Giuseppe Tartini (1692-1770) gilt als einer der wichtigsten italienischen Komponisten des Barock und als einer der größten Geigenvirtuosen seiner Zeit. Neben zahlreichen Instrumentalkonzerten komponierte er auch etliche Violinsonaten, die meisten davon grundsätzlich mit Begleitung eines Continuo. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass Tartini sie selbst stets ohne Begleitung eines Cembalos vorgetragen hat. Und so verzichtet auch Andrew Manze, der Violinist dieser Aufnahme, auf dieses.
Die bekannteste Violinsonate Tartinis ist die "mit dem Teufelstriller" in g moll. Der Komponist selbst erklärte ihre Entstehung folgendermaßen, dass ihm eines Nachts der Leibhaftige erschienen sei und ihm auf seiner Geige eine derart vollkommene Musik vorgespielt habe, dass sich der Heimgesuchte sofort nach dem Erwachen daran gemacht habe, das Geträumte niederzuschreiben, was ihm - nach eigener Aussage - nur mangelhaft gelungen sei. Was dabei herauskam, ist ein Werk, dass es durchaus mit den großen Violinsonaten Johann Sebastian Bachs aufnehmen kann: ein Stück voll tiefster Kontemplation und anrührender Schönheit.
Angelegt ist die Sonate in Form der Sonata da Chiesa, wobei der italienische Tonsetzer die beiden letzten Sätze zusammenzieht. Das eröffnende Largo ist von aparter Einfühlsamkeit. Paradoxerweise fühlt man sich beim Reichtum an Wärme in dieser Musik eher in religiöse Stimmung versetzt. Wilder und ungezügelter erweist sich dann der zweite Satz. Der berühmt berüchtigte Teufelstriller begegnet dem Hörer dann im grandiosen dritten Satz, dessen dreiteilige Konzeption die Meisterschaft Tartinis bekundet.
Weiterhin eingespielt ist eine Violinsonate in a moll. Die ersten beiden kurzen Sätze dieses düsteren Stückes bereiten auf ein tiefsinniges Andante vor. Durch die folgende, scheinbar in sich ruhende Gigue und die sich anschließende, fünffach variierte Aria wird der Komposition etwas Suitenhaftes verliehen. Dennoch ist das Werk in sich geschlossen und zwingend.
Die Pastorale für Violine solo eröffnet mit einem schwerfälligen Kopfsatz. Es ist an diesem Werk vor allem das fröhlich beschwingte Allegro des zweiten Satzes, das in seinen Bann zieht. Im letzten Satz versteht es Tartini wiederum trefflich, schnelle und langsame Elemente zu einem einzigartigen Klangteppich zu verweben.
Außerdem wird noch ein Auszug aus "L'Arte del Arco" dargeboten. Dieser besteht aus einer ganzen Reihe von Variationen über eine Gavotte aus Arcangelo Corellis Sonate op. 5,10. Hierbei handelt es sich größtenteils um hochvirtuose Stücke, die den Geiger stark in den Vordergrund stellen.
"Andrew Manze fiddles like a man possessed..." heißt es in der Ankündigung auf dem Booklet. Beim Hören der Aufnahme ist man schnell gewillt, dem zuzustimmen. Sein Spiel ist glasklar, transparent und sogleich ergreifend. Er wählt durchweg zügige Tempi, was den zum großen Teil hochvirtuosen Stücken sehr entgegenkommt. Er holt aus den Kompositionen das Maximum an Farbenvielfalt, Authentizität und Gefühl heraus. Dabei spielt er differenziert - ein Lob auf die herausragende Klangtechnik - und straff akzentuiert. So entsteht eine glanzvolle Aufnahme, von der man durchaus geneigt ist, zu sagen, dass es dabei nicht immer mit rechten Dingen zugeht...