WESTWÄRTS OHNE FURCHT Furcht ist ein weiteres authentisches Portrait der Autorin Lucia St. Clair Robson, in dem sie das Leben einer faszinierenden Frau im damals wohl wirklich wilden Westen einer sich gerade formierenden und sich zum Teil in kriegerischen Konflikten ausdehnenden Nation beschreibt.
Im Mittelpunkt des Romans stehen die Erlebnisse der Sarah Borginnis/Bowmann im amerikanisch- mexikanische Krieg von 1846-48. Wie im Falle der Cynthia Ann Parker, „Die mit dem Wind reitet"
bereitet die Autorin einen authentischen Stoff und den darin handelnden Personen auf, denen sie mit Geschick und Einfühlungsvermögen Leben und Farbe einhaucht. Eingebettet in den historischen Rahmen der Südwestexpansion der jungen USA erlebt der Leser hier das Wirken jener Sarah Borginnis, die schon zu ihren Lebzeiten als „the Great Western" zur Legende wurde. Dabei sind es neben dem heroischen Verhalten und den Zeugnissen ihrer Furchtlosigkeit auf den Schlachtfeldern vor allem auch die zupackende Art, mit der sie die Routine des Truppenalltags meistert und ihre hilfsbereite Anteilnahme an den Schicksalen der sie umgebenden Menschen, die den Leser Respekt und Sympathie für diese Frauenpersönlichkeit gewinnen lassen.
Ich habe diesen Roman nach dem unbestrittenen Meisterwerk der Autorin „Die mit dem Wind reitet" gelesen. Das Schicksal der Cynthia Ann Parker , ihre Entwicklung vom entführten, verängstigten Kind über eine sich mutig behauptende Heranwachsende zu einer mit Herz und Seele bekennenden Comanchen-Frau, -gattin und -mutter hat ergriffen und mitgerissen. Gemessen an dieser Vorlage hatte es Sarah „Western" Borginnis natürlich schwer. Was mir an diesem Roman fehlt, ist die Dimension „Entwicklung" dieser jede Lage beherrschenden Frau, ein Spannungsbogen, der auf einen Höhepunkt zueilt. Deswegen gibt es auch nur 4 Sterne für diese ansonsten ausgezeichnete, lesenswerte Geschichte.
Als Fußnote noch eine konstruktive Detailkritik für die Übersetzer fast aller vergleichbaren amerikanischen Literaturvorlagen: ein „Mule" (im Amerikanischen) ist auf deutsch ein Maultier und kein Maulesel. Mit ersteren wurde neben Ochsen und Pferd der amerikanische Westen erobert, letzteres spielte dabei kaum eine Rolle.