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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
"I'm sorry it took me so long / to come around", 23. Juli 2004
Ok. Entschuldigung angenommen. Hauptsache ihr seid endlich wieder da. Seit mehr als zwei Jahren warte ich auf dieses Album so sehr wie auf noch kein anderes zuvor, und das obwohl der Vorgänger "Tell All Your Friends", das wohl beeindruckendste Debütalbum der letzten 10 Jahre, noch keinerlei Abnutzungserscheinungen zeigt. Nun gibt es also endlich ein Wiedersehen bzw. -hören mit den fünf Herren um Sänger und inzwischen auch Songwriter Adam Lazzara. "Where You Want To Be" heißt die Scheibe und der erste Eindruch ist alles andere als gut - das Artwork kann wohl nur als ganz ganz schlechter Witz bezeichnet werden, grauenhaft. Zum Glück interessiert das aber nicht wirklich. Viel interessanter ist die Frage, ob die Abgängen von Drummer Shaun Cooper und besonders von (Zweit)Sänger und Songwriter John Nolan, dem Mastermind der Band, kompensiert werden können. Bereits beim ersten Hören stellt man fest, dass sich der Sound nicht wirklich verändert hät, sieht man mal von der deutlich fetteren Produktion ab. Was jedoch negativ auffällt ist die fehlende Härte, die Songs sind allesamt sehr "glatt". Warum dies so ist, dürfte klar sein: Die Band versucht im Mainstream Fuß zu fassen, siehe dazu auch den Beitrag auf dem Spiderman 2-Soundtrack. Momente wie die unvorstellbar intensive letzte Minute von "Timberwolves At New Jersey" sucht man leider vergeblich. Stattdessen gibt es hier mit der Akustikballade "New American Classic" das genaue Gegenteil. Der Song ist zwar alles andere als schlecht, aber an Position 6 völlig deplaziert, nimmt er doch das Tempo, das "The Union" wenige Sekunden vorher noch deutlich angezogen hat, heraus. Ein solcher Song gehört ganz klar ans Ende einer Platte. Das sind die Dinge, die mir direkt nach dem ersten Durchlauf negativ aufgefallen sind, aber viel schlimmer ist die Tatsache, dass ich nach diesem ersten Durchlauf auf meinem Stuhl saß und irgendwie totale Leere in meinem Kopf war... War das wirklich die Band, die vor zwei Jahren ein so sensationelles Meisterwerk abgeliefert hat und knapp hinter Thursday an der Spitze der momentan aus dem Ufer laufenden Emo-Bewegung steht? Etwas fehlte. Es war die Intensität, die "Tell All Your Friends" zu jeder einzelnen Sekunde versprühte. Dieses Album hatte Biss, es nahm dich gefangen und ließ dich nicht mehr los, die einerseits völlig verworrenen Strukturen paarten sich mit genialen Melodien, Lyrics und gelegentlichen Schreiparts und ergaben einfach größtenteils perfekte Songs. Beim neuen Album suche ich dieses Flair vergeblich. "Tell All Your Friends" vermittelte den Charme einer jungen, aufstrebenden Band, die ihren Emotionen in ihrer Musik Ausdruck gibt, davon ist wie ich finde nichts übrig geblieben, das ganze wirkt routiniert heruntergespielt. Ich unterstelle der Band jedoch nicht, dass das Absicht ist. Ich glaube nur, dass sie nicht in der Lage war ähnlich gute Songs zu schreiben. Inzwischen würde ich sogar soweit gehen, "Where You Want To Be" den Status "Emocore" abzuerkennen und es in die Poppunk-Schublade zu stecken, wo es allerdings weit herausragen würde. Diese CD ist alles andere als schlecht, egal wie sich die letzten Sätze angehört haben. Nur anders. Viel viel massentauglicher. Es gibt auch hier wieder richtig starke Songs, allerdings ist das Album für mich kein Gesamtwerk, wie es das Debüt war, das wirklich wie aus einem Guss war und doch so viele verschiedene Songs beinhaltete. Viele Leute meinen man sollte "Where You Want To Be" als Album einer eigenen, anderen Band sehen, schließlich wären 2/5 der Band nicht mehr dabei. Ich kann das nicht. Wo Taking Back Sunday draufsteht, muss auch Taking Back Sunday drin sein. "I Am Fred Astaire" wäre vor zwei Jahren nicht einmal eine B-Seite gewesen und ist schlicht unter aller Sau. Einen weiteren Ausfall gibt es eigentlich nicht, es plätschert einfach alles im Durchschnitt vor sich hin. Die Songs tun keinem weh, es gibt kaum Ecken und Kanten. Da schielt jemand mit mehr als einem Auge auf den Mainstream. "A Decade Under The Influence", die erste Single, ist in den ersten 2 Minuten ein genialer Song, zerstört sich jedoch durch die unglaublich penetrante Wiederholung der Zeile "I've got a bad feeling about this". Dabei waren es doch gerade diese Wiederholungen, die den Vorgänger so genial gemacht haben, es gibt nur wenige Tetxtzeilen, die eine solche Intensität, eine solche Emotionalität ausstrahlen wie die ebenfalls oft wiederholte Zeile "This is what living like this does" aus "Ghost Man On Third". Hier jedoch ist dieses Stilmittel nicht mehr als eine dilettantische Kopie und wirkt nach mehrmaligem Hören schlicht nervig. "Bonus Mosh Pt. II" zeigt ebenfalls eine nie geahnte Schwäche: miserable Lyrics auf Fünftklässlerniveau. ("Well it's love, it's love, it's love, it's love, make it hurt"). Das tut weh, wenn man die Lyrics des Vorgängers kennt.Nichtsdestotrotz soll hier bei weitem nicht alles schlecht geredet werden, es gibt auch wieder einige Emo-Perlen auf der CD, z.B. den Opener "Set Phasers To Stun", der mit einem unwiderstehlichen Refrain ein Lächeln auf mein Gesicht zaubert. Oder auch "Number Five With A Bullet", dessen Melodie ebenso gut ist, und das obwohl sie extrem poppig ist und selbst hierzulande auch gut bei MTVIVA laufen könnte. Starker Song. Das absolute Highlight hat sich die Band bis fast zum Schluss aufbewahrt, "Little Devotional". Hierzu fällt mir absolut nichts ein, außer dem Wort genial. Es ist unglaublich schwer für mich, dieses Album zu bewerten. Es ist kein schlechtes Album, im Gegenteil, ich würde es durchaus als gut bezeichnen, andererseits hat mich der Vorgänger so fasziniert und begeistert, dass ich nicht anders kann als enttäuscht zu sein. Letztendlich kriegt das Album von mir 3 Sterne, mehr sind nicht drin.
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