Die Kommissarin ist Halbkoreanerin. Auf der ersten Seite erfahren wir, dass sie letzte Nacht sturzbetrunken Sex mit einem unbekannten Mann hatte. Etwas später, dass gestern ihr Kollege im Dienst erschossen wurde, sie daraufhin aus Rache zwei Täter erschoss und am Abend danach 20.000 ¤ bei einem illegalen Pokerspiel gewonnen hat. Sie trainiert japanischen Schwertkampf, fällt aber dauernd in Ohnmacht. Sie restauriert eigenhändig Oldtimer und wickelt Psychologen mit psychologischen Tricks ein, wenn sie nicht gerade aus dem Stand in einer Werbeagentur Texte entwickelt und als Model aushilft.
Der Pate der Heldin ist - natürlich - Italiener und eine örtliche Mafiagröße: Geldwäsche, Prostitution, Glücksspiel, aber - natürlich - nichts wirklich Böses. Er kann so großartig kochen, dass Vegetarier Rinderfilet bei ihm essen und weiß stets mehr als die Polizei.
Die Oberbürgermeisterin heißt Walpurga Grünwaldt, hat üppige Brüste und ihr Sohn ist ein Computergenie. Der Mann in der Notrufzentrale ist schwul, die Oberstaatsanwältin und eine Chefärztin sind lesbisch, eine andere Chefärztin steht auf S/M, und das alles auf den ersten 150 Seiten. Später stellt sich heraus, dass so ziemlich jeder Protagonist außer der Heldin und ihr Love Interest irgendeiner sexuellen Normabweichung nachhängt. Fast schon wohltuende Ausnahmen: der einsilbige Bodyguard arbeitet nebenher an seiner Philosophie-Dissertation, die Kindergärtnerin ist ein Opfer häuslicher Gewalt.
Ich habe selten so eine Anhäufung von kleinbürgerlichen Klischees und verquer konstruierten Charakteren gelesen wie in diesem Buch. Der Autor gibt sich nicht mal Mühe, Realitätsnähe auch nur zu simulieren. Nur im Urlaub und nur halbwach zu ertragen. 2 Sterne für leidliche Spannung.