Ich habe diesen wirklich außergewöhnlichen neuseeländischen Film im Kino zwei Mal gesehen, seit dem ersten Mal gehört er zu meinen persönlichen Top 5, meine Antwort auf die berühmte "Inselfrage", was ich mitnehmen wollte, würde also zweifelsohne lauten: Unbedingt "Whale Rider"!
Das liegt zum einen an der Geschichte selbst, die im Grunde eine uralte und deshalb universelle ist. Ein Maori-Mädchen, das bei seinen Großeltern aufwächst, kämpft um die Liebe und Anerkennung seines Großvaters, der sie als seine künftige Nachfolgerin als Stammesführerin nicht akzeptieren kann. In seiner Verblendung vermag der Großvater nicht zu erkennen, daß gerade seine Enkelin die einzige ist, die imstande sein wird, die alten Traditionen zu bewahren und am Leben zu erhalten; erst ein tragisches Ereignis bewegt ihn zur Erkenntnis, daß Pai, seine Enkeltochter, die einzig legitime spätere Anführerin seines Volkes ist.
Die Protagonistin dieses Streifens, Keisha Castle-Hughes, wurde für ihre schauspielerische Leistung dieses Jahr durch die Nominierung für den "Oscar" als beste weibliche Hauptdarstellerin geehrt. Sie spielt das Mädchen Pai mit einer Intensität und Subtilität, die man einer Elfjährigen niemals zugetraut hätte. Stellvertretend sei an dieser Stelle die Szene erwähnt, in der sie zur Einweihungsfeier der durch Koro, den Großvater, gegründeten Schule erscheint und sich in die erste Reihe setzt. Koro fordert sie auf, sich als Mädchen in die letzte Reihe zu setzen, sie jedoch bleibt an ihrem Platz und blickt Koro mit einem Ausdruck an, der sowohl Angst als auch Trotz verrät. Allein Castle-Hughes' Spiel an dieser Stelle, das ist schon darstellerische Kunst, und wenngleich die anderen Schauspieler, in ihrer Heimat allesamt bekannt, ebenfalls hinreißend agieren, so kann man sich doch des Gefühls nicht erwehren, daß Keisha Castle-Hughes den ganzen Film auf ihren jungen Schultern trägt.
Bei einer neuseeländischen Produktion erübrigt sich es fast zu erwähnen, daß die Landschaftsaufnahmen von atemberaubender Wucht sind, niemals jedoch zum Selbstzweck geraten.
Ich kann diese DVD jedem, der "leise" Filme liebt, nur allerwärmstens ans Herz legen, das Alter des Zuschauers spielt hier tatsächlich überhaupt keine Rolle, so daß die Kategorisierung "ein Film für die ganze Familie" hier ausnahmsweise einmal vollkommen zutrifft.