Nachdem ich bereits mehrere Bücher von Paul Auster verschlungen habe (unvergessen: die New York Trilogie), bin ich mehr zufällig über "What I loved" gestolpert. Im Klappentext stellte ich überrascht fest, dass Siri Hustvedt nicht nur durch die Wahl des Schauplatzes New York mit Paul Auster verbunden ist -sie ist außerdem seine Frau.
Tatsächlich ähnelt ihr ausschweifender Erzählstil dem ihres Mannes (daher gleich als Anmerkung: wer Paul Auster nicht mag, wird hier wahrscheinlich auch nicht glücklich).
Die Geschichte des Ich-Erzählers Leo Hertzberg beginnt mit dem Erwerb eines Porträts, das eine unbekannte Schöne zeigt. Hingerissen von dem Bild und seiner erotischen Anziehungskraft sucht er den Maler auf - der Beginn einer lebenslangen Freundschaft, in der auch Violet, Muse des Künstlers und Objekt des von Leo erworbenen Bildes, eine wichtige Rolle spielen wird.
Bill erfährt in den folgenden jahren zunehmende Anerkennung in der New Yorker Künstlerszene. Eindrucksoll beschreibt die Autorin seine innovativen, eigenwilligen Kunstwerke, und diese Schilderungen zeugen nicht nur vom Schreibtalent Siri Hustvedts: sie offenbaren außerdem außergewöhnlichen Ideenreichtum und große Metaphorik.
Durch den plötzlichen Verlust eines geliebten Menschen nimmt sowohl die Lebensgeschichte des Protagonisten als auch der Roman selber eine drastische Wendung. Bis hierher eher beschauliche (und manchmal etwas langatmige) Familiengeschichte, überwiegen jetzt düstere, bedrohliche Aspekte - mit einem Mal hält man einen Thriller in der Hand. Ab hier zieht auch das Erzähltempo an - selbst wenn einem die erste Hälfte bisweilen etwas zäh vorkam, kann man das Buch spätestens jetzt nicht mehr aus der Hand legen.
Besonders positiv hervorzuheben ist die glaubwürdige Darstellung der Charaktere - wer sich mit psychologischen Störungsbildern ein wenig auskennt, wird feststellen, dass diese hier sehr treffend und eindringlich dargestellt werden, ohne jedoch zu sehr in den Vordergrund zu treten.
Fazit: Fängt (etwas zu) langsam an, steigert sich aber ab der Hälfte merklich und bietet neben anspruchsvoller Lektüre kompetente Informationen über Kunst und Psychiatriegeschichte.
Empfehlenswert, wenn man es schafft, sich durch die ersten hundert Seiten zu lesen.
PS: Auch hier wieder als Anmerkung: Ich habe das Buch im englischen Orginal gelesen, inwiefern die deutsche Übersetzung vergleichbar ist weiß ich nicht.