Wenn die von Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase entwickelte Geschichte auf den ersten Blick reichlich konstruiert daherkommt, so beruht sie auf einem vergleichbar ähnlich wahren Ereignis aus dem Jahre 1957, als Kurt Maetzig für die DEFA den Zweiteiler "Schlösser und Katen" drehte. Der damalige Hauptdarsteller war sehr dem Alkohol zugetan, riss sich nachdem seine Rolle doppelt besetzt wurde jedoch zusammen, so dass die Ersatzbesetzung nur wenige Tage zum Einsatz kam. Kohlhaase entwickelte mit "Whisky und Wodka" eine neue Geschichte in deren Mittelpunkt die Geschichte des Älterwerden, der Einsamkeit, des Egoismus, der Lebenslügen, des Opportunismus und der Liebe zum Filme machen stehen. Durch die Fokussierung des Films im Film werden diese zentralen menschlichen Motive auf eine sehr oberflächlich behandelt, in einigen Passagen erscheinen sie eher grotesk.
Zum Plot: Es geht um den alternden Filmstar Otto Kullberg (Henry Hübchen), der für ein Dreiecksliebesdrama in Zwanziger-Jahre- Kostümen in Binz auf der Insel Rügen vor der Kamera steht. Dieser Otto Kullberg hat ein erhebliches Alkoholproblem. Sein letzter Film platze deswegen, weil er dem Suff zum Opfer fiel und als er bei dem aktuellen Dreh wieder eine Szene verpatzte, weil er zu viel Wodka aus der vermeintlichen Kaffee Thermoskanne getrunken hatte, bekommt es der Produzent mit der Angst zu tun und verlangt von seinem Regisseur Telldeck (Sylvester Groth) parallel zu Kullberg den jüngeren Kollegen Arno Runge (Markus Hering) zu engagieren, damit auch bei einem möglichen Zusammenbruch des Stars der Film im Kasten ist. Nun werden alle Szenen doppelt gedreht und das Double arbeitet sich eifriger in die Rolle ein, als es dem Egozentriker Kullberg lieb sein kann, der es gewohnt ist als smarter Sprücheklopfer immer im Mittelpunkt zu stehen. Amüsant wird die Geschichte als sich die berufliche Rivalität im Dreh nun auch noch auf die Realebene überträgt. Otto hatte einige Filme zuvor eine Liebesgeschichte mit der Hauptdarstellerin Bettina Moll (Corinna Harfouch), die jetzt die Frau des Regisseurs ist. Eigentlich müsste sich Telleck, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, einen Machtkampf mit Kullberg liefern, das lässt der Ost-Regisseur Andreas Dresen nicht zu, um die Melancholie des Films nicht durch noch härtere Töne zu zerstören. Er wählt einen anderen Weg, denn als Bettina Arno schöne Augen macht, der Wettbewerb von Otto und Arno um die Gunst der Filmgespielinnen nun auch auf der Realebene ausgetragen wird, da kommt es zunehmend zum offenen Streit auf dem Set.
Das Geschehen reduziert sich auf eine Wohnwagensiedlung, die eigens für die Zeit der Dreharbeiten als vorübergehendes Zuhause der Schauspieler aufgebaut wurde. Geraten Kino und Wirklichkeit durcheinander oder ist das zwischen den Wohnwagen beginnende "Bäumchen-wechsel-dich Spiel" ein bewusster Seitenhieb auf das Filmgewerbe?
Wenn man Henry Hübchen über die Filmszene wanken sieht, immer den Mund voller geistreich witziger Sprüche, dann wird man unwillkürlich immer wieder an den seligen Harald Juhnke erinnert. Großartig auch die wunderbar distanzierte Corinna Harfouch. Nur von diesen beiden Hauptdarstellern erfährt man im Verlauf des Films ansatzweise auch etwas Privates, bei allen andern Figuren fehlt der Unterbau und deshalb wäre sicherlich auch aus einer Zweipersonengeschichte, statt des nun entstandenen Ensemblefilms, ein schöner ironisch-melancholischer Film geworden, vielleicht mit etwas mehr Tiefgang.