Der Verlag Ueberreuter hat sich einen Namen dadurch gemacht, hoffnungsvollen Nachwuchsautoren eine Chance zu geben. So auch in diesem Fall. Der Erstling der Newcomerin Brigitte Melzer ist leichte Fantasy für den Einsteiger (und damit auch für Jugendliche recht gut geeignet) - der Verzicht auf aufwendige Magie wird durch saubere Charakterzeichnung, eine aufregend-rasante Handlung und die augenzwinkernde Erzählweise mehr als ausgeglichen. Die Autorin will in erster Linie unterhalten und erreicht dieses Ziel auf geradlinige Weise, ohne in Geschwätzigkeit zu verfallen. Kritikpunkte sind die zum Teil störenden Wortwiederholungen (beispielsweise wird als verstärkendes Adjektiv oder Fluch fast ausschließlich "verdammt" eingesetzt) und ganz besonders das Fehlen einer Karte der Welt, da so die mannigfaltig auftretenden Ortsnamen Schall und Rauch bleiben und der Leser kein Gefühl für Entfernungen bekommt, was gerade wegen der Reisetätigkeit der Hauptfiguren das Lesevergnügen ein wenig trübt (Ueberreuter, übernehmen Sie! Ich bin mir sicher, daß die Autorin eine entsprechende Karte vorliegen hat). Fazit: Wer Abwechslung vom ewiggleichen Fantasy-Brei eines Hohlbein sucht, ist hier genau richtig. Für den erfahrenen Fantasy-Leser bietet "Whisper" noch zu wenig Verwicklungen/Abwechslungen, um dauerhaft fesseln zu können. Ich würde mir wünschen, daß Frau Melzer vom Verlag die Chance bekommt, eine längere Geschichte zu veröffentlichen, in der sie ihr zweifellos vorhandenes Potenzial zum Geschichtenerzählen voll ausschöpfen kann.