"Got a dream, boy, got a song, paint your wagon and come along..." Ungewöhnlich in Thema, Gestaltung und Besetzung und gerade deswegen genial ist dieser Film, der einen realistischen, augenzwinkernden Einblick in den amerikanischen Goldrausch zeigt, ohne die sonst übliche Verherrlichung des Pioniertums und der Innovation, mit der die ersten Siedler angeblich die "Zivilisation" in den vormals wilden Westen brachten. Überraschend auch, weil die Musik aus der Feder von Lerner und Loewe stammt, den Autoren von "My Fair Lady", einer gutbürgerlichen Geschichte, in der Anstand und gutes Benehmen hochgehalten werden: im Kalifornien zur Zeit des Goldrausches finden und schaffen die Menschen statt dessen ihre eigenen Regeln, angetrieben von ihren ganz persönlichen Wünschen und Bedürfnissen.
Die Ursprünglichkeit und Naturnähe der Orte, an denen sie nach Gold graben und sieben, macht sich bei den Siedlern bald bemerkbar: bei Sturm und Regen unterhalten sie sich mit den Naturgewalten "They Call The Wind Maria", eine Gruppe Prostituierter wird in das Dorf entführt "There's a Coach Comin' In", ein Mormone verkauft - wortwörtlich - eine seiner Frauen, und diese lässt das erste Holzhaus im Ort bauen "A Million Miles Away", liebt zwei Männer und sieht sich bald mit beiden (!) glücklich verheiratet "I Talk To The Trees". Die Spielsucht im Saloon "Gold Fever", das Eintreffen eines Predigers "The Gospel of No Name City" und heimliche Grabearbeiten unter der Stadt "The Best Things in Life Are Dirty" tun ein übriges...
Die Lieder sind ausnahmslos wunderschön und klingen vor dem Western-Hintergrund nicht im geringsten seltsam sondern helfen dabei, diese verrückte, für die prüden USA so ungewöhnliche Geschichte zu erzählen. Lee Marvin als das "Urgestein" Ben Rumson spielt eine unvergessliche Paraderolle; er ist zwar kein begnadeter Sänger, aber sein "I Was Born Under a Wanderin' Star" und sein schwungvoller Angriff auf die Zivilisation "The First Thing You Know" gehören zu den ergreifendsten Szenen des Films. Es ist auch schön, einen jungen, noch von Dirty Harry weit entfernten Clint Eastwood die Rolle des freundlichen "Pardner" spielen zu sehen und sogar singen zu hören.
Wer einen konventionellen Western, ein konventionelles Musical oder einen konventionellen US-amerikanischen Film erwartet, ist hier fehl am Platz. Aber jeder andere wird diesen Film, seine originelle Geschichte, die unvergesslichen Charaktere, ihre unnachahmliche Dynamik untereinander, die mitreißende Musik und den unwiderstehlich menschlichen Witz wahrscheinlich kennen lernen und für immer lieben.