Vorgeschichte:
Am Anfang ist die Schande. Ich kannte diese Band nicht. Doch doch, ich bin sehr musikinteressiert. Sehr sogar. Lange selbst Musik gemacht. Nein, ich höre keinen Dudelfunk (mehr), Charts interessieren mich schon seit 15 Jahren nicht. Meine Musik besteht grösstenteils aus Erinnerungen vergangener Jahrzehnte, ich habe mich inzwischen der Klassik geöffnet, lausche jazzigen Klängen. Und dann gibt es Entdeckungen. Wie diese. Ich muss beruflich viel fahren, höre überwiegend dRadio Kultur. Viel Wortbeiträge, dazwischen Musik jeglicher Couleur. Plötzlich dieser Song. Ich drücke mein Radio auf Radiotext, ärgerlich, die haben wohl die Titeleinblendung abgeschaltet. Kuck auf die Uhr, es ist 12:53 Uhr. Zuhause angekommen schau ich mir im Internet die Playlist an: Dave Matthews Band, Big Whiskey and the GrooGrux King, Dive in.
Dave wer? Der nächste Schritt ist Youtube. Diverse Liveaufnahmen sind da, schon mal sehr beeindruckend, ich bin neugierig geworden. Amazon besucht, Titel angespielt, sofort bestellt, ein Tag später ist die CD da.
Gegenwart:
Was bitte ist das für eine Musik? Wenn es eine perfekte Mischung aus Wärme, Spröde, Groove und sperrigen Melodien gibt, dann ist es diese Scheibe der Dave Matthews Band. Ich tigere im Takt durch die ganze Wohnung und weiss nicht wohin mit den Händen. Alle paar Takte unvorhergesehene Wendungen, da rollt die Snare, da röhrt die Orgel, da pustet mir der Bläser die Birne weg. "Shake me like a Monkey!" Das ist Körperverletzung! Und gleich danach die völlig schräge Uptempo-Ballade "Funny the way it is". Das soll lustig sein? Das ist verdammt nochmal alles andere als lustig. Ich weine vor Freude. Bei "Lying in the Hands of God" bin ich mir nicht mehr sicher, von welchem Stern dieser Musiker ist. Die Stimme lässt mich wechselweise an Seal, dann an Peter Gabriel und wieder an Jamie Cullum erinnern - achwas, das ist einzigartig. Der kurze Chorus presst nochmal die letzten Tränen aus meinen Augen, die von vorhin noch übrig waren. Achja, und bei "Dive in" springe ich aus dem Fenster. Schliesslich war dieser Song der Grund meiner Entdeckung. Ich lande und liege in den Händen von Gott.
Was ich genommen habe? Ähm. Nichts. Nur gehört. Die mit Abstand sensationellste Musik-Entdeckung seit Jahren. Ich will mehr davon.