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Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Hitzerekord noch keine Klimakatastrophe. Allerdings, es bleibt nicht bei einem Hitzerekord. Seit 1988 steigen Temperatur und Feuchtigkeit nachweislich an. In zwanzig Jahren wird man zuverlässig sagen können, ob in jenen Jahren das Treibhausklima seinen Anfang hatte.
Doch was sind ein paar Jahrzehnte im Vergleich zur Klimageschichte? Die früheren Wettergeschehnisse müssen also so weit zurück wie irgend möglich rekonstruiert werden. Christian Pfister schildert daher zunächst, wie die Meteorologen anhand historischer Messdaten und schriftlicher Aufzeichnungen europäische Wetterkarten für das Mittelalter produzieren; wie sie Schiffstagebücher auswerten oder Dokumente von Bittprozessionen. Anhand eines Vergleiches mit heutigen Wettersituationen können dann die Luftdruckverhältnisse abgeschätzt und Wetterkarten erstellt werden. Erst nach akribischer Kleinarbeit können sich die Forscher in die Jahre versetzen, in denen das Meer besonders heftig gefror oder als Missernten zu Hunger und Elend führten.
Was folgt sind unzählige Wetterkarten, aus denen sich die markantesten Wetteranomalien der letzten 500 Jahre ablesen lassen. Was das prächtige und wunderbar geschriebene Buch aber so lesenswert macht, sind die zeitgenössischen Darstellungen von Naturkatastrophen in Wort und Bild. Auf diese Weise werden nüchterne Zahlen zu katastrophalen Stürmen und schrecklichen Überschwemmungen, die das Schicksal ganzer Regionen bestimmt haben.
"Die schlüssigen Indizien sind nicht spektakulär, und die spektakulären Ereignisse sind nicht schlüssig", meint Pfister am Ende seines Buches. Die eigentliche Klimakatastrophe verläuft heimtückisch langsam. Längst haben wir uns an schneelose Winter gewöhnt und die Häufung der Hautkrebsfälle ist kaum noch medienwirksam umzusetzen. Dabei gilt es, weit über nationale Interessen hinaus zu gemeinsamen Lösungen zu gelangen. Pfisters Buch ist somit auch ein unumstößlicher Lagebericht, der nicht zu kopfloser Hektik, wohl aber zu raschem Handeln auffordert. --J. Schüring
few. Inwieweit die heutige klimatische Entwicklung auf anthropogene Einflüsse zurückzuführen ist und inwieweit sie von natürlichen Schwankungen geprägt wird, das kann man nur herausfinden, wenn man weiss, wie das Klima zu früheren Zeiten gewesen ist, als es anthropogene Einflüsse noch nicht oder nur in geringem Masse gegeben hat. Kontinuierlich aufgezeichnete Wetterdaten liegen allerdings erst seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts vor. Den Klimatologen bleibt daher nichts anderes übrig, als den früheren Zustand auf Grund von indirekten Daten zu rekonstruieren: Baumringe, Pollen, Seesedimente und Gletschereis werden daher auf vielfältige Weise ausgewertet.
Rückschlüsse auf das Klima der Vergangenheit lassen sich aber auch aus historischen Aufzeichnungen ziehen. Im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms NFP 31 «Klimaschwankungen und Naturkatastrophen» hat der Historiker Christian Pfister von der Universität Bern solche Quellen für die Klimaforschung zugänglich gemacht. In akribischer Arbeit hat Pfister zusammen mit seinen Mitarbeitern die sehr unterschiedlichen Aufzeichnungen ausgewertet. Teilweise handelt es sich dabei um bereits erstaunlich systematische Beobachtungen, aber auch Berichte über verspätete Heuernten, frühe Kirschblüten und gefrorene Seen wurden von den Historikern berücksichtigt. In Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftern konnte Pfister schliesslich die klimatische Entwicklung der letzten 500 Jahre vollständig rekonstruieren. Die bereits 1998 publizierten Ergebnisse werden von Pfister nun in einer für das breitere Publikum leicht zugänglichen Form nochmals dargestellt.
Heikel ist die Auswertung von historischen Aufzeichnungen, weil die Chronisten natürlich vor allem Ausnahmesituationen festgehalten haben, ein Umstand, der leicht zu einem verzerrten Bild führen kann. Tatsächlich macht denn auch die detaillierte Darstellung von klimatischen Ausnahmesituationen zum Beispiel frühlingshafte Winter und Jahre ohne Sommer den grössten Teil des Buches aus. Dennoch ist es Pfister gelungen, die «Wetternachhersage» nicht einfach auf eine Chronik der Naturkatastrophen zu reduzieren.
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