bei Massenets Werther fällt einem zumeist die Arie "porquoi me reveiller" ein und im gleichen elegischen, sentimentalen, bisweilen auch stürmischen und aufbrausenden Tonfall ist das ganze Werk gehalten. Ein bewegendes, mitreissendes Musikdrama aus einem Guss.
Man denkt in erster Linie an die legendären Interpreten Gedda, Kraus oder auch in neuer Zeit Vargas und Alagna, an Troyanos, de los Angeles, Gheorgiu, Kasarova (um nur einige zu nennen).
Kann da eine Billigproduktion überzeugen? Sie kann! Auch wenn Markus Haddock nicht so elegisch und entrückt singt wie ein Alfredo Kraus, so gestaltet er seine Partie kraftvoll und überzeugend, auf jeden Fall erfrischend unweinerlich. Beatriz Uria-Monzon überrascht mit einer recht dunkel timbrierten, warmen und volltönenden Organ,was mancher als störend empfinden mag, der hier eine leichtere, naivere Stimme bevorzugt. Jedoch ist die Stimme der Sängerin klangschön und ausdrucksstark, ein grösserer Hang zur Tragik und Schwermut als bei anderen Sopranistinnen liegt darin.
Die Orchesterleitung liegt in den fachkundigen Händen von Jean Claude Cassadessus, der mit dem französischen Idiom bestens vertraut ist und die sensible, fein nuancierte Musik in allen Nuancen gut darstellt.
Fazit: man findet hier einige Künstler, die in Frankreich (und anderswo) derzeit an den besten Häusern singen und eine frische, originelle Interpretation anbieten die äusserst hörenswert ist, wozu auch das schöne Klangbild beiträgt. Auch wenn die Protagonisten keine Franzosen sind, ist die französische Diktion gut. Zudem enthält die CD trotz des niedrigen Preises das gesamte Libretto.
Empfehlung!