Zu Beginn des 19. Jahrhunderts dringen die Wirren der napoleonischen Kriege auch bis in das kleine Städtchen Travnik in Bosnien. Der Franzose Daville wird als Konsul ausgesandt um in diesem, für Frankreich strategisch wichtigen Land unter osmanischer Herrschaft, Kontakte zu knüpfen und Berichte zu erstatten. Der große Gegner Frankreichs, Österreich, denkt aber genauso und sendet ebenso einen Konsul nach Travnik, der die Interessen Österreichs vertritt und dem französischen das Leben schwer machen soll. Und dann ist da noch der osmanische Wesir unter den Vorgaben Stambuls und ein russischer Konsul, der laufend erwartet wird. In Travnik bleibt anscheinend nichts so, wie es zuvor einmal war, doch das, was sich wirklich ändert sind nur die Gesinnungen der Fremden, ihr Wirken und Handeln in dieser für sie so fremden Gegend.
Was Andriæ auszeichnet sind seine Personenbeschreibungen, detailliert bis ins letzte und aus jeder Figur versteht er eine eigene Geschichte zu machen. Er fügt dem ganzen je nach Notwendigkeit neue Figuren ein und lässt alte Verschwinden und beschreibt dabei doch nur die ganze Zeit seine Hauptfigur, die Stadt Travnik. Andriæ, selbst aus Travnik gebürtig, zeichnet ein Sitten- und Gesellschaftsbild seiner Heimatstadt und bedient sich dabei der Fremden, die es dorthin verschlagen hat und die sich bis zu ihrem Abschied nicht zurechtfinden können. Andriæ greift den Geschehnissen in Bosnien, die in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die Welt schockierten, voraus und macht dem Leser bewusst, warum man dort so lebt und warum es zu Ereignissen kommt, die für Fremde unverständlich sind und immer bleiben werden.
Doch nicht nur die Franzosen und Österreicher, die temporär stationiert sind, verzweifeln an dieser Fremde, auch die osmanischen Invasoren, die Franziskanermönche, die sephardischen Juden und manchmal auch die Bevölkerung an sich selbst. Dem Bosnier Andriæ ist sein eigenes Land ein Rätsel und auch er selbst kann es nur literarisch versuchen zu erklären, macht dies aber auf so charmante und geistvolle Art und Weise, dass man nach dieser Lektüre mehr Zugang hat als nach allen Zeitungs- und Kriegsberichten.