Lassen Sie mich zunächst in die Einzelkritik der Stücke gehen:
Narbenherz: Das Stück hat musikalisch einen elektronischen Rahmen, in der Mitte jedoch ein kurzes Gitarrensolo mit Verzerrer. Die Melodie ist ziemlich eingängig. Ein Backgroundchor verstärkt den Gesang positiv.
Weißt du, dass ich glücklich bin: Typische Marius-Melodie mit Mitsingrefrain. Der Song hat einen ruhigen Grundton, aber man kann sich lebhaft eine stimmungsvolle Live-Version vorstellen.
Depression: Melodie und Rhythmus entführen einen fast in folkloristische Sphären, die ich in den keltischen Raum legen würde. Natürlich ist das Ganze elektronisch unterstützt.Marius setzt sich hier textlich mit einem sehr kritischen Thema auseinander, das gerne totgeschwiegen wird, aber heute fast zur Volkskrankheit geworden ist.
"Es geht weiter" beginnt mit einem typischen Rock 'n' Roll Riff. Der rotzige Text rundet das Ganze zu einem gut gelungenen Titel ab.
Freiheit: Was muss man zu diesem Marius-Klassiker noch sagen? Er bescherte ihm unglaublichen Erfolg und volle Stadien. Der Mitsingfaktor ist nicht zu Toppen. 1989 holten ihn die Ereignisse in Deutschland auch noch ein - was will man mehr.
Nimm mich mit: So geht der neue Marius: Melodisch, E-Gitarre als Begleitung, rockig. Sehr guter Aufbau, die Strophe ist schon stark, der Refrain dann ganz stark. Es gibt ein Gitarrensolo, das uns daran erinnert, dass Marius ein deutscher Rocksänger ist und nicht Schwiegermamas Liebling. Außerdem deutet er sein Schreien an, wie in den guten alten Tagen.
Lieb mich ist ein sehr melodisches Liebeslied mit rockigen Elementen - wirklich gut.
Hey Mamma: Typisch rotzig frecher Marius-Text über den klassischen Loser, der an Mama hängt und jede Menge Probleme hat. Musikalisch ist das Stück funkig bis rockig - auch sehr gelungen. Schönes Orgelsolo gegen Ende.
Ganz und gar: Das nächste Stück, das wirklich jeder kennt. Die Melodie verführt zum Mitsingen. Das Stadionfeeling kann man förmlich riechen. Balladentime im Mariusland. Alle Wunderkerzen gehen hoch. Sehr fein.
Ein fast 40-jähriger Marius zeigt hier noch nicht sein Alterwerk, aber schon ein gut gereiftes Album mit richtigen Highlights, sogar seiner ganzen Karriere. Sicherlich hatte sich seine private Veränderung positiv auf die Kompositionen ausgewirkt - ein glücklicher Sänger und Songschreiber ist oft besser.
Das gibt glatte 4 von 5 Punkten.