Und ich, ich hab's mal wieder nicht mitgekriegt. Hab mal wieder nicht verstanden, worin der Reiz dieser Aufnahme besteht. Da dachte ich immer sie wär'n Rocker - Lucinda mein ich! Weit gefehlt. Wer ihre Aufnahmen von der 98 Tournee kennt, z.B. die aus `Later with Jools', sieht ein ziemlich scheues Wesen mit starr abgewandtem Blick ins Nichts. So ähnlich ist auch diese Aufnahme von 2007, nach langer Veröffentlichungspause, Schicksalsschläge verarbeitend, erschienen.
Nun verläuft die musikalische Entwicklung eines Musikers eben manchmal wie der Lauf eines Flusses: am Anfang lebhaft bis turbulent, bis hin zu träge vor sich hin schleppend - vielleicht ja untergründig machtvoll, aber wenn Du so an seinen Ufern, den des Flusses, stehst, dann siehst Du das halt nicht. Das erkennst Du erst wenn Du reinspringst. Hier scheint mich irgendetwas davon abzuhalten springen zu wollen. Dieser (musikalische) Fluss sieht schon langweilig aus - besser, er kling fortdauernd so.
Mich machte schon stutzig, dass Bill Frisell 50% der Gitarrenarbeit übernahm. Wer sich auskennt weiß, was das heißt: Arbeit in den Mikrostrukturen, sich langsam entwickelnde, fließende Musik. Wie das mit der Arbeit von Doug Pettibone zusammengehen sollte, war vor dem ersten Hören völlig unklar - und ist es heute, 5 Jahre später, immer noch!
Da kracht nichts - nirgends. Nichts rockt. Der typische Pettibone auf Urlaub. Selsbt Jim Keltner an den Drums und Tony Garnier am Bass, zwei gaaanz alte Hasen, bringen keinen Rumor ins Spiel, schaffen keine Turbulenzen. Die Melodien sind flach und gleichförmig. Lucindas nasal nörgelnde Stimme in begrenzten Bandbreiten - immer schon ein Problem - passt sich dem in "wundervoller" Weise an....
Immerhin, so ein träge vor sich hin fließender Strom kann gewisse hypnotische Momente erzeugen ... hier aber sind's doch nur schläfrige.