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Produktinformation
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Zum Abschluss der Bulgakow-Werkausgabe
Von Taja Gut
Die restlichen Bände der grossen, nunmehr komplett vorliegenden Ausgabe der «Gesammelten Werke» Michail Bulgakows (18911940) sowie die begleitende Bild- und Textdokumentation im Verlag Volk und Welt führen Problematik und Zerquältheit dieses Autors noch einmal eindrücklich vor Augen.
Den 25. Februar 1925 nachts notiert Michail Bulgakow: «Vor mir liegt ein unlösbares Problem. Das ist alles.» Es ist dies einer der letzten Tagebucheinträge, zumindest in der einzigen erhaltenen Abschrift durch den sowjetischen Geheimdienst, der die Hefte bei einer Hausdurchsuchung im Mai 1926 beschlagnahmte. Danach führte Bulgakow wohlweislich nie mehr Tagebuch. Über den aktuellen Bezug der Sätze, geschrieben in seiner hoffnungsvollsten Zeit als Schriftsteller, lässt sich nur rätseln. Nachträglich erscheinen sie jedoch wie ein Motto zu seinem ganzen, unter dem tückischen Diktum der Zeit stehenden Schaffen.
Als durch und durch vor-revolutionärer Mensch litt Bulgakow zeitlebens unter dem Verhängnis der Verspätung. «Warum wurde ich nicht hundert Jahre früher geboren?» klagt er bereits Ende 1917, und in einem Brief von 1921 macht er sich Vorwürfe, «vier Jahre zu spät mit dem angefangen» zu haben, «was ich schon längst hätte tun müssen schreiben». Er datiert den endgültigen Wechsel vom Arzt zum Schriftsteller auf den 15. Februar 1920; der Beginn seiner literarischen Tätigkeit fällt somit schon unter die von Revolution und bolschewistischem Umsturz geschaffenen Bedingungen. Und deren Charakter hat er als zwangsrekrutierter Militärarzt bei den Truppen des ukrainischen Nationalisten Petljura und als Reporter in der Geburtsstadt Kiew während des «roten» Terrors zur Genüge kennengelernt: «Ich habe alles mit eigenen Augen gesehen und endgültig begriffen, was vor sich gegangen ist.» Auch wenn er die Folgen tief unter der sprühenden Oberfläche der Satire verbirgt der Schock hat ihn für immer aus der Alltagswelt gestossen. «Die Gegenwart ist dergestalt, dass ich mich zu leben bemühe, ohne sie zu bemerken [. . .] sie weder zu sehen noch zu hören!»
ZERMÜRBEND ER KAMPF
Zu den traumatischen Erinnerungen treten 1921, als er nach Moskau übersiedelt, der zermürbende Kampf um Wohnung, Nahrung, Kleidung, später endlose Auseinandersetzungen um die Inszenierung seiner Stücke, vor allem mit Stanislawskis Moskauer Künstlertheater («MChAT»); schliesslich Hetzkampagnen, Publikations- und Aufführungsverbote und Ablehnung seiner sämtlichen Auslandsreisegesuche all dies nicht nur vor dem Hintergrund, sondern inmitten eines stetig sich steigernden Staatsterrors.
Das Nicht-sehen- und Nicht-hören-Wollen schlägt immer häufiger in Depression und Krankheit um. «Seit Ende 1930 leide ich an einer schweren Form von Neurasthenie mit Angstzuständen und herzbedingter Schwermut», schreibt er 1931 freimütig an Stalin; Zustände, die sich mit den Jahren noch verschlimmern, so dass er zeitweilig Angst hat, auf die Strassen zu gehen, «Angst, allein zu bleiben. Das ist so furchtbar, dass ich es vorziehen würde, mir ein Bein abschneiden zu lassen» (1934). In dem halben Jahr vor seinem Tod durch Nierensklerose am 10. März 1940 trug er zum Schutz seiner schmerzhaft erblindenden Augen eine dunkle Sonnenbrille. Ironisierte er Ende der zwanziger Jahre die kommunistische Sichtweise durch ein Monokel, so erscheinen zuletzt die schwarzen Augengläser wie die manifest gewordene Weigerung, die Gegenwart anzunehmen.
Nun liegen zwei Bände mit zehn Erzählungen und rund hundertzwanzig Feuilletons aus den Jahren 19211926 vor, die wie übrigens alle Texte Bulgakows einen wachen, überaus genauen Blick auf die herrschenden Zustände bezeugen, ob es sich nun um das unerschöpfliche Wohnungsproblem handelt, um die Verhältnisse in Ämtern und Organisationen oder die bizarren Blüten eines Treibhaus-Kapitalismus unter Lenins «Neuer Ökonomischer Politik» (NEP), durch die sich Moskau rasend verändert. Manche Skizzen lassen sich, nebenbei bemerkt, ohne Abstriche als Impressionen des heutigen Moskau lesen.
Bulgakow hat die vielfach in Dialogen aufgebauten «Real-Grotesken» zum Teil unter Pseudonymen in verschiedenen Zeitungen und Journalen untergebracht, unter anderem in der Berliner Exil-Zeitschrift «Nakanune», vor allem aber im Organ der Eisenbahnergewerkschaft, «Gudok», wo er eine Zeitlang Anstellung fand. Sie bieten in ihrer Gesamtheit qualitativ unterschiedliche, in ihrer Unmittelbarkeit jedoch wertvolle Stimmungsbilder und Bestandesaufnahmen aus der Frühzeit der Sowjetunion, mit scharfem Humor gezeichnet obwohl das im Grunde alles nicht zum Lachen ist. Mit leichter Hand führt Bulgakow hier seinen lakonisch-satirischen Stil zur Meisterschaft, vermag er sein Entsetzen, seine Trauer scheinbar restlos in Groteske zu verwandeln wäre da nicht die Tatsache, dass er gleichzeitig seinen grossen Roman über den Untergang der alten Welt schreibt, die in vollkommen anderer Tonlage gehaltene «Weisse Garde».
Er selbst empfindet die Feuilletons, die ihm das physische Überleben sichern, bald einmal als Sträflingsarbeit. «Es ist nämlich so, dass mein Schaffen scharf in zwei Teile zerfällt: Echtes und Abgequältes», bemerkt er bereits 1921, noch vor seiner Moskauer Zeit. Ähnlich gespalten erscheint sein Bezug zur Realität: die erbarmungslose Schärfe, mit der er sie ins Auge fasst, ermöglicht ihm paradoxerweise zugleich, sie zu «übersehen». Die Verhältnisse erweisen sich als äusserst komplex, nicht nur zwischen dem «Menschen» und dem «Schriftsteller» Bulgakow, sondern auch zwischen «Schriftsteller» und «Schriftsteller». «Echtes und Abgequältes» lassen sich nicht immer mit Sicherheit unterscheiden. Eindeutig dagegen sein Tagebucheintrag vom 5. Januar 1925: «Heute spürte ich in der Gudok zum erstenmal zu meinem Entsetzen, dass ich keine Feuilletons mehr schreiben kann. Ich kann es physisch nicht. Es hiesse, mir und meiner Physiologie Gewalt anzutun.» Auf die Qualen des Feuilletons folgen indessen die sehr viel länger anhaltenden und weitaus zermürbenderen des Theaters.
Im nachhinein erscheint die Verbissenheit, mit der Bulgakow seine ganze Zeit und Kraft über ein Dutzend Jahre an das Theater verschwendete, fast unverständlich. War er in seinem nicht unbeträchtlichen Ehrgeiz geblendet durch den Triumph des ersten Stücks, «Die Tage der Turbins»? Hat er die Unmöglichkeit eingesehen, zu Lebzeiten je noch ein Buch herauszubringen? Tatsache ist: Der Roman «Die Weisse Garde» kann 1925 in der Zeitschrift «Rossija» nur zu zwei Dritteln erscheinen, danach wird sie eingestellt, ihr Herausgeber verhaftet. «Teufeliaden», ein ebenfalls 1925 erschienener und sogleich beschlagnahmter Band mit Erzählungen, wird 1926 neu aufgelegt; neben zwei marginalen Prosasammlungen im selben Jahr bleibt er Bulgakows einzige nennenswerte Buchveröffentlichung zu Lebzeiten. Ferner: Die Bühnenfassung der «Weissen Garde», das Stück «Die Tage der Turbins», erlebt nach der Uraufführung am 5. Oktober 1926 im Künstlertheater einen beispiellosen Erfolg und macht den Autor schlagartig berühmt; bis 1941 wird es, zeitweilig verboten, 987mal aufgeführt. Drei Wochen später, am 28. Oktober 1926, doppelt die NEP-Komödie «Sojas Wohnung» im Wachtangow-Theater nach, und ein drittes Stück, «Die Purpurinsel», gelangt am 11. Dezember 1928 in Tairows Kammertheater auf die Bühne.
Doch dann ist Schluss. Schon Bulgakows erste Erfolge hatten die professionellen Scharfmacher und Kopfjäger der Zunft auf den Plan gerufen. Ihre vernichtende Hetze gegen die «von der hündischen Vergangenheit» besessene «neobourgeoise Ausgeburt» verschärfte sich zusehends. Im Frühjahr 1929 traf ihn ein Aufführungsverbot für seine sämtlichen Stücke. Auch wenn er sich von diesem Schlag nicht mehr erholte, schrieb er weiterhin für das Theater, unterzog sich der endlosen Prozedur der von der Zensur und/oder der Theaterleitung geforderten Änderungen und Streichungen. Vergebens. Ein einziges Stück noch, «Die Kabale der Scheinheiligen», gelangte am «MChAT» nach fünfjährigen (!) Proben am 16. Februar 1936 zur Premiere um trotz Erfolg nach nur sieben Aufführungen abgesetzt zu werden.
Das Stück ist eine dramatische Zuspitzung der letzten Jahre Molières, der durch Intrigen Gekränkter und Neidischer die Gunst des Sonnenkönigs verliert: eine deutliche Spiegelung von Bulgakows eigener Stellung zwischen dem Kremlherrscher und der Kritikermeute jedenfalls wie er, der sich unter Stalins besonderem Schutze wähnte, sie sah.
ANS THEATER VERSCHWEND ET
Nachdem auch ein weiteres Stück noch vor der Aufführung abgesetzt worden ist, kündigt Bulgakow seine Stelle als Regieassistent am «MChAT», die ihm Stalin verschafft hatte und verdingt sich als Librettist am Bolschoi-Theater. Daneben konzentriert er sich nun ganz auf den 1928 begonnenen Roman «Der Meister und Margarita». Dass er seine besten Schaffensjahre dem Theater geopfert hat, ist in Anbetracht der Ergebnisse immerhin füllen sie vier Bände mit eigenen Stücken und zwei mit Dramatisierungen, Libretti und Filmszenarios nach literarischen Vorlagen anderer nur zu bedauern. Wohl beherrscht Bulgakow die Dialogführung und verfügt über ausreichend Bühnenerfahrung, um eine Handlung wirksam in Szene zu setzen. Im Grunde jedoch ist er ein Meister des Augenblicks, der Skizze, der Impression und blitzschnellen Groteske; selten vermag er die Spannung des szenischen Bogens aufrechtzuerhalten, so überzeugen die Stücke trotz überraschenden dramaturgischen Einfällen als Ganzes wenig. Hinzu kommt deren zensurbedingte Ausdünnung, wenn Bulgakow sich auch zu keinen Änderungen herbeiliess, die gegen seine Überzeugung verstiessen.
Sowohl die seit kurzem vorliegende Rowohlt-Monographie von Elsbeth Wolffheim als auch die Dokumentation von Wilfried F. Schoeller bieten einen informativ-knappen Überblick über den Werdegang des Schriftstellers; hauptsächlich werden die wichtigsten Werke zusammengefasst und, namentlich bei Schoeller, um reichhaltiges Bildmaterial ergänzt. Dagegen sind die in zwei Halbbänden vorgelegten Briefe, Dokumente und Materialien enttäuschend: Bulgakow ist ein unlustiger, farbloser, um nicht zu sagen langweiliger Briefschreiber und dies nicht erst, nachdem ihn die «Verhaftung» seiner Tagebücher zur Vorsicht gemahnt hat. Die Korrespondenz dreht sich meist um Äusserlichkeiten, um Abdrucksrechte, Änderungsvorschläge, «Alltagskram». Dazwischen eingestreut finden sich jedoch immer wieder Bemerkungen wie: «Ohne jeden Kleinmut teile ich Dir mit, mein Bruder, dass mein Untergang nur eine Frage der Zeit ist, natürlich, wenn kein Wunder geschieht» (1929).
Das «Wunder» trägt einen Namen: Stalin. Und in bezug auf das rätselhafte Verhältnis des Schriftstellers zum Diktator sind die Briefe tatsächlich aufschlussreich: nicht weniger als fünfmal wendet er sich an ihn (in einem Fall zugunsten eines verbannten Dramatikers) und einmal an die gesamte Regierung, in einem mehrseitigen Schreiben von beeindruckender Offenheit wie er übrigens auch in den Briefen an Stalin nie ein Hehl aus seinen Überzeugungen macht.
Anlass für den ersten Brief vom Juli 1929 ist das erwähnte Aufführungsverbot: «ausserstande, weiterhin zu existieren, abgehetzt, wissend, dass ich innerhalb der UdSSR weder gedruckt noch aufgeführt werde, dem Nervenzusammenbruch nahe», bittet er Stalin, ihn zusammen mit seiner Frau «aus der UdSSR auszuweisen». Da es hiess, Stalin habe sich «Die Tage der Turbins» über ein dutzendmal angesehen, mochte sich Bulgakow einiges von dem Brief erhoffen. Eine Antwort blieb jedoch aus. Bulgakows finanzielle Lage wurde unerträglich, jede Aussicht auf eine Anstellung blieb ihm verwehrt. Auch seine Reiseanträge wurden Mal um Mal abgelehnt.
In seiner wachsenden Verzweiflung wendet er sich am 28. März 1930 an die Regierung. In diesem Brief, einem der bemerkenswertesten Selbstbekenntnisse, dokumentiert der Autor einerseits die «Wut», mit der ihn «die gesamte Presse» und «sämtliche Behörden» der UdSSR verfolgen. Andererseits erklärt er sich darin ausserstande, auch nur den Versuch zu unternehmen, «ein kommunistisches Stück zu schreiben, [. . .] weil ich zuverlässig weiss, dass mir ein solches Stück nicht gelingen würde». Er weist nicht nur auf seine «beharrliche Darstellung der russischen Intelligenzia als der besten Schicht unseres Landes» hin, auf seine «Bemühungen, leidenschaftslos über den Roten und den Weissen zu stehen», sondern bekennt sich ausdrücklich als Verfechter des freien Wortes: «Der Kampf gegen die Zensur, wie sie auch sei und unter welcher Macht sie auch existiert, ist meine Pflicht als Schriftsteller, ebenso wie Aufrufe zur Pressefreiheit.» Er gibt seiner tiefen Skepsis gegenüber dem revolutionären Prozess Ausdruck und charakterisiert sich als einen «mystischen Schriftsteller» und Anhänger der «Grossen Evolution». Geschickt lässt er das literarische Selbstporträt, das er zugleich «als ein politisches Porträt» verstanden haben will, darauf hinauslaufen, dass er für die UdSSR untragbar sei, und bittet erneut «um einen kategorischen Befehl», das Land zu verlassen oder um eine «Abkommandierung» als festangestellter Regisseur an ein Theater.
STALINS TELEFONANRUF
Der tollkühne Brief zeitigt einen völlig unerwarteten und, bei Bulgakows mystifizierender Veranlagung, überaus verhängnisvollen «Erfolg». Wenige Wochen später, vier Tage nach Majakowskis Selbstmord, wird er durch einen Telefonanruf Stalins überrascht: «Vielleicht sollen wir Sie ins Ausland lassen? Was, haben Sie uns so satt?» Bulgakow, perplex, weicht aus: es scheine ihm, ein russischer Autor könne nicht ausserhalb der Heimat leben. Stalin stellt ihm eine Anstellung im Künstlertheater in Aussicht, von wo er bisher nur Absagen bekam, und meint zum Schluss: «Wir sollten uns treffen, miteinander reden . . .»
Bulgakow erhielt sogleich eine Stelle als Regieassistent am «MChAT», die ihn bis zum Lebensende an die Bühne fesseln sollte, ihm jedoch gleichzeitig ein Auskommen verschaffte. Das in Aussicht gestellte Gespräch mit Stalin aber «Ja, ja, Jossif Wissarionowitsch, ich muss unbedingt mit Ihnen sprechen» nahm eine immer bedeutsamere Stelle in seinen Gedanken und Wünschen ein. Es fand auch im Werk seinen Niederschlag, am direktesten vielleicht im Roman innerhalb des Romans «Der Meister und Margarita», in dem Gespräch zwischen Jesus und Pilatus. Ein längerer Brief an Stalin vom 30. Mai 1931, in dem er den Wunsch nach einer Auslandsreise wiederholt, schliesst mit dem Bekenntnis, «dass mein Traum als Schriftsteller darin besteht, zu Ihnen persönlich bestellt zu werden».
Ob sich der Schriftsteller Illusionen hingab, ob er tatsächlich hoffte, wie der Herausgeber der Werkausgabe, Ralf Schröder, darlegt, den Diktator positiv beeinflussen, ihn gar «läutern zu können», ist auf Grund der Dokumente schwer auszumachen. Zieht man Themenkreis und Konstellation der späteren Werke (einschliesslich der Dramatisierung fremder Stoffe) hinzu, ist allerdings das Motiv, «erzieherisch» auf den Herrscher einzuwirken, unübersehbar. Bulgakow, den schon 1923 Ahnungen einer kommenden «Generalauseinandersetzung zwischen Kommunismus und Faschismus» plagten, der sich um Russlands Geschick sorgte und sein Schriftstellertum durchaus auch prophetisch auffasste, traute sich offensichtlich zu, als «einsamer literarischer Wolf» das Gespräch mit dem Machthaber im Kreml zu suchen und, gleich einem Hofnarr früherer Zeiten, einen günstigen Einfluss auszuüben.
Stalin freilich liess nach dem Anruf nie mehr etwas von sich hören, und Bulgakows Reiseanträge wurden weiterhin, gelegentlich in regelrechtem Katz-und-Maus-Spiel, abgeschmettert. Ein allerletzter Versuch, mit einem nüchternen, von Lobhudelei freien Stück über den jungen Stalin, «Batum», die Aufmerksamkeit des Tyrannen zurückzugewinnen, endete tödlich. Es war bereits für die Aufführung im «MChAT» genehmigt, als es am 15. August 1939 jäh der Bannstrahl von «oben» traf. Unmittelbar darauf setzt bei Bulgakow ein schweres Augenleiden ein, Symptom der beginnenden Nierensklerose. Unter starken Kopfschmerzen, zunehmend erblindend, diktiert er letzte Ergänzungen zu «Meister und Margarita», seinem literarischen Vermächtnis, an dem er seit über zehn Jahren arbeitete und das seine Mystifikation vollenden sollte. Hier kann er sich erstmals, von keiner Zensur behindert, dem Dialog mit der Macht stellen: «Vor mir liegt ein unlösbares Problem. Das ist alles.»
Michail Bulgakow starb am 10. März 1940. Sein Grab auf dem Neujungfrauenkloster liegt ironischerweise direkt demjenigen Stanislawskis gegenüber, mit dem er zu Lebzeiten derart unerspriessliche Kämpfe ausgefochten hat.
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