Bei diesem Film habe ich lange gezögert, eine Bewertung abzugeben, denn an sich könnte man allein für die gute Absicht fünf Sterne geben, einen Film zu drehen, der zeigt, dass in letzter Konsequenz Mystik und Wissenschaft eins sind und in jedem von uns das Potential steckt, von dem Jesus im Johannes-Evangelium sprach:"Ich sage Euch, Ihr seid Götter."
Leider sind Absicht und Umsetzung auf dieser DVD nicht wirklich kongruent.
Zunächst die positiven Faktoren:
1. Die Geschichte der Fotografin ist - auch durch die schauspielerische Leistung von Marlee Matlin - anrührend und lädt dazu ein, bei sich selbst nach eigenen sich selbst abwertenden Mechanismen zu schauen.
2. Die technische Umsetzung ist recht gelungen. Besonders die Szene auf dem Basketballfeld ist optisch klasse. Die lustigen Gummibärchen in den Animationen haben sogar meiner achtjährigen Tochter gefallen. Als die Hauptperson vor dem Spiegel steht und sich fett und hässlich findet und wie sie dann die Kurve dazu kriegt, liebevoll mit sich zu sein, ist technisch und schauspielerisch gut gemacht.
3. Einige der Statements der interviewten Wissenschaftler sind inspirierend, besonders, wenn es heißt, dass wir in einem Universum der Möglichkeiten leben, nicht in einem voller fester Regeln.
4. Der Film regt dazu an, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen und zu erkennen, dass wir die Schöpfer unserer Realität sind, was allerdings meiner Meinung nach in dem Film "The Secret" präziser dargestellt wird, wobei sich die beiden Filme durchaus ergänzen können.
5. Die Arbeit von Masaru Emoto (Autor von "Die Botschaft des Wassers") wird auf ansprechende Weise kurz eingeführt und sinnvoll in den Ablauf der Handlung integriert.
6. Der Film ist mit einem ansprechenden abwechslungsreichen Soundtrack unterlegt.
Was meiner Meinung nach für die DVD negativ ins Gewicht fällt und zur Abwertung führt:
1. Die Filmemacher nehmen eine absolut unkritische distanzlose Haltung gegenüber "JZ" Knight - deren Jünger sie sind - ein, die nach eigener Aussage ein Geistwesen namens Ramtha channelt. Im Film wird Ramtha als Darsteller in den Credits erwähnt. Tatsächlich ist Frau Knight ein absoluter Schwachpunkt in dem Film. Sie schwätzt aufgeblasen daher, stellt sich arrogant über die befragten Wissenschaftler und gibt ansonsten nur esoterische Worthülsen von sich vom Kaliber "Paläste aus unseren Gedanken bauen". Dafür einen Stern Abzug.
2. Obwohl es angeblich darum geht, den Menschen selbst dazu anzuregen, Schöpfer zu sein, glaubt man nicht recht an die eigene Botschaft und schickt assistierend in der Eso-Szene prominente Personen vor, die den Film promoten sollen wie Neal Donald Walsh, der im Trailer ein belangloses Statement ablässt ("Ein Film, den Sie nicht verpassen sollten") und der dennoch auf der DVD Hülle erwähnt wird. Dann steht noch "Empfohlen von Bärbel Mohr" hinten drauf und vorne "Mit Oscar Preisträgerein Marlee Matlin". Es wird also mit den üblichen Mechanismen der Autoritätshörigkeit gearbeitet, so dass die zunächst gute Absicht damit gleich wieder zunichte gemacht wird. Dafür noch einen Stern Abzug.
3. Was ich auch nicht verstehe, ist die Besetzung der Amanda mit der gehörbehinderten Schauspielerin Marlee Matlin. Sie spielt gut, zweifellos. Aber die ganze Zeit des Films über habe ich mich gefragt, warum eine Gehörlose diese Rolle spielen muss und bin zu dem Ergebnis gekommen: Es gibt keinen dramaturgischen Grund dafür. Vermutlich war Frau Matlin die einzige halbwegs prominente Schauspielerin, die die den Film produzierenden Ramtha-Jünger finden konnten, um ihren Namen zu benutzen. Das wirft für mich ein fragwürdiges Licht auf die Besetzung. Da das aber eher eine Geschmacksfrage ist, dafür keinen weiteren Abzug.
4. Die deutsche Synchronisierung ist grauenvoll. Der Sprecher klingt seelenlos wie ein TV-Kommentator und die Abmischung des Tons ist auch nicht schön. Die englische Originalspur ist aber enthalten. Daher auch dafür keinen weiteren Abzug.
5. Die Interviews mit den Wissenschaftlern sind extrem zusammen geschnitten, so dass einige von ihnen sich und ihre Aussagen kaum mehr wieder erkannten und sich im Nachhinein von dem Film distanzierten. Dies wird ein wenig dadurch relativiert, dass ganz am Ende eine Tafel eingeblendet wird, dass die interviewten Personen nicht mit allen Gedanken des Films einverstanden seien. Das sei aber auch nicht nötig. Nur eigenes Denken sei nötig. Das wirft aber dann auch wieder die Frage auf, wieso man dann prominente Wissenschaftler für den Film braucht. Das geht dann auch wieder in die Richtung meiner Kritik in Punkt zwei und wird nur dadurch relativiert, dass die schon erwähnte Tafel am Ende gezeigt wird. Daher auch hierfür keinen weiteren Abzug.
6. Eine DVD, deren einzige "Extras" ein belangloser Trailer und ein Audiokommentar sind, kann nicht als gut ausgestattet bezeichnet werden und ist dafür schlicht zu teuer. Da der Film allerdings unabhängig produziert wurde, kann man, wenn man guten Willens ist, auch darüber ohne Abwertung hinwegsehen.
Fazit: "Bleep" wirft einige interessante Fragen auf und verzichtet weitgehend auf Küchenrezepte zur Lösung dieser Fragen. Allerdings werden eben ein paar Anregungen gegeben, in eine bestimmte Richtung zu denken, die schlicht schräg sind: "Die Eingeborenen konnten die Schiffe von Columbus nicht sehen", "Jeder kann auf dem Wasser laufen" usw. Der Film baut allerdings durchaus eine angenehme Stimmung auf, die zum Hinterfragen der eigenen Realitätsstrukturen anregen kann. Daher betrachte ich ihn trotz der oben beschriebenen Mängel als sehenswert für Menschen, die Ihr Weltbild erweitern wollen und ein paar nette technische Spielereien zu dem Thema sehen möchten.