Für mich ist What a Man eine der großartigsten Singles aller Zeiten. Eine Single besteht ja nicht einfach nur aus irgendwelchen zwei Liedern, sondern ist die komprimierteste Form der Pop-Publizistik. Das heißt, diese zwei Lieder müssen ausreichen, um für sich stehen und etwas über die Platte sagen zu können. Seit Ende der Sechziger Jahre, als das Album seinen Siegeszug antrat, führte die Single gerade auch künstlerisch ein zunehmendes Schattendasein, aus dem What a Man mit der "B-Seite" Good News live strahlend hervorragt, und zwar gerade durch die glänzende Kombination aus Studio- und Liveaufnahme. Dadurch ist sie ein vollendetes Miniatur-Kunstwerk, wie es seit der Mitte der Sechziger Jahre, der letzten Hoch-Zeit großer Pop-Singles, nicht mehr veröffentlicht wurde.
Darüber hinaus zeigt diese Single, auf welchem Stand Lena bereits jetzt, nur 19 Monate nach ihrem ersten wirklich öffentlichen Auftritt überhaupt, als Sängerin bereits angekommen ist. Ihre Fähigkeit, einen Songtext nicht nur vorzutragen, sondern mit höchster Intensität zu interpretieren, ja zu zelebrieren, fiel ja seit ihrem ersten Auftritt mit Adeles My Same auf; außerdem hat sie ihr Stimmvolumen inzwischen enorm vergrößert. Das trifft sich exzellent mit dem Charakter der beiden Songs auf dieser Single. Interpretiert Lena "What a Man" bei aller Leidenschaft noch smooth und easy, gerät "Good News" zu einer luxuriösen Jazz-Blues-Hymne, die unwillkürlich den Titel des wohl exuberantesten Songs von Jeff Becks Klassiker "Truth", nämlich "Blues Deluxe", evoziert; der Jubel von zehntausend Konzertbesuchern in Frankfurt bietet den passenden atmosphärischen Rahmen dazu und ist das Tüpfelchen auf dem i dieses epochalen Kleinods.
Fazit: Wer sich diese Single entgehen lässt, ist selbst schuld.