Aus der Amazon.de-Redaktion
Die
West-Arbeit des MfS ging weit über die "klassische" nachrichtendienstliche Tätigkeit hinaus. Die Stasi begnügte sich nicht mit der "passiven Beschaffung von Informationen" und einer "intensiven Wirtschafts- und Technologiespionage". Vielmehr ging es ihr um die gezielte Nutzung der gewonnenen Informationen zur "aktiven Einflussnahme auf die Politik des Westens" und zur "Abwehr" der inneren und äußeren Bedrohung.
Darunter verstand das MfS die Bekämpfung von allem, was dem SED-Regime gefährlich werden konnte: von Flucht und Ausreise, von politischer Kritik und von unkontrollierten deutsch-deutschen Kontakten. Aber auch die aktive "Zersetzung" von "SED-feindlichen Personen und Einrichtungen im Westen" und die Vorbereitung von Sabotage- und Terroraktionen gehörten dazu.
Zu diesem Zweck hatte die Stasi ein dichtes Netz geheimer Mitarbeiter über die Bundesrepublik geworfen. Bis zu 30.000 Bundesbürger standen nach Schätzungen der Berliner Gauck-Behörde im Sold des Mielke-Ministeriums, und seine Spitzel waren in alle gesellschaftlichen Bereiche eingedrungen: in Parteien und Gewerkschaften ebenso wie in Wirtschaft, Kultur und Medien oder in die Studenten- und Friedensbewegung.
Hubertus Knabes Studie über die Machenschaften der Stasi liegt in zwei, einander ergänzenden Fassungen vor. Während Die West-Arbeit des MfS insbesondere die organisatorischen Strukturen der West-Arbeit akribisch darstellt, enthält Die unterwanderte Republik eine Vielzahl an Fallbeispielen, die die Einmischung des DDR-Geheimdienstes in die bundesdeutsche Innenpolitik belegen.
Zwar muß die Geschichte der Bundesrepublik nicht neu geschrieben werden, aber bedeutende Aspekte erscheinen unter der bislang vernachlässigten Dimension der Stasi-Anbindung in einem neuen Licht. Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses brisanten Kapitels deutscher Geschichte steht erst am Anfang, und auch für die nächsten Jahre sind noch einige aufsehenerregende Enthüllungen zu erwarten. --Stephan Fingerle
Pressestimmen
"Das Buch des Links Verlages zeigt die Strukturen der Stasi-Arbeit im Westen auf, berichtet über Organisation, Aufgaben, Arbeitsschwerpunkte. Es behandelt Themenkomplexe wie das Anzapfen von Funk- und Telefonverbindungen, die Unterstützung des internationalen Terrorismus durch die Stasi, die Bekämpfung von Flucht und Ausreise." (DIE ZEIT, 11.11.99)
"Knabe kommt bei seiner Untersuchung zu dem Fazit, daß die Erfolge des DDR-Geheimdienstes in der West-Spionage nicht dem"Genie"von Markus Wolf zuzuschreiben sind, sondern dem für westliche Geheimdienste unüblichen Zusammenspiel von Abwehr- und Aufklärungsabteilungen." (Berliner Zeitung, 24./25.12.99)
"Es wird eingehend untersucht, mit welchen Methoden die Stasi und ihre politischen Auftraggeber - die SED -"Aufklärungsarbeit"im doppelten Wortsinn betrieben, wie sie in die Gesellschaft der alten Bundesrepublik hineinzuwirken versuchten. Eine aufschlußreiche Materialsammlung." (DeutschlandRadio, 12.11.99)
"Knabe zeigt, wie der DDR-Geheimdienst durch"aktive Maßnahmen"auf politische Parteien und Jugendorganisationen Westdeutschlands, auf die Friedensbewegung und den SDS einwirkte. Eigene Kapitel widmen sich den westdeutschen Universitäten, der Wirtschaftsspionage, der Bekämpfung von ausgereisten Dissidenten und Menschenrechtsorganisationen, die sich für politische Häftlinge in der DDR engagierten. (...) Knabe schlägt mit seiner Studie eine breite Schneise in den unübersichtlichen Geheimdienstdschungel." (F.A.Z., 5.7.00)