...auch wenn die ganze Welt aus ihren Angeln fällt." Diese Liedzeile aus Klaus Hoffmanns legendärem Westend-Album, beschreibt genau das Gefühl, dass mir 1979 durch den Kopf ging, als ich Klaus Hoffmanns vielleicht radkikalstes Album überhaupt hörte. Okay, das war eine andere Zeit, aber mal ganz ehrlich. Wenn 2010 ein 93jähriger Stephane Hessels mit seinem 32seitigem Traktat "Empört euch!" den Zeitgeist trifft, dann ist auch Hoffmanns -Westend- ganz klar wieder im Kommen. In den letzten 30 Jahren hat niemand; leider auch Hoffmann selbst nicht, es geschafft derart clevere, politische, poetische, sanfte und revolutionäre Gedanken zugleich in ein unglaubliches Konstrukt aus deutschen Texten und Musik zu packen. Das hat bei mir dafür gesorgt, dass -Westend- keine Chance hat Staub im Regal anzusetzen. Nicht in den letzten 30 Jahren, und vermutlich auch nicht in der Zukunft. Wenn es so etwas wie Meilensteine der deutschen Musik gibt, -Westend- gehört in jedem Fall dazu.
Anspieltipps: -Die Melodie- vereint Klavier, Liebeslied, Drama und ein wunderbares Stück Zeitgeschichte in einem grandiosen Lied. Es waren Lieder wie -Weil Du nicht bist wie alle anderen-, die direkt aus einem französischen Chanson stammen könnten. Texte und Musik dieser Art haben immer wieder Musiker inspiriert. In -Salambo- lässt Hoffmann gnadenlos die Sau raus. Er schaut dem Volk, der Macht und der Moral direkt aufs Maul. Es wäre schön, wenn wir heute noch so kritisch wären. -Wenn ich sing- beginnt mit einem Sprechgesang und einer Reise durch Zeit und Raum, bis es sich zu einem poetischen Höhepunkt hinaufarbeitet. -Die Frau am Fenster- ist wie Minnegesang und Hölderlintext. Aber Hoffmann holt auch dieses Lied direkt in unsere Zeit hinein. Bis heute eines meiner absoluten Lieblingslieder von Klaus Hoffmann ist -Eine Insel-. Wer auf gute Gedichttexte und einen harmonischen Gesang plus Gitarrenbegleitung steht, dem wird hier das Herz ganz weit auf gehen.
-Westend-. 1979. Verdammt lang her! Aber noch immer ein Fanal für Menschlichkeit, Mut, Träume und Hoffnungen. Ich bin der Letzte, der alten Zeiten nachhängt, aber wenn sich -Westend- im CD-Player dreht, dann bin ich in Gefahr mich zurückzusehnen. Nicht an eine bessere, aber vielleicht an eine andere Zeit.