Das Buch der 1949 in Berlin geborenen ehemaligen DDR-Autorin mit dem Untertitel "Vom Unbehagen in der Einheit" ist ein wunderbar menschliches, gleichzeitig fundierter Beitrag zum Thema der Benachteiligung und Zurücksetzung der ehemaligen DDR-Bürgerinnen und Bürger. Hauptkritikpunkte: Der Westen hat nach 1989 die DDR überrollt, Ex-Nazis haben es ungleich leichter. Persönliche, autobiographische Erfahrungen mischen sich mit journalistisch exzellent recherchierten Fakten und Meinungen, Zitaten und Schlussfolgerungen. Sehr subtil vergleicht Daniela Dahn die Gesellschaftssysteme, sie streicht Positives wie Negatives wohlbegründet heraus. In einem Prolog beschreibt sie den "Osttrotz wider die neue Herrlichkeit". Die darauf folgenden Kapitel berichten von ihrem Unmut als Autorin, als Antifaschistin, als Linke, als gewesene DDR-Bürgerin, als Frau und als Neubundesbürgerin. Der Epilog dreht sich um "Mein Behagen als Citoyenne". Besonders sympathisch machen das Buch die ganz persönlichen Erlebnisse etwa von Lesereisen oder von einem missglückten Versuch, in die USA einzureisen (wegen falscher Dokumente, wofür sie nichts konnte).