In kurzen Worten: Das, was das My Book Live kann, kann es sehr gut, sehr schnell und sehr einfach, oder in den Worten der ct: "Unerhört leise, einfach zu bedienen und sehr schnell", "das was es kann, macht es ordentlich" sowie "Für die Grundfunktio-nen als Netzwerkfestplatte lautet die Devise: anschließen und fertig." (ct 11/2004, S. 104ff.) Das brauche ich hier nicht zu ergänzen, vielmehr will ich ein paar Punkte herausgreifen, die mir persönlich wichtig sind.
Zunächst: Alles funktioniert - Zugriffsrechte stimmen, und zwar sowohl per SMB als auch per AFP (MacOS). Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, weiß ich von meinen privaten wie beruflichen Erfahrungen mit Iomega StorCenter-Geräten. TimeMachine (Apples Backupwerkzeug) funktioniert ebenfalls tadellos, und zwar auch mit MacOS 10.7 - das entsprechende WD-Firmware-Update war kurz nach dem Erscheinen von 10.7 verfügbar.
Externe Zugriffe (wenn man diese Möglichkeit nutzen möchte) sind sehr einfach und technisch elegant gelöst: Das Gerät versucht zuerst, via UPnP eine entsprechende Portweiterleitung einzurichten (alternativ kann man die zu verwendenden Ports in der Konfigurationsoberfläche fest einstellen). Wenn das nicht klappt (z.B. weil man aus Sicherheitsgründen UPnP abgeschaltet hat oder wenn Router/Firewall/Internetprovider einfach keine eingehenden Verbindungen zulassen), stellt das Gerät eine ausgehende Relaisverbindung zu einem WD-Server her - so funktionieren Fernzugriffe selbst dann, wenn eingehende Verbindungen komplett blockiert sind.
Durchführen lassen sich externe Zugriffe zunächst über WD-Anwendungen für Mobilgeräte - da gibt es zwei, eine zeigt freigegebene Fotos an, die andere ermöglicht einen vollen Dateimanager-artigen Zugriff (jeweils nach Authentisierung, versteht sich). Von Computern aus lässt sich auf das heimische WD-NAS zugreifen, indem man sich (nach Registrierung) auf einer WD-Webseite anmeldet - es startet dann ein Java-Applet, das das heimische NAS via WebDAV als Netzwerkplatte einbindet.
Bezüglich der Sicherheit solcher Lösungen muss man letztlich dem Hersteller (ver)trauen - verwendet werden aber offene Standards (https, WebDAV), und auf den ersten Blick sieht die Konfiguration solide aus. Im Sinne des "better safe than sorry" würde ich dennoch keine wirklich sensitiven Daten auf einer derart freigegebenen Platte speichern.
Nicht genug loben kann man WD dafür, dass sie SSH-Shellzugriffe mit root-Rechten offiziell ermöglichen und erlauben (kann man über die Konfigurationsoberfläche einschalten) - auch wenn das natürlich nur Profis empfohlen sei und es für selbst verursachte Probleme keine Garantie gibt. Echten Mehrwert bringt der Shellzugriff meines Erachtens nicht, aber zwei Dinge sind schon praktisch: auf dem Gerät ist ein aktuelles rsync vorhanden (das steht in der Weboberfläche überhaupt nicht zur Verfügung), und es lassen sich die SMART-Werte der Festplatte abfragen. *Theoretisch* könnte man das ganze Betriebssystem (ein Debian 5.0.4) modifizieren und umkrempeln, aber wenn man so etwas möchte, dann wäre man meiner Einschätzung nach bei einem offenen System a la FreeNAS besser aufgehoben als bei einem letztlich doch geschlossenen, proprietären NAS.
Das Abfragen der SMART-Werte offenbart gleich ein potenzielles Problem bzw. eine Schattenseite: Bei meinem Gerät steigt, wie bei unter Unix verwendeten WD-Platten häufig kritisiert, der "Load_Cycle_Count"-Wert schnell an - aktuell steht er nach 3.269 Betriebsstunden schon bei 47.428. Die eingebaute Platte - in der 2TB-Version eine WD20EARS - ist aber nur für 200.000 Ladezyklen spezifiziert - sprich: Wenn es so weiter geht, dann hat die Platte nach nur gut eineinhalb Jahren Betriebszeit das Ende ihrer vorgesehenen Lebensdauer erreicht! Für sich genommen wäre das eigentlich ein K.O.-Kriterium, aber der WD-Support hat mir versichert, dass das ein RMA-Grund wäre. Ich möchte die Platte jetzt also erst einmal ein weiteres Jahr verwenden (ein halbes Jahr habe ich sie schon) und abwarten, ob eventuell ein weiteres Firmware-Update Abhilfe schafft - wenn nicht, dann sende ich sie nach dieser Zeit ein und lasse sie austauschen.
Ein zweiter Punkt, den die SMART-Werte offenbaren, ist die Temperatur - die liegt im untätigen Zustand regelmäßig bei 58° Celsius und überschreitet im Betrieb (bei intensiven Zugriffen) problemlos die 60°-Grenze (oft 61°, selten etwas mehr). Das ist gerade noch im Rahmen des irgendwie Vertretbaren, aber keinesfalls gut für die Lebensdauer und jedenfalls weit über dem, was gut gekühlte Festplatten in großen Profi-Systemen (oder auch nur im eigenen PC) erreichen: Typischerweise liegt die Temperatur einer Festplatte im Bereich von 35 bis 45°! Sicherheitskopien sind aber ohnedies wichtig.
Damit ist auch gleich das Thema Kühlung und Lautstärke angesprochen: Das Gerät hat keinen Lüfter und ist als solches völlig lautlos - das einzige, was Geräusche erzeugt, ist die Platte selber, und die ist besonders leise. Gekühlt wird mit dem Kamineffekt (Konvektion): Die Platte steht im Gehäuse hochkant, und an der Unter- und Oberseite des Gehäuses sind vollflächig große Lüftungsöffnungen angebracht. Die Wärme von Platine und Platte steigt empor, entweicht an der Oberseite aus dem Gehäuse, und von der Unterseite strömt kühle Luft nach. Kleiner Nachteil dieser Konstruktion ist, dass das Gerät einen relativ hohen Schwerpunkt hat und relativ viel Angriffsfläche bietet - sprich: Man könnte sie leicht umwerfen. Wenn das im Betrieb passiert, dann ist sie hinterher mit hoher Wahrscheinlichkeit kaputt (Headcrash) - deshalb sollte sie besser deutlich abseits vom Geschehen stehen (was ja bei einer Netzwerkfestplatte kein großes Problem ist).
Der Stromverbrauch liegt nach ct-Messung (loc. cit.) bei 8 Watt idle und 11 Watt im Zugriff - im "idle"-Modus (schlafende Festplatte) messe ich selber noch etwas weniger, ca. 5-6,5 Watt (Conrad-Messgerät).
Unerfüllte Wünsche gibt es auch, aber die sind insofern nicht zu rügen, als der Hersteller auch gar nicht vorgibt, sie zu erfüllen:
a) Es gibt keine Möglichkeit, verschlüsselte Partitionen anzulegen. Wie gesagt, der Hersteller verspricht das auch gar nicht, aber es ist dennoch schade, weil es technisch leicht zu realisieren wäre und den Nutzen des Geräts massiv erhöhen könnte (das Gerät ist sehr klein und sehr leicht gestohlen - da wäre es schon schön, z.B. Buchhaltungsdaten oder Korrespondenz auf einer verschlüsselten Partition diebstahlsicher zu wissen).
b) Es gibt keine (einfache) Möglichkeit, das Gerät als CVS- oder Svn-Server zu benutzen bzw. einen solchen nachzuinstallieren. Für das Zielpublikum des My Book live ist das ohnedies nicht interessant, aber für mich wäre es das ein Killerfeature.
c) Die Konfigurationsoberfläche ist nur über HTTP, nicht aber über HTTPS erreichbar. Das ist objektiv nicht schlimm, weil Lauscher/innen im Heim-LAN ohnedies ganz andere Probleme bereiten können, aber etwas überflüssig, weil sowieso ein HTTPS-fähiger Apache auf dem Gerät läuft und tatsächlich auch an 443 horcht - allerdings nur für WebDAV, nicht für Zugriffe auf die Konfigurationsoberfläche.
Noch ein paar technische Informationen für technisch Interessierte:
Anders als die meisten günstigen und stromsparenden NAS-Geräten hat das WD-NAS keinen Prozessor in ARM-, sondern einen in IBM Power-Architektur - laut /proc/cpuinfo ein APM82181 mit 800 MHz, Revision 28.129, PowerPC 44x-Plattform, 256 MB RAM. Betriebssystem ist - wie gesagt - ein angepasstes Debian 5.0.4, Kernel derzeit 2.6.32.11.
NACHTRAG vom 23.1.2012:
1. Inzwischen ist bei meinem Gerät die LED ausgefallen - ein Fehler, der beim My Book Live anscheinend öfter/oft auftritt. Nachdem das offensichtlich kein Einzelfall ist, ziehe ich in der Gesamtwertung einen halben Stern ab. (Auf die Funktionalität des Geräts hat das allerdings keinerlei Einfluss.)
2. Inzwischen habe ich im Internet eine fertig fürs My Book Live kompilierte Version von idle3ctl gefunden (mir aber leider die URL nicht gemerkt - es war eine recht intensive Google-Suche und nicht ganz leicht zu finden). Mit "idle3ctl -s 145 /dev/sda" habe ich den Idle-Timer auf 510 Sekunden gesetzt, und seither ist die Rate des Anstiegs des Load_Cycle_Count tatsächlich massiv verflacht - ohne dass eine negative Auswirkung auf die ohnedies sehr hohe angezeigte Betriebstemperatur erkennbar wäre. Nachdem der Hersteller das bis heute nicht selber unter Kontrolle gebracht hat, ziehe ich noch einen halben Stern ab.