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Werke: Der Nazi & der Friseur: 2
 
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Werke: Der Nazi & der Friseur: 2 [Gebundene Ausgabe]

Edgar Hilsenrath
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 478 Seiten
  • Verlag: Dittrich, Berlin; Auflage: 3. (1. September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937717013
  • ISBN-13: 978-3937717012
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (46 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 367.269 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Edgar Hilsenrath
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Edgar Hilsenrath ist es gewohnt, wegen seines spöttischen, makabren Umgangs mit jüdischen Schicksalen, verkannt, angegriffen oder auch ignoriert zu werden. Er provoziert und bricht Tabus mit der Mine des unschuldigen Knaben. Pathos, gar Belehrung oder Indoktrination liegen ihm fern. Die Klarheit, die Lakonie und Direktheit seiner Sprache sind für jedermann verständlich, der verstehen will. Das Spektrum seiner Ausdrucksmöglichkeiten reicht von sanfter Zärtlichkeit über burleske Drastik bis zum schwärzesten Humor. Er polarisiert, weckt Emotionen und regt zum Nachdenken an, indem er den Leser in eine heilsame Ambivalenz stürzt: Er evoziert ein Lachen, das in der Kehle stecken bleibt, und gleichzeitig berstend herausbrechen will. Hilsenrath verbindet Grausamkeit und Zärtlichkeit, abstrusen Witz und blutigen Ernst, Liebe und Hass, Horror und Lebensfreude in literarischen Meisterwerken, die von beunruhigender Aktualität sind. Für sein Gesamtwerk wurde der Dichter in diesem Jahr mit dem Lion-Feuchtwanger-Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Künste gekrönt. (Cornelia Staudacher, Die Zeit)

Hilsenrath hat die rabenschwarze, dem Grauen mit Spott und Witz beikommende Karikatur eines Bildungsromans nach der Erfahrung von Auschwitz geschrieben. … Seit einiger Zeit wird in der Berliner Republik wieder viel über Hitler, doch kaum noch über seine willigen Helfer gesprochen. Man entdeckt stattdessen mehr und mehr Opfer unter den Deutschen. »Der Nazi & der Friseur« liest sich wie ein prophetisch-ironischer Kommentar dazu. Edgar Hilsenrath, den die Akademie der Künste nun für sein Lebenswerk mit dem Lion-Feuchtwanger-Preis auszeichnet, ist aktueller denn je. (Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung)

Ein Meisterwerk, das jetzt innerhalb einer mustergültig edierten Werkausgabe endlich wieder greifbar ist. (Focus)

Kurzbeschreibung

Dieser Roman aus Deutschlands schlimmster Vergangenheit hat seine eigene Geschichte. Erst sieben Jahre nach seinem Welterfolg in Amerika, Italien, England und Frankreich erschien der ursprünglich auf deutsch geschriebene Der Nazi & der Friseur auch in der Bundesrepublik. Es wäre interessant zu wissen, was das deutsche Volk zu diesem Buch sagen würde, schrieb Jahre zuvor Times Literary Supplement. Diese lang erwartete Antwort auf das Buch eines Juden mit deutscher Vergangenheit, Sprache und Kultur, das von der Geschichte dieses Landes diktiert und für das es geschrieben wurde, war ein überraschender sensationeller Erfolg.
Doch es ist nicht nur der surreale Horror, der Kritiker und Leser dieser turbulenten Großdeutschland-Parodie betroffen machte. Es war nicht nur diese Geschichte von der Höllenfahrt des gelernten Friseurs und späteren SS-Oberscharführers Max Schulz aus der deutschen Provinzstadt, der - als Massenmörder an Tausenden von Juden nach dem Krieg gesucht - in der Identität seines durch ihn umgekommenen jüdischen Jugendfreundes Itzig Finkelstein Schutz sucht, der mit einem Sack voll Goldzähnen auf dem Schwarzmarkt in Berlin sein Geld macht und schließlich mit seinem Gesicht wie ein Stürmer-Jude unangefochten nach Israel auswandert und dort seinen gesicherten Lebensabend antritt. Der Erfolg gilt auch einem literarischen Meisterwerk, der Entdeckung eines großen Satirikers und seiner Sprache, die wild wuchert und doch oft genug trifft, eine düstere und auch stille Poesie entfaltet, wie Heinrich Böll schrieb.

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54 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das einem nachgeht, 10. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Nazi & der Friseur: Roman (Taschenbuch)
Edgar Hilsenrath schreibt ein Buch, dessen Rezensionsgeschichte eine bezeichnede ist. Erst nach 50 Einreichungen wird es gedruckt. Warum?

Der Roman ist in 6 Bücher unterteilt. Das erste hebt sich vom Rest ab, so als sei es erheblich früher oder später geschrieben und erst nachträglich auf den Roman zugeschnitten. Wer nur das erste Buch gelesen hat, wird den Roman als unerträglich obszön abtun.

Und tut diesem Roman damit mehr als Unrecht.

Der Nazi und der Friseur ist ein unglaublich mutiges Buch. Es beschreibt brilliant, und dennoch kann der Leser sich nicht identifizieren, er bleibt staunender Zuschauer, den es schauert und graust, der lacht und sich amüsiert, den es kalt überläuft, der von seiner eigenen Moral geschüttelt wird.

Zum Inhalt: Der spätere Nazi ist ein mißbrauchtes Kind aus ärmlichen Verhältnissen, das in Gleichgültigkeit aufwächst, wenn auch nicht in echter Kälte. Sein bester Freund wird der Sohn der jüdischen und erfolgreichen Konkurrenz. Sie lernen zusammen im Gymnasium, sie beten zusammen jüdische Riten, sie werden gemeinsam Lehrling beim jüdischen Vater, sie wachsen auf wie Geschwister im Geiste.

Und doch ist der deutsche Junge allein durch seine Herkunft ein Verlierer und als solcher geht er zu einer Versammlung der SA, die auch sein ehemaliger Deutschlehrer besucht, der hellsichtig bemerkt, dass sich auf diesem Feld die Getretenen versammelt haben, um Gelegenheit zu bekommen, wieder zu treten.

Der Junge wechselt zur SS, weil dort alle Intelligenten landen, sein Stiefvater muss bei der SA verbleiben. Mit der SS geht der Junge nach Polen und erschießt dort Tausende, Zehntausende von Juden. Wahrscheinlich auch die jüdische Familie, die ihn so viel gelehrt hatte.

Der Nazi, er selbst nennt sich fortan Massenmörder Max Schulz, nimmt auf der Flucht vor den Russen die Identität seines Jugendfreundes an, er wird monatelang im polnischen Wald von einer Frau missbraucht, ihm gelingt die Flucht und er wird zum erfolgreichen Schwarzhändler mit jüdischen Kontakten. Er setzt mit einem Seelenverkäufer, der statt der Maximalbeslastung von 700 doch 1600 Flüchtlinge mitnimmt, nach Israel, damals noch unter britischen Protektorat, über. Er wird wieder Friseur, wird zum jüdischen Terroristen für die Befreiung von den Engländern - für ein Israel für die Juden. Ein Weg, der durch seine kühle Logik erschauern lässt.

Alles was dieser Mann tut, tut er ohne große Gefühlsregungen. Nein, seine Frau, die nach dem Lager an unstillbarer Fresssucht leidet, die kann als einzige ihm Gefühle entlocken. Alles was dieser Mann tut, tut er so gut er kann, daraus zieht er seine Menschenwürde: Max Schulz ist ein guter Schüler, ein guter Jude, ein guter Friseur, ein guter Massenmörder, ein guter Schwarzhändler, ein guter Terrorist. Nie begehrt er auf, nie verlangt er etwas vom Schicksal, immer erfüllt er die Anforderungen mit all seinen Kräften. Er lässt sich treiben und treibt nicht.

Insofern könnte der Titel irreführend sein: Dieser Nazi ist kein Gestalter, er handelt, weil das halt so ist, und wenn er handelt, macht er seine Sache gut. - Schuldgefühle hat er, aber nicht wegen seiner Taten, sondern weil keiner in Israel vermutet, er sei der gesuchte Massenmörder Max Schulz.

Selten hat mich ein Buch so berührt, so geschüttelt. Es ist ein ganz und gar grausliges Buch - aber erst, wenn man es aus der Hand legt und sich darüber klar wird, wie schnell das Leben aus einem Jungen einen Mann, aus einem Nazi einen Juden, aus einem Juden einen Terroristen machen kann, wenn man nichts will, außer in Ruhe leben und in Würde sein Leben leben und seinen Beruf erfüllen.

Es ist ein notwendiges Buch, das uns allen den Spiegel vorhalten kann: Sind wir auch so anspruchslos, könnte es uns nicht auch ähnlich ergehen, wenn wir um unser Leben fürchten? Hoffentlich wären wir die mit Mut und Verve? Würden wir die Zeichen erkennen und rückwärts rudern? Wirklich? Wie gesagt: Es ist ein ganz und gar grausliges Buch und ein Nobelpreisverdächtiges noch dazu.
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34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Abstoßend faszinierend!, 27. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Nazi & der Friseur: Roman (Taschenbuch)
Wer dieses Buch im Jahre 2007 liest, wird sicher von Zeit zu Zeit die Luft anhalten! Und sich immer wieder die Frage stellen: "Darf man das?".
Wenn dieses Buch auch dreißig Jahre nach seinem ersten Erscheinen hierzulande bei Lesern diese Reaktion hervor ruft, in einer Zeit, die Skandale jedweder Art produziert, wie mag der Sturm der Entrüstung erst 1977, im Jahr seines Erscheinens hier zu Lande, gewesen sein?
Ohne Zweifel hat Edgar Hilsenrath mit diesem Buch etwas gewagt! Allein dafür gebührt ihm großer Respekt!
"Der Nazi und der Friseur" entbehrt also jeglicher "political correctness", er ist eine echte Herausforderung an den literarischen Geschmack, eine Aneinanderreihung drastischer Schilderungen und er ist ungeheuer faszinierend!

Es ist die Geschichte des Max Schulz, Jahrgang 1907. Er wächst in einer schlesischen Kleinstadt auf, hat fünf leibliche Väter und einen Stiefvater, der ihn oft missbraucht. Dieser Stiefvater führt einen heruntergekommenen Friseursalon. Im Geschäft vis a vis geht der Jude Chaim Finkelstein dem gleichen Handwerk nach. Er ist eindeutig der bessere Friseur und sein exakt gleichaltriger Sohn Itzig wird Max bester Freund. Max ist gerne bei den Finkelsteins, lernt dort ebenfalls das Friseurhandwerk. Seine Mutter und sein Stiefvater sind jedoch latente Antisemiten und diese Saat geht auch bei Max auf. Und da er alles, was er tut, gründlich macht, dient er sich bei den Nazis an. Er steigt auf, wird Oberscharführer der SS und verrichtet seine Arbeit gründlich und effizient.
Nach dem zweiten Weltkrieg wird er zum Kriegsgewinnler und verfällt auf den genialen Gedanken, die Identität seines alten jüdischen Freundes Itzig anzunehmen.
So wandert er schließlich nach Israel aus, wird dort Kämpfer für die jüdische Sache und ein angesehener Friseur.

Skrupel- und gewissenlos ist dieser Max-Itzig immer auf der Seite der Gewinner und als ihn schließlich doch der Wunsch überkommt, seine Geschichte zu offenbaren, eilt sein guter Ruf ihm so voraus, dass ihm niemand mehr glaubt.

Edgar Hilsenraths Roman ist auch darum so eindrücklich, weil er eine so noch nie da gewesene literarische Verarbeitung der Shoah ist. Ein Schelmenroman, bei dem das Lachen freilich im Halse stecken bleibt. Man muss dieses Buch nicht mögen, faszinieren wird es dennoch! Und sicher gerade aus diesem Grund wird es den Lesern noch lange im Gedächtnis bleiben.
Ein Buch, dessen Lektüre niemanden kalt lassen wird. Und auch, wenn es quälend wird: Es lohnt sich durchzuhalten!
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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Max Schulz, Massenmörder und Mitläufer, 29. Januar 2007
Von 
Gabriele B. (Mülheim an der Ruhr) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Nazi & der Friseur: Roman (Taschenbuch)
Max Schulz ist arisch, sieht jedoch so aus, wie man sich gemeinhin einen Juden vorstellt. Er wird als SS-Mann während des Krieges in das KZ Laubwalde abkommandiert und bringt dort unzählig viele Juden um. Nach dem Krieg schlüpft er in die Identität seinen ehemaligen jüdischen Kinderfreundes Itzig Finkelstein und lebt von da an ein jüdisches Leben, das ihn bis in den neu gegründeten Staat Israel bringen wird und ihm dort eine angesehene Existenz beschert.

Das Buch ist eine bitterböse Satire, und wenn man keinen schwarzen Humor hat, kann einen der Inhalt verzweifeln lassen. So bleibt einem jeder Schmunzler im Halse stecken, wenn es heißt, dass doch nicht etwa 6 Millionen Juden umgebracht worden sind. Nein, diese Zahl ist bestimmt zu hoch, es können höchstens 3-4 Millionen gewesen sein. Wie schrecklich makaber, wie absurd und wie treffend wird hier ein Bild der Menschen gezeichnet, die auch nach dem Krieg die große Lüge weiterleben wollen.

Hilsenrath führt in seinem lakonisch geprägten Erzählstil die Menschen vor, Mitläufer, Ignoranten, Befehlsempfänger und Selbstgerechte, die immer ihrem Wesen treu bleiben, sich nicht ändern und nur das sehen, was sie sehen wollen (z.B. den Amtsrichter, der schon von Berufs wegen die Wahrheit herausfinden sollte). Und so hat das Buch immer eine gegenwärtige Gültigkeit, unabhängig von Zeit und Land.

Wirklich beachtenswert finde ich die Tatsache, dass Hilsenrath diesen Roman bereits 1968/69 geschrieben hat, also seiner Zeit weit voraus war, was Aufarbeitung des Holocausts und Kritik an allen Beteiligten des Naziregimes betreffen. Dies wird auch belegt durch die Schwierigkeiten, einen Verlag zu finden, der den Mut aufbringen würde, dieses Buch zu verlegen.
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