Der Film beginnt mit einer der nettesten romantischen Filmszenen, die ich kenne. San Francisco, Cable Cars, aus einem davon steigt Michael (Andy Garcia) in Pilotenuniform und betritt einen Pub. In dem Pub sitzt bereits Alice (Meg Ryan) an der Bar und wehrt einen hartnäckigen Verehrer ab, bis plötzlich Michael neben ihr auftaucht und ebenfalls beginnt mit ihr zu flirten. Er möchte, dass sie für ihn eine Uniform in der Wäscherei abholt und bietet ihr dafür einen selbstgebackenen Kuchen an. Wie die Szene endet verrate ich nicht - selbst ansehen! Jedenfalls beginnt dieser Film, wo andere Filme gewöhnlich schon längst zu Ende sind. Mit einem Happy End!
Der Film malt zunächst ein wunderschönes Bild des Familienidylls einer amerikanischen Wohlstandsfamilie. Familie Green lebt in San Francisco in einem Stadthaus, kann sich für die zwei Töchter eine Kinderfrau leisten, Vater Michael fährt einen schicken Sportwagen und die beiden Ehepartner scheinen über beide Ohren ineinander verliebt zu sein. Doch bald schon erkennt man die Risse an der Hochglanz polierten Oberfläche: Alice feiert gerne und trinkt dabei entschieden zu viel. Nicht nur zum Hochzeitstag mit ihrem Mann, sondern auch im Urlaub und nach der Arbeit mit Kollegen. Darunter leidet auch das Familienleben. Die Situation eskaliert, als Alice sturzbetrunken nach Hause kommt und schliesslich die ältere Tochter schlägt, weil diese sie auf ihren Zustand anspricht. Spätestens jetzt ist die Idylle zerstört. Alice fällt kurze Zeit später unter der Dusche in Ohnmacht und wird mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert.
Nur mit einer Entziehungskur fernab der Familie kann Alice ihre Probleme wieder einigermaßen in den Griff bekommen. Doch nach dem Klinikaufenthalt ist nichts mehr, wie es war, und Michael und Alice beginnen einen zermürbenden Kampf gegen die Sucht, die neuen Probleme des Alltages nach der Entziehung und den Zerfall ihrer Ehe.
Recht schonungslos beschreibt der Film den Abstieg einer Familienmutter, die trotz idealer sozialer Strukturen, einem erfolgreichen Berufsleben und einem liebendem Ehemann ihre Probleme im Alkohol ertränkt und in der Sucht selbst ihre Kinder vernachlässigt. Doch auch nach einer erfolgreichen Entziehung sind die Probleme längst nicht gelöst, sonder beginnen erst! Die Defizite in der Beziehung zwischen den Ehepartnern müssen schmerzhaft aufgearbeitet werden, Alice muß ihre Würde in Beruf und Privatleben wieder herstellen. Neue Strukturen und Personen(Selbsthilfegruppe, Psychologen) treiben eine immer größere Kluft zwischen sie und Michael, bis die Familie daran zu zerbrechen droht.
Ein unglaublich schöner Liebesfilm, weil er nicht die anfängliche Liebe mit "Schmetterlingen im Bauch" und "Himmel voller Geigen" beschreibt, sondern die dauerhafte Liebe zwischen Ehepartnern, die, in diesem Fall, das extreme Problem der Alkoholsucht und den drohenden Untergang des Familienglücks überstehen muß. Meg Ryan und Andy Garcia spielen ihre Rollen sehr überzeugend, wenn auch der körperliche Verfall einer Alkoholikerin nicht zum Ausdruck gebracht wird. Ryan sieht auch im Entzug noch zu gut aus.
Der Soundtrack zum Film paßt ideal zur Filmhandlung. Zum Heulen schön: "Everybody hurts" von REM und "When a man loves a woman" von Percy Sledge.
"When a man loves a woman" ist definitiv mein Lieblingsfilm mit Andy Garcia. Er spielt den treusorgenden, bedingungslos liebenden Familienvater so überzeugend - und sieht dabei noch umwerfend gut aus!