Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die verlorene Generation, 10. März 2003
Die Schonungslosigkeit, mit der Erich Maria Remarque die Schrecken des Ersten Weltkrieges aufzeigt, ist schockierend - aber gerade die Schrecken dieses Krieges verlangen nach einer solch schonungslosen Darstellung.Dadurch, dass Remarque seinen Roman in der Ich-Perspektive verfasst, wird der Leser zum unfreiwilligen Zeugen der Geschehnisse. Er liegt geradezu neben dem Protagonisten Paul Bäumer im Schützengraben, im Lazarett, geht mit ihm auf Patrouille, wird mit ihm zum Angriff aufgefordert, durchläuft mit oder gleich diesem einen Prozess des Leidens und der Verrohung. Über allem Grauen, einem alptraumartigen Grauen ohne Hoffnung, steht die nüchterne Erkenntnis, dass in dieser apokalyptischen Welt des Kampfes nur der Zufall über Leben und Tod entscheidet. Dies führt zum einen zu einer radikalen Ich-Erfahrung, die eine Begegnung mit dem Du fast unmöglich macht, zum anderen zur Entmenschlichung, zur Reduktion des Menschseins auf elementare Bedürfnisse, animalische Verhaltensmuster. Wenn Peter Bäumer einem gegnerischen Soldaten, der zufällig in dem gleichen Graben Schutz sucht wie er selbst, ein Messer in den Körper stößt, mehr aus Angst als aus irgendeinem anderen Beweggrund, dessen Sterben sodann über Stunden verfolgt, ohne einer Handlung fähig zu sein, dann ahnt der Leser nicht ohne Erschrecken über sein eigenes Ich, dass ihm hier auch sein mögliches Verhalten in der gleichen Situation vor Augen geführt wird, dass in extremen Momenten die Situation die Handlung bestimmen kann und nicht - wie erhofft - die Gesinnung. Eine andere Dimension des Werkes, die sich zumeist in Rückblenden eröffnet, entlarvt die hohle Kriegseuphorie der Erzieher, die Konventionen militärischen Gebärderns in Friedenszeiten und den blinden Nationalstolz. Zudem wird der kalte Glaube an ein militärisches Kalkül, das kein Individuum denken darf, radikal zertrümmert. Transparent wird schließlich, warum gerade die Generation der um 1890 Geborenen nie wieder Fuß fassen kann. Sie gehen als Adressaten des propagandistischen Räderwerkes gänzlich unvorbereitet in den Krieg, haben zudem als Jugendliche keinen Halt in der Welt, in die sie sich zurücksehnen - eine Welt, die die wenigen Rückkehrenden dann aufgrund ihres völligen Unverständnisses weiterleiden lässt. Das Lesen des Romans wird vor allem durch die unerhörte Spannung bestimmt, die sich aus Identifikation und Mitfühlen auf der einen Seite sowie Abscheu und Verachtung auf der anderen Seite ergibt. Bei aller Drastik und Brutalität regiert doch Nähe; die Distanz, nach der man sich manchmal geradezu sehnt, sie fehlt - und gerade dies ist die Stärke des Werkes. Denjenigen Kritikern, die Remarque vorwerfen, die Soldaten würden in der Rolle des Opfers präsentiert, Verantwortung an eine andere, letztendliche undefinierbare Instanz abgeschoben, ist die Frage zu stellen, ob nicht gerade diese fast noch unmündigen Wesen, die gerade der Schulbank entwachsen sind und sich im Feld, das ihnen als der Ort der Ehre angepriesen wurde, wiederfinden, ein Recht auf eine solche Darstellung haben. Die Kritik, die dem Werk durchaus immanent ist, zielt in eine andere Richtung. Eindrucksvoll wird vorgeführt, dass die Entscheidung über Krieg und Frieden nicht oder aber zumindest nicht allein vom Soldaten im Schützengraben gefällt wird. Diejenigen, die alle Schuld auf den Soldaten schieben, der den Finger am Abzug hat, fliehen vor der eigenen Verantwortung.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Im Westen nichts Neues, 24. Juli 2004
Erich Maria Remarque schreibt über einen Krieg. Ein pazifistisches Buch also? Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein, setzt er seinem Roman voraus: „Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde - auch wenn sie seinen Granaten entkam." Weder eine Anklage noch ein Bekenntnis, das ist schwer. Remarque betreibt weder eine Analyse der möglichen politisch-ökonomischen Kriegsursachen, noch will er sich auf eine Politik zukünftiger Kriegsvermeidung festlegen. Was folgt ist die sachliche Beschreibung der menschlichen Existenz im Krieg, die sich ändern muss, um ihn zu überstehen. Die einfache Sprache des Ich-Erzählers verleiht diesem Buch dabei eine beklemmende Authentizität. Mit großer Sachkenntnis und Genauigkeit wird der Kriegsalltag beschrieben, die Auswirkungen auf die darin verwickelten jungen Männer lassen sich schmerzhaft intensiv nachvollziehen. Ein großartiges und, trotz der Vielzahl an Romanen über den Krieg, einzigartiges Buch.
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31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Von Soldaten für Soldaten, 18. August 2003
"Im Westen nichts Neues" ist Literatur, wenn Literatur Bücher sind, die einen verändern. "Im Westen nichts Neues" mag keine Literatur sein, wenn man eine einwandfreie Sprache, einen politisch korrekten Inhalt und eine gute Kritik von Reich-Ranicki und anderen Kantoreks als Maßstab nimmt.Das Buch schildert die Erlebnisse an der Front des ersten Weltkrieges, der in vielerlei Hinsicht einer der schlimmsten Kriege der Geschichte ist. Und sie schildert die Erlebnisse eines Schülers, der sich von den Parolen seines Lehrers Kantorek angestiftet mit seiner gesamten Schulklasse meldet, und die andere, oft verdrängte, Seite des Krieges kennenlernt - entwurzelt und desillusioniert endet hier das Primat der Politik und wird durch das Primat des Überlebens ersetzt. Das Buch ist auch ein Zeugnis eines wahren Pazifismus. Oft und gerne vergessen wird, daß die treibenden Kräfte des Pazifismus viele Jahre lang keine friedensbewegten Demonstranten waren - sondern Soldaten, die wissen, was ein Krieg ist, außer "schlimm". Wenn Tilmann Westphalen im Nachwort auch noch dieses Buch dafür hernimmt, die unsägliche "Soldaten sind Mörder"-Debatte zu kommentieren, disqualifiziert er sich damit - die Aussage dieses Buches könnte anders nicht sein. "Soldaten sind Menschen" und Instrumente der Politik zu ihrer Fortsetzung mit anderen Mitteln (Clausewitz), gestern wie heute wie morgen. "Potenzielle Mörder" wie Remarque, Haldeman, Saint-Exupéry und Millionen anderer werden es unterschreiben. Gerade in Zeiten, in denen eine Glaubensdebatte um den 3. Golfkrieg durch alle Zeitungen geht, sollte dieses Buch mehr Beachtung und das Negativbild des konservativen Dorfschullehrers Kontorek mehr als Mahnung dienen. Und jeder, der sich mit dem Krieg beschäftigt, sollte dieses Buch als letztes lesen. (Und jeder, der über Kriege entscheidet, sei es nur in Abstimmungen und Wahlen, sollte sich natürlich damit beschäftigen - und nicht nur mit der Propaganda einer kriegführenden Nation oder einer politischen Strömung!) Als Offizier sehe ich die Bedeutung dieses Buches darin, daß man, bevor man sich an einem Krieg beteiligt, genau wissen sollte, worauf man sich da einläßt und daß es das Wert ist (Latrinenparolen wie "Krieg gegen den Terror" oder "Schutz der Menschenrechte" - wo es echte Latrinenparolen und keine fundierten Begründungen sind - zählen dabei nicht); als sozialliberaler Mensch ist es für mich eine Warnung gegen konservativ-verknöcherte Strukturen und was sie anrichten können. Dies ist meine Meinung. Zum weiterlesen: Dalton Trumbo, Johnny zieht in den Krieg über einen Kriegsversehrten und Remarques Fortsetzung Der Weg zurück.
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