Zugegeben, dieses Album teilt die Meinungen. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass man mit vielen, sehr energischen und gepushten Stimmen im Metal-Bereich konfrontiert wird. Man nehme da mal Floor Jansen oder (die meiner Meinung nach völlig überschätzte) Tarja Turunen. Beide Frauen haben eine Jahrelange Opern-Ausbildung hinter sich und haben dementsprechend auch Wahnsinns-Stimmen.
Carmen von Midnattsol überzeugt aber eher durch das Gegenteil: Eine klare, sanfte Stimme, ohne große Höhenflüge. Aber genau das ist es, was Midnattsol ausmacht. Die Songs sind nicht übertrieben kompliziert, es gibt keine quietschenden Gitarren-Soli oder Ähnliches. Nur schöne Musik begleitet von einer Stimme, die zum Träumen einlädt und Emotionen rüberbringt, Fähigkeiten, von denen besonders Tarja Turunen sich eine dicke Scheibe abschneiden kann.
Aber mal zu den einzelnen Songs:
1. Another Return: Anfangs schleppend, wird er mit der Zeit ein sehr schöner Song, da viel Atmosphäre erschaffen wird. (5/5)
2. Lament: Ein ziemlicher rockiger Track, der ins Genick geht. (5/5)
3. Unpayable Silence: Eine wunderschöne Ballade, ein Text, der mich zum Weinen bringt und dazu Carmens wundervolle Stimme. Eine der schönsten Balladen die es gibt (5/5)
4. Haunted: Ein sehr energischer Song mit fast durchgehender Double-Bass, ein toller Refrain und einfach toll (5/5)
5. Desolate: Zu diesem Song weiß ich nichts weiteres zu sagen, er ist einfach die perfekte Mischung aus melancholischer Ballade und Metal-Track (5/5)
6. Enlightenment: Der einzige Song, der mich auf Dauer genervt hat, liegt vielleicht daran, dass viel Wert auf Gitarren gelegt wurde oder er sich doch stellenweise dahinschleppt (3/5)
7. Tarefall: Der einzige Akustiktrack des Albums. Gewöhnungsbedürftig und garantiert nicht für jede Laune. Ich persönlich höre ihn nicht so oft, obwohl er nicht schlecht oder so ist (4/5)
8. Infinite Fairytale: Ja, ihr habt Recht, das ist das Intro von Over the hills and ..., dennoch ein Track der sehr gelungen ist, besonders der teils sehr atmosphärische Mittelteil lädt zu nächtlicher Gänsehaut ein. Dennoch gibts Abzug, weil er, genau wie Enlightenment, sich zu oft wiederholt (4/5)
9. Pa Leting: Der wohl einzige Song, an dem die Stimme anders hätte sein müssen. Zumindest anfangs, als nur Keyboard und Stimme zu hören sind, klingt die Stimme etwas schief. Dennoch eine tolle Instrumentalisierung und der norwegische Text, soweit man ihn richtig versteht, ist super. (4/5)
10. Dancing with the midnightsun: Der wohl härteste Track des Albums. Schnelle Gitarrenriffs und ein Schlagzeuger in Topform, dazu eine in 3 Sprachen (Englisch, Norwegisch, Französisch) singende Sängerin. Top! (5/5)
11. Tapt av hap: Wow!! Mehr kann man eigentlich dazu nicht sagen. Im Original von Edvard Grieg, mit einem von der Band hinzugefügtem In- und Outro, ist dieser Song einfach traumhaft. Ich würde fast sogar sagen, dass es der beste Song ist, den ich jemals gehört habe. (5/5 schade dass man nicht noch mehr Punkte vergeben kann ^^)
Fazit: Für alle, die auch mal auf stimmliche Höchstleistungen und Gitarrensoli verzichten können und gerne Musik zum Träumen hören ist dieses Album wirklich empfehlenswert. Carmen besitzt zwar eine ruhige Stimme, hört sich aber dennoch nicht so dünn und -teils- quietschig wie die ihrer Schwester Liv Kristine von Leaves' Eyes an. Also ich kann das Album nur weiterempfehlen.