In der Vergangenheit gab es ja genügend Schauspieler - nationale wie internationale - die sich mehr oder minder erfolgreich als Sänger versucht haben. Kevin Costner zählt in dieser Kategorie zu den angenehmen Überraschungen und legt mit seiner Band "Modern West" hier bereits das dritte Album vor und der Hörer hat nicht das Bedürfnis zu sagen: "Es reicht!".
Möglicherweise ist es von Vorteil, dass wir deutschen Kinogänger Kevin Costner als Schauspieler nur mit deutscher Synchronstimme kennen und deshalb ganz unbefangen seinen Sangeskünsten lauschen. Die sind weder herausragend noch hat Costners Stimme einen nachhaltigen Wiedererkennungswert, aber verstecken muss er sich mit seinem Organ auch nicht. Gleiches gilt für den musikalischen Output. Am Songwriting selbst war Costner nur marginal beteiligt, das übernahmen hauptsächlich die Bandkollegen Park Chisholm, John Coinman und Teddy Morgan.
Stilistisch bewegt sich die Band auf typisch amerikanischen, aber nur abseits des Weges auf Countrypfaden. Das klingt mal nach Tom Petty (bitte mal "Where Do We Go From Here" mit dessen "Runnin' Down A Dream" vergleichen), mal ein wenig nach Bruce Springsteen und an anderen Stellen nach John Mellencamp und ruhige Songs wechseln sich mit Uptemponummern ab, von denen "Hurricane Rain" oder bereits erwähntes "Where Do We Go From Here" durchaus Hitpotential haben. Aber wenn jemand wie Kevin Costner Musik macht, dann hauptsächlich aus Freude am Tun und weniger mit Blick auf kommerziellen Erfolg. Umso erstaunlicher ist daher die Singleauskopplung "Let Go Tonight" (featuring Nena), eines der für meinen Geschmack eher schwächeren Stücke des Albums, die dann auch grandios gefloppt ist. Möglich, dass sich die Plattenfirma insbesondere mit Blick auf den deutschen Markt etwas mehr von der Zugkraft einer Frau Kerner versprochen hatte.
Dieser Flop soll aber die Qualität des Albums nicht schmälern. Es ist ein gutes, aber kein grandioses geworden und verpasst deshalb auch nur knapp die Höchstwertung!