Aus der Amazon.de-Redaktion
Frust und Ärger motivieren oft zu großer Kunst. Einen guten Beweis dafür liefern James, die Ex-The Smiths-Kopf Morrissey bereits 1983 als "beste Band der Welt" titulierte, mit ihrem sechsten Studio-Album. Fast wäre das Sextett aus Manchester an diversen massiven Problemen (Ausstieg eines Bandgründers, Steuernachzahlung) zerbrochen. Und so wie der Phönix aus der Asche stieg, resultierte aus dem Tief bei James eine abwechslungsreiche CD mit erstklassigen Songs samt aussagekräftiger Texte.
Der gleichzeitig transparent wie dynamisch klingende "Peitschenknall" (1997), produziert von Stephen Hague und Brian Eno, ist ein äußerst pulsierendes Album in der Stil-Klasse des ebenso vielfältigen wie hervorragenden Modern Rock. Es schlägt den Bogen von treibendem Gitarrenpop über einen potentiellen Sommerhit ("Waltzing Along"), brillantem Jungle ("Greenpeace") oder Industrial-Disco ("Go To The Bank") bis hin zu esoterischen Klängen. Und "Lost A Friend" zeigt James als die besseren Oasis! Kein Wunder, dass dieses Meisterwerk mit Gold ausgezeichnet wurde sowie der Band mit "She's A Star" ihren bis dato größten Single-Hit bescherte. --Thomas Hammerl
INTRO
Sie portraitieren keine naive Intelligenz, analysieren nicht den Mikrokosmos des Tons mit ihren parapsychologischen Verbindungen subversiver Generationsideologien. Tim Booth erfand nicht das parallele Denken und schwängerte auch nicht seine Kindergärtnerin. Sie lieben die Musik, und ihre ganz besonders. Laut Plattenfirma lernt man sich musikalisch für jedes Album neu kennen, entdeckt Dinge beim anderen, die tief verborgen schienen und durch den gegenseitigen Respekt ans Tageslicht gespült werden. Vier ganze Jahre ist es her, daß JAMES ihr letztes offizielles Studioalbum veröffentlichten. "Laid" hieß die Platte, ein grandioses Werk. BRIAN ENO, Soundtüftler und pädagogisches Motivationsgenie in Sachen versteckter und durchdachter Melodienarrangements und Songstrukturen, steckte ein neues Terrain ab und gab ihnen Mut zum Experiment. Die Band musizierte und entdeckte Dinge, die erst über einen längeren Prozeß wachsen und gedeihen können. Dem Album schien hierzulande die nötige Eingängigkeit zu fehlen und erbrachte nicht den gewünschten kommerziellen Erfolg, da Aufmerksamkeit für so eine Scheibe in einer trendorientierten Branche zuviel Zeit beansprucht. Heute liegt nun ihr aktuelles Album "Whiplash" vor. Die ersten Stücke klingen wie ein Melodien-Medley ihrer letzten Alben, um dann die musikalischen Neuigkeiten aufzutischen. Verschiedene Themen der aktuellen Trends werden durch die klassischen JAMES-Mechanismen gefiltert und angereichert. Epische Soundcollagen, Staccato-Gitarren und Tim Booth-Gesang werden mit Drum&Bass-, Disco- und Jungle-Rhythmen ergänzt. Die Dramaturgie ihrer Melodie ist ihre Identität; die verwendeten Rhythmusstrukturen sind zeitgemäß austauschbar. "Whiplash" ist lauter und eingängiger als sein Vorgänger, ein klassisches Pop-Album, auf dessen Live-Präsentation man sehr gespannt sein darf.
Stefan Reichmann / © Intro - Musik & so
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