Posaune und Orgel - keine sehr häufige Kombination - aber diese CD mit der phantastischen amerikanischen Posaunistin Abbie Conant (Professorin für Posaune in Trossingen und international bekannte Solistin) und dem kongenialen Klemens Schnorr an der Orgel macht Lust auf mehr. Da die Posaune durch ihren weicheren Klang und die tiefere Lage die Orgel weniger dominiert als die Trompete, entsteht, anders als bei den meisten CD mit Trompete und Orgel ein echter Dialog der beiden Künstler. Klemens Schnorr findet immer sehr gute Registrierungen, die nicht zu dominant sind, aber auch nicht die Orgel zum bloßen Begleitinstrument degradieren, und die sich immer gut mit dem Posaunenklang mischen.
Und dieser Posaunenklang hat es wahrlich in sich - so reich, so frei resonierend, so gesanglich, so angenehm timbriert kann eine Posaune in den Händen einer wahren Meisterin klingen. Dabei spielt Abbie Conant keineswegs übertrieben süßlich, sondern mit einem wunderbar kraftvollem sonorem Klang, den sie je nach Stück und Epoche aufs Schönste modulieren kann und der in der hohen Lage noch freier und strahlender wird - falls das überhaupt noch geht. Ihre Technik und Intonation ist makellos, ihre Phrasierung sehr natürlich. Ihre Stilsicherheit ist abslout beeindruckend. Und dass sie über eine gehörige Portion Virtuosität verfügt, zeigt sie nicht nur in einer Transkription der a-Moll Blockflöten-Sonate von Händel, die ich für die beste Einspielung eine Barocksonate auf der Posaune überhaupt halte.
Am Begin der CD steht eines der ältesten Solostück für Posaune - eine Canzona von Giovanni Martino Cesare, in der die Posaune technisch und musikalisch schon erstaunlicher stark gefordert wird. Im ersten Teil der CD mit alter Musik gibt es außerdem noch eine Sonate von Marcello (original für Cello) und ein Choralvorspiel - alles ganz wunderbar interpretiert.
Der zweite Teil der CD ist neuerer Musik gewidmet. Ein Höhepunkt der CD ist für mich die großartige Einspielung des oft gespielten 'Morceau Symphonique' von Alexandre Guilmant - für mich, trotz großer Konkurrenz von Lindberg bis Becquet und Trudel die Referenz Aufnahme. Ein weiteres Highlight sind die Transkription der bekannten 'Variantion on America' von Charles Ives, wo beide Künstler noch einmal alle Register ihres Könnens ziehen. Last but not Least ist die 'Sonata da Chiesa' von Helmschrott zu hören, moderne sakrale Musik, die viele interessante Klangmöglichkeiten auslotet und die hier ebenfalls ohne Fehl und Tadel eingespielt ist.
Die Klangtechnik der CD ist gut, ebenso wie das Booklet, das die Erwartungen erfüllt, aber nicht übertrifft. Insgesamt also eine exzellent CD, für Posaunisten eine absolutes Muss! Aber auch Musikliebhaberm im Allgemeinen kann diese CD vorbehaltlos ans Herz gelegt werden. Vielleicht hilt sie, eventuell vorhandene Vorurteile gegenüber der Posaune abzubauen.