Tobias Kuhn ist Monta. Aber auch Sänger und Gitarrist der wunderbaren Band Miles. Nach einer respektablen EP und diversen Akustikshows kommt mit »Where Circles Begin« (s)ein Debütalbum im Namen des Alter Egos nun komplett instrumentiert daher. Mit einigen Gastmusikern im Gepäck reiste Tobias nach Klagenfurt, um dort mit Naked Lunchs Herwig Zamernik zu dokumentieren, was er seit jeher in seinem Herzen durch die Welt schleppt - und was ihn antreibt: Songs. Die Suche nach ihnen. Nicht nach deren Perfektion, sondern der ultimativen Dringlichkeit. Kaum scheint ein Lied das Licht der Welt erblickt zu haben, drückt das nächste hinterher und verlangt eine Steigerung der für musikalische Gefühlsausbrüche unabdinglichen Koordinaten: stetige Verbesserung der Arrangementideen, die endgültige Überzeichnung der eigenen, kleinen Wirklichkeit. Eine Rastlosigkeit, die nicht mit Rat- und Hilflosigkeit verwechselt werden darf, umgemünzt in eine
Offensive aus Tonsalven.
Grundsätzlich folgt Monta dabei dem Prinzip einer klassischen, im Tenor eher melancholischen Songwriter-Tradition - mal sanfter, mal leicht beschwingt. Rund um spürbar sparsame Songs zieht sich ein Reigen wunderbarst ausgestatteter Arrangements, denen man anhört, dass sie auch nur mit Stimme und Gitarre funktionieren würden, deren sorgsam zelebrierte Ausarbeitung man aber - einmal gehört - nie wieder missen möchte. Vielleicht gibt es Sicherheit zu wissen und zu behaupten, dass die Songs von Monta es locker
mit deinen Lieblingssongs von wahlweise Sophia (»I'm Sorry«), Pinback (»Farewell Dear Ghost«), späten The Notwist (das allgegenwärtige Theremin) oder eben Miles (eigentlich alle balladesken Stücke, klar) aufnehmen können?
Nein. Natürlich nicht. Diese Platte bleibt ein - zum Glück - für die halbe Ewigkeit dokumentiertes, hoch emotionales Stück Einzelhaft im Kopf von Tobias Kuhn, das dich alleine zurücklässt. Keine Stütze, kein An-der-Hand-Nehmen. Aber auch kein sonst so oft im Genre ausgelebter Autismus. Ab jetzt bist du einfach nur auf dich selbst angewiesen, »Where Circles Begin« zeigt dir den Startpunkt. Dein Ziel aber ist der Weg raus ... aus dem Kreis.
Dieser Klumpen Text hier ist letztlich nicht mehr als ein - optimistisch gedacht - hoffentlich verstandener Hinweis auf zehn Songs, die es wert sind, sich ihnen schonungslos hinzugeben. Musikalisch und emotional. Nur ein offensichtliches Highlight: die Depeche Mode-Coverversion von »In Your Room«. Wer denkt, »kein Wunder, Spitzensong«, der höre bitte noch mal genau hin, denn nichts ist so eigen, dass es sich dem eigenwilligen Zauber von Monta entziehen könnte. Und noch was: Es braucht zwar nicht zwingend einen ungemütlichen Trauerherbst für diese Platte, aber bei gedämpftem Licht, ihr wisst schon, geht einiges (noch besser).