum ersten Mal überhaupt in den Abbey Road-Studios eine 8Spur-Bandmaschine eingesetzt. Zum Glück muss man sagen, wer weiß, was sonst aus Eric Claptons wundervollem Gitarrensolo geworden wäre! "The White Album" war das letzte Beatles-Album, für das noch spezielle Mono-Mixes produziert wurden (ausgenommen "Revolution 1" und "Revolution 9", hier handelt es sich bei den Monoversionen von reine Fold-downs der Stereo-Mixes) und das auch als Mono-Version veröffentlicht wurde.
Ein halbes Jahr später begannen dann die nervenaufreibenden Aufnahmesessions zu dem, was später ihr letztes Album "Let It Be" werden sollte, bei denen sich jedoch das Auseinanderdriften der vier Beatles unaufhaltsam fortsetzte, auch wenn man sich für die "Abbey Road"-Sessions ab April 1969 nochmals für ein paar Wochen zusammenraufen konnte.
Nachtrag vom 15.09.2009: Die neuen Stereo-Remasters klingen spektakulär transparent, mit sehr breitem Stereopanorama, meines Erachtens jedoch nicht ganz so druckvoll wie die DMM-Version aus den Achtzigern. Wer die DMM-LP oder vielleicht eine CD-Version (leider nur als Bootleg erhältlich) davon besitzt, hat ab sofort vor jedem neuen Anhören des "White Albums" die Qual der Wahl!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Von genial bis trivial, 3. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Es war die Zeit, in der jeder der Beatles seine eigenen Sachen machte. Sie waren seit geraumer Zeit keine homogene Truppe mehr, die Trennung stand unwiderruflich bevor. Das Ergebnis eigenbrödlerischer Ideen findet sich auf dem unbetitelten, später als "Weißes Album" bezeichnet. Es waren unausgeglichene und erratische Songs. Von Genialitäten "While my Giutar gently Weeps" mit Claptons Gitarre bis hin zu Banalitäten "Ob-La-Di, Ob-La-Da". Einem überragenden Lennon in "Happiness is a warm gun" und einem zauberhaften McCartney in "Blackbird". Hätte man statt eines Doppelalbums nur ein einfaches gemacht, so wäre es mit Sicherheit das Meisterwerk der Fab Four geworden. So ist es zum interessantesten geworden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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