Es ist seltsam, daß ein solches Ereignis wie der erste Weltkrieg in den Zwanzigern und Dreißigern nicht mehr Filme hervorgebracht hat, die ihn schonungslos darzustellen versuchten ohne in Heldenmythen des guten Soldaten zu fallen. Die Epoche 1925 - 32 war doch ansonsten eine wahre Blütezeit der deutschen Filmkunst. "Westfront 1918" kam 1931 vor "im Westen nichts Neues" heraus.
Frankreich 1918: Bei den Deutschen sind die letzten Reserven im Feuer. Die Gegenseite wird ständig durch neue Einheiten verstärkt. Der Film lebt durch die Einzelschicksale deutscher Soldaten:
- Ein Bayer - Karl, der Student - der Leutnant
haben trotz des Krieges guten Kontakt zu französischen Bauern, die sie während der Kampfpausen in ihrem Haus aufnehmen. Dort verlieben sich zwei deutsche Soldaten in die Bauerntochter Ivette.
- der Leutnant wird bei einem Panzerangriff verrückt und fällt,
-der Bayer wird schwer verwundet
- Der deutsche Student fällt im Nahkampf (und hat noch einen letzten Fiebertraum, in dem er seine Frau sieht). Am Ende kommt eine gute Szene: Als er stirbt faßt ein ebenfalls tödlich getroffener französischer Infanterist seine Hand - als Zeichen, daß er ihn nicht als Feind sondern als Kameraden sieht.
- Der Regisseur G.W. Pabst hatte sich bereits in der Stummfilmzeit einen großen Namen als Filmemacher sozialer Dramen gemacht, z.B. "Die Freudlose Gasse" mit Greta Garbo, die eine ausweglos lähmende Stimmung der Inflations-Armut zeigt. Seine Filme wurden z.T. in Frankreich häufiger gezeigt als in Deutschland. Ein Anliegen Pabst war die Konflikte zwischen den beiden Nationen nach dem 1. Weltkrieg darzustellen und die immer noch vorhandene Freundschaft. Beeindruckend zeigt das auch sein Film "Kameradschaft", an dem bei beiden Nationen am Ende auch die guten Regungen der gegenseitigen Hilfsbereitschaft siegen. Hätte es nur mehr solcher Filme gegeben, auch in Frankreich wurde das Thema erster Weltkrieg posthum in Filmen idealisiert und patriotisiert.
Der Film löste heftige Diskussionen aus: Aufführungen wurden von Extremisten des rechten Lagers verhindert, Zuschauer verprügelt, etc.
Mir gefällt Westfront 1918 besser als "im Westen nichts Neues", da er von Deutschland (nicht USA) gemacht wurde. Eigentlich sollte man beide Filme gesehen haben.
Empfehlenswert vor allem für Leute, die einen Bezug zu Frankreich haben, für diese ist auch "Kameradschaft" interessant.
Anmerkung: 1931 muß ein sehr kreatives Jahr des jungen Tonfilms in Deutschland gewesen sein. Es kamen heraus: M-eine Stadt sucht einen Mörder!!, Mädchen in Uniform, Emil und die Detektive, Kameradschaft, Berlin-Alexanderplatz, der Blaue Engel, Ees fällt auf, daß sozialkritische Inhalte vorkamen, das letzte Mal in dieser seltenen Häufigkeit, denn die UFA bekam 1932 einen neuen - eher rechtsgerichteten - Vorstand.