...denn ich bin noch am Leben." So beginnt Bukowskis Gedicht -Der Rest- aus dem Jahr 1968. Sollte das stimmen, dann steht es seit 1994 schlecht um uns. Denn da hat uns der "Dirty old man" für immer verlassen. Zurück blieb ein Wust an Romanen, Shortstories und Gedichten. Western Avenue hat sich um Buks Gedichte gekümmert. Fein ordentlich sortiert in den Zyklen der Jahre von 1955 bis 1977. Eine wahre Fundgrube für Fans des deutschstämmigen Autors, der sein Leben in Los Angeles verbrachte. Buk polarisierte wie kein anderer, schrieb aber auch wie kein anderer. Noch heute muss man feststellen: Er wurde oft kopiert, aber nie erreicht. Und tatsächlich fehlt einem da was. Ein paar Wörter eines Underdogs, hingekritzelt, voller Wut, Hass und Gleichgültigkeit. Aber es gibt auch den Bukowski, der von Liebe, Gefühlen und vor allem von den Menschen schreibt. Das Ganze in einer Sprache, die jeder versteht.
Western Avenue ist ein Gedichtband, der sich schon heute Klassiker nennen darf. Mit Bukowski ging der Stern der Undergroundliteratur auf. Was Buk dabei am liebenswürdigsten machte ist, dass er diesen Aufstieg niemals aktiv betrieben hat. Er knackte seine Bierdosen, ging seinen Liebschaften nach, egal ob im Bett oder auf der Rennbahn, und schrieb unzählige Seiten voll. Aber wie er das machte, das hatte etwas von der Magie der Straße und sprach den einfachen Menschen mitten aus der Seele.
Um der Poesie Bukowskis nahe zu kommen, ist Western Avenue der richtige Einstieg; falls sie den Meister noch nicht kennen. Sollten sie mit ihm vertraut sein und ihn schätzen, ist der Band noch allemal dafür gut, ein bisschen darin zu blättern und sich ein wenig aus dem Jenseits erzählen zu lassen. Buk, wir vermissen Dich.