5.0 von 5 Sternen
Potential zum "Lieblingsbuch", 13. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Whiskyflaschenbaum: Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
minimalistisch, bedrückend sind die bilder, die K. Bendixen in ihren kurzgeschichten malt. man könnte sagen atem(BE)raubend. eine geschichte am tag ist eine dosis, die man bei intensivem lesen und verarbeiten aushalten kann (ich zumindest). im falle dieser kurzen wunderwerke lasse ich mir auch gerne mehrere tage und das mehrmalige lesen verschiedener passagen aus einer episode zeit, bis ich mich an die nächste wage.
ich bin auf jeden fall eine anhängerin dieser aufstrebenden künstlerin und ihrer kunst.
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5.0 von 5 Sternen
Verstörend, präzise, toll!, 27. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Whiskyflaschenbaum: Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Erst mal ganz äußerlich: Der Verlag scheint winzig zu sein, denn die zwei Buchhändler meines Vertrauens taten sich ausgesprochen schwer damit, das Buch zu bestellen. Sollten sie aber! Denn es ist wunderhübsch liebevoll gestaltet, ein origineller orangefarbener Einband, ein schöner Umschlag, ein ansprechendes Druckbild.
Zum Inhalt. Skurill sind Bendixens Geschichten, meistens außerordentlich mutig und überraschend. Oft piddeln sie an den Schmerzgrenzen des Lesers herum, aber sie tun es in einer so wunderschön klaren Sprache, dass man diesen Schmerz aushält und weiterliest.
Die meisten Geschichten sind nur wenige Seiten lang, was dazu verleiten mag, einfach weiterzulesen... Besser ist es aber bestimmt, die Geschichten einzeln zu lesen und sacken zu lassen, nur so fallen einem die großartigen Unterschiede auf: Bendixen gelingt nämlich das Kunststück, ständig die Perspektive zu variieren: Die von der gardinenfaltenden Mutter, die die Abwesenheit der fernen Tochter nicht erträgt und daher gar nicht erst ans Telefon geht. Die der Großmutter, die auf ihrem Stuhl am Fenster sitzt und alles vergessen hat. Die der jungen Frau, die in mörderischer Hitze hinter dem Auto ihres Lovers nachläuft, weil dieser sie auf die Probe stellen will. Die Vielstimmigkeit dieser Geschichten macht ihren besonderen Wert aus und räumt gleichzeitig auf mit dem häufigen Vorurteil, junge Schriftstellerinnen schrieben ohnehin nur über sich selbst und ihre Zigaretten.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Legoland ist abgebrannt, 21. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Whiskyflaschenbaum: Erzählungen (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Erzählband versammelt Bendixen ihre besten Erzählungen auf 132 Seiten. Auffallend ist, dass die Autorin schon jetzt, am Anfang ihrer Karriere, ihren persönlichen Stil ausgeprägt hat; man liest eine Geschichte und erkennt sofort: klar, eine Bendixen. Augenfällig natürlich, dass ihre Personen niemals Namen tragen. Wie glücklich darf sich Frau Z. in der kafkaesken Geschichte "Ich bin froh, dass mein Name Frau Z. ist" schätzen, dass sie immerhin einen Anfangsbuchstaben verpasst bekommen hat, wenngleich das natürlich nicht der Grund zum Frohsein ist. Mit der Namenlosigkeit eine Allgemeingültigkeit zu postulieren, wäre literarisch allerdings nicht so unverwechselbar, doch bei Bendixen wird daraus mehr: die Frau, der Mann, das Negerkind - Bendixen bedient sich aus einem Setzkasten, sie stellt Legofiguren auf den Tisch. Die Figuren bleiben schemenhaft, und ihr Handeln ist selten von Leidenschaft geprägt; eher entsteht der Eindruck, dass hier tatsächlich Statisten übers Spielfeld geschoben werden und sich nicht wehren können. Einzig in der letzten Geschichte ("Nur Italien, nur eine Straße") bricht die Ich-Erzählerin am Ende aus dem Geschiebe aus.
Das zwanghafte Handeln der Personen wird unterstrichen durch ein weiteres Bendixensches Erkennungsmerkmal: die permanente Wiederholung. Die Personen sagen mantraartig dasselbe, um sich nicht mit der eigenen Schuld an einem tödlichen Unfall auseinanderzusetzen ("Der Grashalm"); Sätze wie "Erst spät hatte das Kind das Insektenspray unter der Spüle gefunden" bekommen durch ihre Wiederholung etwas Bedrohliches ("Sittichgrab"); und in "Der Hund isst kaltes Fleisch" werden Wörter wie TEE, KARTOFFELN oder HERD wieder und wieder als Spielsteine in den Text geworfen, um zu verdeutlichen, wie für eine demenzkranke Frau alles an Bedeutung und Inhalt verliert.
Wer jedoch glaubt, diese Versuchsanordnungen seien naive Spielchen, der irrt grandios. Denn natürlich erzählt die Autorin ihre Geschichten deshalb, weil der ganze Budenzauber namens Leben nicht funktioniert und die mühsam errichteten Legosteinkulissen krachend in sich zusammenfallen: Familien brechen auseinander (u. a. in "Ein Hamster schlägt gegen die Wand"), Fremde brechen in die eigene Ferienwohnung ein ("Sonnengötter"), und eine ganze Riege Haustiere muss in unterschiedlichen Erzählungen dran glauben.
Und natürlich gehört es zu Bendixens Stil, ihren Geschichten etwas Surreales zu verpassen: sie wirken grotesk, wenn eine Bastelanleitung für eine Mutter ausgehändigt wird, oder albtraumhaft wie die Geschichte von dem Sohn, der sich in einer Laube aktiver vermehrt als Mäuse auf einem Kornspeicher und dessen Kinder scheinbar gleich nach der Ejakulation ins Haupthaus krabbeln und dort Raum um Raum in Besitz nehmen.
Dieses Buch ist ungeheuerlich und trotz der strengen Komposition der Geschichten ein Lesegenuss, denn Bendixen kann erzählen. Legoland ist abgebrannt und brennt noch, doch die Autorin schafft es, all der Trostlosigkeit eine gehörige Ladung trockenen Humor abzuringen. Ein Highlight dieses Halbjahrs.
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