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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ja zu JJ - eine umfassende Portrait-CD auf einem großartigen Label (cybele-records),
Von Riyad Salhi "Riyad Salhi" (Frankfurt) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Werke Von Jens Joneleit (Audio CD)
Würde man heute die Frage gestellt bekommen, welche deutsche Komponisten unter 40 Jahren die herausragendsten sind, dann müsste man drei nennen, schon allein weil die Beschränkung auf zwei Künstler zwangsläufig zur Antwort führt: Jörg Widmann und Matthias Pintscher. Wer aber macht das Trio komplett? Enno Poppe? Isabel Mundry? Ich bin auf der Suche nach dieser Nummer 3, und eventuell könnte es Jens Joneleit sein. Nicht alle fünf Werke auf dieser Portrait-CD sprechen mich an, aber manchmal reicht auch nur eines, um die Ohren zu spitzen. Joneleit sieht aus wie Oliver Knussen nach einer höchst wirksamen Verschlankungs- und Verjüngungskur in Baden-Baden. Es ist nicht gerade so, dass er unter Schreibhemmung leiden würde. Sein Streichquartett Nr. 6 ist von 1999, da war er 31 Jahre alt. Der erste Eindruck: Zerklüftet, heterogenste Stimmungen, Wille zur Schönheit (wenn man sie kaum noch erwartet), aber schrundig... Moment, klingt das nicht wie die Beschreibung von Rihms berühmten 3. Streichquartett ("Im Innersten")? Es gibt da eine gewisse Nähe, auch wenn Joneleit kein Epigone ist. In den letzten Minuten kommt eine der rührendsten Stellen in der SQ-Literatur, behaupte ich jetzt mal. Natürlich bleibt das trotzdem widerspenstige Musik, der man sich nur hingeben kann, wer zu solchem Zeug eine gewisse Affinität hat. Noch besser ist "...in sicht - klaviertrio nr. 3" aus demselben Jahr. Sicherlich ist es wenig originell, sich an "Fremde Szenen" erinnert zu fühlen, aber eine Grundähnlichkeit ist einfach offensichtlich. Bei weitem nicht so ereignisreich wie das zuvor angesprochene Stück, wirkt seine Brillanz wegen seiner Ausgewogenheit zwischen Klang und Stille, der modernen Gereiztheit und der vagen Erinnerung an Musik der alten Meister. Ich habe das Klaviertrio nunmehr zwanzig Mal oder sogar noch öfter gehört und bin - wenn auch nicht begeistert - recht angetan von den Feinheiten, den Details. Es geht über in "abbild" für Cello, und dann folgt ein Ensemble-Werk mit sehr langem Titel, dass mit 26:30 auch das längste Stück ist und für das ensemble gelber klang komponiert wurde. Viel kann ich nicht dazu sagen. Avantgarde as usual: Leise, Ausbruch, liegende Töne, semiorchestrale Aufwallungen, dann wieder Ruhe im Karton. Na, so geht das die ganze Zeit. Ich bin dem Stück einfach nicht gewachsen. Sehr wohl auf Augenhöhe bin ich mit dem ersten Stück von 1998 "il canto...", ebenfalls für Ensemble. Dauert aber auch nur 7:26, das kann man hörend lernen und nach einiger Zeit sogar nachvollziehen. Noch ein lustiger Satz aus dem Booklet-Text eines gewissen Michael Herrschel: "Dorthin mündet sie (die Stille) nach dem letzten Akkord, der sich so fein, so irisierend verströmt, dass man das Zurückgehen ins Unendliche, Ungesonderte des Schweigens kaum spürt." Sehe ich nicht so, aber gut. Jens Joneleit muss man jedenfalls im Auge behalten. Im Jahr 2015 ist er wahrscheinlich schon eine feste Größe in der Neuen Musik, hat jeweils zwei Veröffentlichungen bei KAIROS und bei Wergo und schreibt an seinem 11. Streichquartett.
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