Aus der Amazon.de-Redaktion
Zwei Brüder spielen Duos -- sie sind keine Pianisten wie einige bekannte SGeschwisterpaare. Sie spielen auch nicht dieselben Instrumente, sondern widmen sich unterschiedlichen Stimmlagen: Geige und Cello. Der Ältere der beiden, Renaud Capuçon, ist als Geiger schon länger kein Unbekannter mehr. Sein Cello spielender jüngerer Bruder Gautier wird auch auf internationalen Podien sicherlich bald seinem Bruder ebenbürtig sein.
Die beiden haben sich auf dieser CD Kompositionen gewidmet, die für ihre Instrumente geschrieben wurden. Die zweite Hälfte des 19. und die erste Hälfte des 20.Jahrhunderts bilden den Schwerpunkt. Den Rahmen bilden zwei romantisch und hoch virtuose Variationssätze. Der ungarische Komponist Zoltán Kodály ist unter anderem für seine pädagogische Arbeit und seine Sammlung ungarischer Volksmusik bekannt. Die Beschäftigung mit dieser Musik spiegelt sich auch in seinen Werken wider. In seinem Duo für Violine und Violoncello arbeitet er temperamentvoll, kontrapunktisch und lässt ab und zu Züge seines Lehrers Debussy durchblitzen.
Erwin Schulhoff war nicht nur ein begabter Komponist, sondern einer derjenigen, die sich für neue Strömungen des 20. Jahrhunderts öffneten. Sein Leben endete, wie das vieler jüdischer und/oder als "entartet" bezeichneter Komponisten in den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts, in einem Konzentrationslager. Sein überaus energetisches Duo voller Finessen entstand 1925. Der junge Komponist Eric Tanguy war Schüler der Spektral-Komponisten Horatio Radulescu und Gérard Grisey. Sein für die beiden Brüder komponiertes Duo hingegen enttäuscht die Erwartungen an neue Klangideen und wartet mit Klängen auf, die allzu bekannt klingen und sich eher an denjenigen Kodálys orientieren als an Klangmöglichkeiten der Gegenwart.
Die beiden Musiker zeigen in den virtuosen Variationensätzen wié auch in den längeren Werken von Zoltán Kodály, Erwin Schulhoff und Eric Tanguy nicht nur ihr exzellentes technisches Können, sondern auch ihr Gespür für intensiv romantische Klanggestaltung, rhythmische Präzision und spritziges Spiel. --Nina Polaschegg