Die britische Schauspielerin Hayley Mills, Tochter von John Mills, ist heute vielen hauptsächlich als Disney-Star der frühen 60er Jahre in Erinnerung.
Dies ist ein wenig schade, denn obwohl solche Disney-Klassiker wie "Pollyanna" oder "The Parent Trap", eine amerikanische Version des "Doppelten Lottchens" natürlich ihren Charme und ihre Berechtigung haben, hat Hayley Mills daneben noch in einer ganzen Reihe deutlich interessanterer und anspruchsvollerer Filme gespielt, wie zum Beispiel in
Tiger Bay oder auch "Das Haus im Kreidegarten".
Im hier rezensierten "Whistle Down the Wind" (deutscher Titel "In den Wind gepfiffen") spielte die damals knapp 15jährige Hayley Mills die Hauptrolle in der Verfilmung des gleichnamigen Romanes ihrer Mutter Mary Hayley Bell.
Die Farmerstochter Kathy (Hayley Mills) lebt mit ihren Eltern und zwei jüngeren Geschwistern um 1960 in einer ländlichen Gemeinde in Lancashire.
Die Heilsarmee gehört zum alltäglichen Straßenbild des Ortes und auch der christliche "Sonntagsunterricht" ist fester Bestandteil im Leben der Kinder.
Als Kathy eines Tages einen verletzten Mann (Alan Bates in einer seiner ersten Rollen) in der elterlichen Scheune entdeckt, der, wie wir Zuschauer kurz darauf erfahren werden, von der Polizei wegen Mordes gesucht wird, murmelt dieser, geschwächt durch seine Verletzungen und erschrocken durch seine Entdeckung, auf ihre Frage, wer er sei, nur "Jesus Christ!", ehe er ohnmächtig zusammenbricht.
Obwohl Kathy ihre Geschwister instruiert, das Geheimnis für sich zu bewahren, macht die Neuigkeit unter den Dorfkindern wie ein Lauffeuer die Runde:
Jesus ist zurückgekommen!
Der Flüchtige, der schnell begreift, daß die Kinder fest entschlossen sind, "Jesus" zu helfen und vor dem Zugriff der Erwachsenen zu bewahren, die ihn möglicherweise wie früher schon einmal "fortholen" wollen, hütet sich, den Irtum aufzuklären...
Auf diesen Plot mit seiner religiösen Thematik und der parabelartigen Erzählweise muss man sich natürlich einlassen wollen und können, sonst wird man mit dem Film nicht warm werden.
Wenn man sich jedoch erst einmal darauf einlässt und einfach hinzunehmen bereit ist, daß Kinder bzw Jugendliche in dem Alter (allerdings ist die Mehrzahl der Kinder doch sichtbar jünger als Hauptdarstellerin Hayley Mills) um 1960 in einem westeuropäischen Land, wenn auch in ländlicher Umgebung, an einen zurückgekehrten Jesus glauben, kann man hier eine wirklich bemerkenswerte kleine Filmperle entdecken.
Der Film ist von Arthur Ibbetson in stimmungsvollen Schwarzweiß-Bildern an Originalschauplätzen wunderschön fotografiert worden, die Musik von Malcolm Arnold wurde ein Evergreen und der Film ist bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt.
Vor allem die Kinderdarsteller, die zum überwiegenden Teil Laiendarsteller aus Lancashire sind, spielen ihre Rollen wirklich beeindruckend.
Auch in bezug auf die allegorischen Bezüge zum Neuen Testament ist der Film bemerkenswert sorgfältig und schlüssig aufgebaut und lässt tatsächlich klare Parallelen erkennen.
So könnte man in Kathy und ihren beiden Geschwistern, die sich mit Nahrung und kleinen Geschenken für "Jesus" auf den Weg zur Scheune machen und dabei von zahlreichen Dorfkindern verfolgt werden, durchaus einen Bezug auf die Heiligen Drei Könige sehen, die Verspottung der "gläubigen" durch die "ungläubigen" Kinder lässt ebenfalls verblüffende Parallelen erkennen und selbst der "Verrat beim letzten Abendmahl" fehlt nicht.
Auch das Ende, welches hier natürlich nicht verraten wird, ist von einer bezwingenden Stringenz.
Nicht umsonst hat Andrew Lloyd Webber den britischen Filmklassiker zum Musical umgearbeitet und auch zahlreiche Musiker haben immer wieder Bezug auf "Whistle Down the Wind" genommen; am populärsten dürfte hier wohl die Version von "No matter what they tell us" von Boyzone sein.
Wahr ist immer genau das, was wir glauben und nur das - diese auch abseits der religiösen Thematik allgemeingültige Botschaft vermittelt dieses kleine Filmkunstwerk auf sehr berührende und eindringliche Art.
Absolut (wieder)entdeckenswert, eine klare Empfehlung!