Aus der Amazon.de-Redaktion
Seitdem die Außerirdischen auf der Erde gelandet sind, geht es mit der Menschheit ständig bergab. Eine Umweltkatastophe jagt die andere, die Meere steigen, kaum ein Fleck ist nicht radioaktiv verseucht, Aliendrogen und neue Krankheiten tun ihr übriges um die Menschheit an den Abgrund zu schieben. Hinterfragt wird die Situation schon lange nicht mehr, Politiker beten immer dieselben Sprüche herunter und leben wie die anderen Mitglieder der Oberschicht in geschützten Breichen, fernab von der Realität.
In Berlin existiert eine Widerstandsbewegung aus Teenagern, die versuchen, den Aliens kleine Nadelstiche zu versetzen um die Öffentlichkeit auf die Gefahr, die von ihnen Ausgeht aufmerksam zu machen. Doch erst nachdem ein Reporter-Team zu ihnen stößt und der Weg der Widerständler sich mit einer Eskimo-Frau und einem Ex-Musiker kreuzt, besteht für die Menschen eine Chance, sich vom unsichtbaren Joch der Außerirdischen zu befreien.
Myra Cakan breitet in When the music's over eine hoffnungslose Welt vor dem Leser aus, in der nicht viel mehr als der tägliche Kampf ums Überleben ohne eine wirkliche Zukunft existiert. Und doch gibt es noch Menschen, die Visionen haben, für sie bereit sind zu kämpfen. In When the music's over sind alle klassischen Stilelemente des Cyberpunk vereint. Das übermächtige System, die Outsider, Drogen, Sex und Rock'n Roll. All das nicht im fernen Los Angeles, sondern in Hamburg und Berlin.
Cakan's Buch stellt eine der wenigen Ausnahmeerscheinungen im rar gesäten deutschen Science Fiction dar: Schnell, hart und direkt -- mit einem Hang zur Melancholie. --Wolfgang Tress
Kurzbeschreibung
Hier kommt die Flut ... In Europa sind ganze Länder überschwemmt, der Katastrophentourismus blüht. Crack war Popcorn gegen die neuen Alien-Drogen. Das World Wide Web ist längst abgeschaltet. In Hamburg setzt eine junge Reisende den Fuß an Land: Skadi aus dem Reich des ewigen Eises, randvoll mit Neugier und stillem Charisma. Ihre Töne sind hell, voller Fragen - nicht wund und düster wie die Songs von Blue, schwermütiger Gitarrist der Rockband Bladerunner. Nicht hart und grimmig wie Sunshine, Anführerin der Berliner Tunnel-Soldaten. Nicht zynisch-überdreht wie der Straßenschlaue Nachwuchshacker Wiesel. Skadi, Blue, Sunshine und die anderen - niemand von ihnen hat eine Mission, alle wollen bloß überleben und gelegentlich die abscheulichen Vierfinger ärgern, die sich auf der Erde breit machen ...
Für diese Veröffentlichung wurde eine neues Cover erstellt und zusätzlich gibt es als Bonusmaterial einige Songtexte der Bands aus dem Roman!
Der Verlag über das Buch
Herzliche Glückwünsche an die Autorin für den großen Erfolg ihres Buches bei Amazon.de! Fast bin ich versucht, allen Schwarzsehern eine lange Nase zu drehen, die seit Jahren unken, deutschsprachige Science Fiction würde sich nicht verkaufen.
Warum ausgerechnet "When the Music's over" die Besteller- und Bestseller-Liste hochklettert? Ich mag das Wort 'Zeitgeist' nicht besonders, aber Myra Cakan scheint - im Unterschied zu zahlreichen anderen innerhalb der SF-Szene eingeführten AutorInnen - eine Geschichte zu erzählen, deren Bezug zur Gegenwart spürbar ist, die uns nicht nur auf der Ebene der Fiktion packt (was durchaus schon eine Leistung ist), sondern tiefer geht.
Cyberpunk und Drogen dealende Aliens als Spiegel der Zustände, mit denen wir uns heute auseinandersetzen müssen? Progressive SF war schon immer eine alternative - 'virtuelle' heißt das heute - Geschichtsschreibung zur "wirklichen" Welt, zur sogenannten Realität. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, daß diese Auseinandersetzung durchaus ihre lustvolle Komponente hat.
Wer Myra Cakans Erstling bereits gelesen hat und nach weiterem Stoff Ausschau hält: Einfach "Es werde Licht" eingeben, denn unter diesem Titel hat Argument den neusten Roman des Cyberpunk-Altmeisters John Shirley veröffentlicht. Auch darin geht es um Aliens und einen Großangriff auf unser Wirklichkeitsverständnis. Vor dem Hintergrund des Zweiten Amerikanischen Bürgerkriegs erzählt Shirley eine Geschichte, die uns gleichzeitig das Lachen und das Fürchten lehrt. Ein Comeback der Sonderklasse!
Autorenporträt
Auszug aus When the Music's over. Ein Cyberpunk- Roman. von Myra Cakan. Copyright © 1999. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Er hörte das Glucksen des Wassers zuerst in seinem Traum. Es war ein schöner Traum. Aus einer längst vergangenen Zeit, als Papa noch seine Arbeit hatte und nicht immer nur den ganzen Tag vor dem Fernseher hockte und ihn anschrie, wenn er nur durchs Wohnzimmer tappte - ganz leise. Den ganzen Tag war er an der Sonne gewesen, hatte Dämme aus schlammigem Sand gebaut und mit Muscheln und Tang verziert. Und die Wellen hatten diese leise glucksenden Geräusche gemacht, so als würden kleine Kobolde lachen, Wasserkobolde.
Im Jahr darauf hatten sie den Strand gesperrt. Er hatte Papa gefragt warum, doch der war nur sauer geworden, wie so oft, wenn er ihn etwas fragte, was er ihm nicht erklären konnte. In der Schule hatten sie dann gesagt, es hätte irgendwas mit durchrostenden Fässern zu tun. Damals ging er noch zur Schule. Aber irgendwie hatten sich die Dinge nach dieser Sache mit den Fässern nur noch zum Schlechten entwickelt. "Politiker. Ist alles Schuld dieser verdammten Politiker", sagte Papa immer. Mama nickte nur. Sie sagte überhaupt nicht mehr viel in jenen Tagen.
Es waren die Böller, die ihn weckten. Sie schießen Hochwasser, dachte er schläfrig und zog sich die Decke über die Ohren. Er wollte zurück an diesen Ort, wo immer Sommer war und die Wellen kicherten. Und irgendwann, als er gerade in seinen Traum zurückgleiten wollte, merkte er, dass etwas nicht stimmte. Es waren die Geräusche, die fehlten. Das Klicken des alten Radioweckers auf seinem Nachttisch, das Brummen des Kühlschranks, der hinter der Trennwand seiner Schlafecke stand. Nur das seltsame Glucksen, das so gar nicht in seine Wirklichkeit passen wollte, war zu hören. Er stand auf. Tastete sich im Dunkeln zur Tür, wo der Lichtschalter war. Knipste ihn an, es blieb dunkel. War dies alles vielleicht noch ein Teil seines Traumes? Er lief über den Flur. Die Schlafzimmertür war nur angelehnt. Sein Herz klopfte plötzlich so laut, dass ihn das Geräusch, die Hand an der Klinke, erstarren ließ. Und dann schwang die Tür auf, er konnte sich nicht erinnern, sie angestoßen zu haben.
Sie waren einfach verschwunden, hatten sogar noch Zeit gehabt, ihre Koffer zu packen, wie er an den aufgerissenen Schubladen erkennen konnte. Er war doch erst neun. Viel zu jung, um allein zu sein. Wie konnten sie ihm das antun?
Der Sturm peitschte das angelehnte Fenster auf, fetzte die gebauschten Vorhänge zur Seite und ließ das Mondlicht herein. Er konnte sich in den großen Spiegeln auf der Schleiflackschrankwand erkennen: ein kleiner dünner Junge in einem Garfield-Pyjama. Mutlos sah er an sich hinunter, er trug ja nicht einmal Schuhe, wie sollte er da dem Leben begegnen?
Da erst sah er das Wasser. Der grüne Teppichboden war schon ganz durchgeweicht - hatte patschige, schwarze Flecken. Jetzt wird Papa aber toben, dachte er. Ganz weit entfernt konnte er die Sirenen hören. Das war beim Einkaufszentrum. Er erinnerte sich, dass sie sie vor vier Jahren dort auf dem Dach installiert hatten, das war gewesen, nachdem die "Fremden" gekommen waren. Und dann merkte er, dass er nur an all diese Dinge dachte, weil er die Wirklichkeit nicht wahrhaben wollte. Er schniefte. Jungen weinen nicht. Doch dann fiel er auf die Knie und drückte sein Gesicht in Mamas Kopfkissen und heulte sein ganzes Elend hinein.
