Billy Idol in seinen besten Zeiten, in Begleitung von Steve Stevens an der Gitarre, klingt grundsätzlich unterkühlt und unbeteiligt, schnoddrig, nur echt mit der Ihr-könnt-mich-mal-alle-Stimme. Bei ihm wirkt das nicht aufgesetzt, sondern echt. Egal, ob er Punk und New Wave fetzen lässt, melodiöse Balladen gnadenlos daherrotzt, oder ob er geradlinigen Rock'n'Roll von der Leine lässt: Wo "Billy Idol" draufsteht, ist Billy Idol drin, unverkennbar. Düster immer, dumpf nimmer! Und langweilig schon gleich gar nicht. Jedenfalls hat dieses Album den maßgeschneiderten Titel und klingt tatsächlich wie ein peitschenknallendes Lächeln; unerbittlichen Optimismus verströmende Li-La-Laune-Bären sollten besser in Deckung gehen.
Melancholischer Punk prägt eindeutig das Album und verleiht auch potentiell lockeren Songs den richtigen Biss, und das alles wirkt wie aus einem Guss, egal ob ein Song eher getragen klingt oder atemlos. Eintönig ist "Whiplash Smile" jedenfalls nicht; ein paarmal verpasst Billy Idol hier auch dem abgebrühtesten Trommelfell Wechselbäder, kontrastiert melancholische Balladen mit Punk-Rhythmus, macht einem altehrwürdigen Klassiker Beine oder zelebriert melancholischen Furor. Gelegentlich wird dieser Grundton zur Attitüde, aber belanglos wird das nie, nicht einmal beim einzigen Durchhänger "Don't Need a Gun": Hier klingt Billy Idol zwar so, als würde er gleich zubeißen, hat aber zu viel draufgepackt; das klingt zu gefällig. Wie gesagt, ist das aber der einzige richtige Durchhänger.
"Whiplash Smile" enthält nämlich nicht nur gute Songs, sondern auch zeitlos gute, die nach über 20 Jahren noch keinen Staub angesetzt haben und dem Zeitgeist eine lange Nase drehen: "Worlds Forgotten Boy" leitet mit geradliniger Punk-Rock-Mischung das Album ein und wirkt so einschläfernd wie ein Peitschenknall (zur Erinnerung: Das Album heißt "Whiplash Smile").
Ähnlich zeitlos gut gehalten haben sich auch andere: Bei "To Be a Lover" ist der altgediente Soul-Klassiker "I Forgot to Be Your Lover" zunächst kaum wiederzuerkennen, dann aber doch. Und für gut befunden; hier ist's kein wohlfeiler Trick, einen Klassiker irgendwie auf den anno '86 angesagten Klang hinzufrisieren, sondern ganz einfach stimmig und gut gemacht. Sodann: Hingehauchten Punk gibt's bei "Soul Standing By"; düsteren Rock'n'Roll bei "Fatal Charm"; melancholischen Furor, locker und bissig zugleich, bei "All Summer Single". Und dann natürlich das viel zu kurze "Sweet Sixteen" -- das klingt wie ein gründlich abgestaubter Liebesleid-Klassiker aus den 50ern mit allem Zubehör und ohne Schmalz. So locker klingt Billy Idol nur selten, aber auch hier vibriert sein charakteristisches Das-Weltende-ist-nahe-Timbre.
Schließlich "One Night, One Chance": Ein fast schon versöhnlicher Schluss, aber einer mit Widerhaken. Einer der abwechslungsreichsten Songs des Albums, ruhig, aber beileibe nicht als Begleitmusik beim Einduseln geeignet; dafür sorgt schon der eigenwillige Rhythmus. Und natürlich Steve Stevens' markante Gitarre, die immer wieder ungnädig dazwischenknurrt, wenn sich allzu viel aalglatte Harmonie einschleichen könnte.