Das Programm ist interessant und beruht auf einem ungewöhnlichen Einfall. Um ihre Gesamtaufnahme der Werke Schuberts für Violine und Klavier zu vervollständigen, hat sich Julia Fischer ans Klavier gesetzt und mit Martin Helmchen die vierhändige Klavierfantasie D940 aufgenommen.
Das Resultat läßt such hören. Die Feinabstimmung zwischen beiden Pianisten ist perfekt (man höre die Triller im zweiten Teil und wie sie von brillant bis drohend die Register abwandern, oder den Dialog der Stimmen im dritten Teil). Das bezaubernde erste Thema wird mit Delikatesse dargeboten. Im Vergleich zur anderen schönen Aufnahme mit Pires/Sermet bringt diese mehr Verzweiflung als Resignation, aber beide Lesarten sind berechtigt und stimmig.
Die Überraschung ist also gelungen.
Leider kann man es vom Hauptprogramm nicht sagen. Die Violinfantasie D934 wurde für den "böhmischen Paganini" Jozef Slavík komponiert. Sie fiel bei der Erstaufführung durch und für die (postum erschienene) Erstausgabe besorgte Slavík eine vereinfachte Fassung der Violinstimme. Um es klar zu sagen, Julia Fischer ist den technischen Schwierigkeiten dieser Partie nicht ganz gewachsen. Man vergleiche z.B. mit Isabelle Faust. Diese stürzt sich in die Schwierigkeiten, ohne abzustürzen, und vermittelt dem Zuhörer das Staunen vor einem bravourös gemeisterten schwindelerregenden Drahtseilakt. Julia Fischer zieht hingegen die Handbremse. Die Einleitung entfaltet ihr Mysterium, aber sobald das Allegro anfängt ist der Zauber weg. Das Thema aus "Sei mir gegrüßt" ist voller Lyrik aber die Variationen spannungsarm. In der abschließenden Stretta läßt sie das "Parkinsonsche" Zittern fallen, das den Zuhörer quasi in Trance bringen sollte. Viele Verzierungen werden derart abgeschliffen, daß ich mich frage, ob Julia Fischer wohl nach der hergebrachten Ausgabe (konform zur Erstausgabe) und nicht wie Isabelle Faust nach der Urtext-Ausgabe (konform zur Handschrift) spielt. In einer Partie, die von Oistrach, Schneiderhan, Adolf Busch, Oleg Kagan und so vielen bemeistert wurde, wirkt sie bestens eifrig bemüht aber seelenlos.
Die A-Dur Sonate D574 ist technisch deutlich weniger anspruchsvoll und die Violinistin zieht sich brav aus der Affäre. Hier aber spielt auch Isabelle Faust (und nicht nur sie) in einer anderen Liga. Sie geht in die Tiefe und versteht es - in Schuberts gleichzeitig entstandenen Klaviersonaten findet man ähnliche Stellen - aus den Motivwiederholungen ein Akkumulationseffekt zu gestalten. Ihr Scherzo fiebert von Sturm ud Drang, im Trio hört man Ländler-Anklänge, die Ausbrüche im langsamen Satz werden dramatisch ...
Fischer zeigt dies alles nur in Ansätzen. Ihr Ton hat nicht die Wärme des Faustschen, ihre Akzentuierung und Phrasierung sind viel weniger differenziert.
Martin Helmchen ist ein solider Partner, von der eher harmlosen Seite, der nicht bemüht ist, sich auf Kosten seiner Partnerin zu profilieren, aber in der Fantasie wegen Fischers gebremsten Tempos sich nicht ganz entfalten kann.
Alles in allem ist diese CD nur für die vierhändige Klavierfantasie empfehlenswert. So war's aber wohl nicht gemeint.